OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
: Ignacio Ramonet auf dem Internationalen Journalismusforum Photo: Ismael Batista

Vor 81 Jahren hörten Tausende US-Amerikaner im Radio das Radioprogramm des Senders CBS. Vom Meridian Plaza Hotel in New York aus spielte ein Orchester ein Stück, das gerade in Mode war, als plötzlich die Sendung von einer Nachricht unterbrochen wurde: Etwas Seltsames passierte gerade.

Der bis dahin unbekannte Schriftsteller Orson Welles erzählte den Zuhörern auf eine realistische Weise von einer Invasion von Außerirdischen auf der Erde. Um die Inszenierung dramatischer zu gestalten, unterbrach man gelegentlich die Sendung, damit die Zuhörer den Eindruck hatten, es handle sich um ein reales Ereignis.

So kam es, dass viele Hörer in Panik gerieten, weil sie glaubten, dass das, was im Radio kam, der Wahrheit entsprach und dieser Moment bekam so einen Stellenbwert in der Geschichte der Kommunikation. Es war dies vielleicht einer der bekanntesten Fake News der Geschichte.

Nun sieht es aktuell so aus, dass etwas, was früher ein Meilenstein bei der Werbung für ein literarisches Werk war, heute zu einer Waffe der Desinformation wurde.

Die falschen Nachrichten sind in Mode gekommen und es sind nicht mehr nur der Journalist oder der mit einem Smartphone ausgestattete Bürger der Fake News auf der Suche nach dem flüchtigen Ruhm des Klicks und des „gefällt mir“ produziert, es sind vielmehr die Regierungen, auf die die meisten der falschen Nachrichten zurückgehen. Es besteht ein ausgeprägtes Interesse die Wahrnehmung von Ereignissen zu verzerren, die die Öffentlichkeit nicht beurteilen und angesichts der Lawine von Falschinformationen auch nicht objektiv bewerten kann.

Das war das Thema eines der Podiumsdiskussionen des Internationalen Journalismusforums zum 60. Jahrestag der Operation Wahrheit, das gestern in Havanna tagte.

Unter den eingeladenen Gästen stach der Journalist und Schriftsteller Ignacio Ramonet hervor, dessen Vortrag sich mit dem „ Informationskrieg in der Ära der Fake News“ befasste.

Der spanische Analyst führte aus, dass „eine neue Generation von Oligarchen entstanden ist, die für einen Apfel und ein Ei die großen Pressemedien aufgekauft haben; so hat z.B. der Besitzer von Amazon die Washington Post für den symbolischen Wert eines Dollars aufgekauft, nicht um Geld zu verdienen, sondern um Ansehen und Macht zu erlangen. In wenigen Jahren ist dort, wo es früher Pressemonopole, Multimediagruppen von Zeitungen, Radio und Fernsehen gab, eine neue Generation von Medienabenteurern ohne jegliche journalistische Tradition entstanden“.

Ramonet warnte außerdem vor der Nutzung der sozialen Netze ohne irgendeinen Respekt vor den ethischen Prinzipien der Information. Auf der anderen Seite brachte er den wohl bekannten Fall des Präsidenten Donald Trump als Beispiel. Der Regierungschef habe sich während seiner Kampagne an seine Millionen Follower in Twitter und Facebook gewandt und den Wahlsieg errungen, obwohl er die wichtigsten Fernsehkanäle gegen sich hatte.

Der bekannte Journalist sprach in seinem Beitrag von der schweren Krise der Glaubwürdigkeit, die eine große Unsicherheit in der Öffentlichkeit hervorrufe. So vertrauen z.B. in Spanien kaum 31 % der Spanier auf das, was in den Medien berichtet wird.

Diese Statistiken werden durch den Fall des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ unterstützt, deren Starjournalist Claas Relotios eine Reihe falscher Reportagen veröffentlichte, die nicht nur den guten Namen der Zeitschrift sondern auch dem Journalismus als solchen Schaden zufügten.


60 Jahre Operation Wahrheit

Bei der Einführungszeremonie des Forums hieß der Präsident von Prensa Latina Luis Enrique González die Anwesenden herzlich willkommen, die gekommen waren, um an den Jahrestag der Operación Verdad zu erinnern, die Fidel Castro drei Wochen nach dem Sturz der Batista Tyrannei und der Gründung von Prensa Latina anführte.  

Damals rief die Revolution ganz schnell die größtmögliche Zahl an Journalisten und herausragenden Intellektuellen zusammen. Der Comandante en Jefe trat gemeinsam mit dem Volk einer von den großen Pressemedien hauptsächlich aus en USA ausgeführten Kampagne entgegen und setzte damit eine Operation in Gang, die angesichts der ständigen US-Aggression lange Zeit andauerte.

An der Einführung nahmen unter anderem der Mitglied des Sekretariats des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas Victor Gaute und der Historiker von Havanna, Eusebio Leal, teil.

Zu der unter der Schirmherrschaft von Prensa Latina stehenden Veranstaltung kamen Experten aus verschiedenen Regionen, um über den lateinamerikanischen Journalismus in den Szenarien der Globalisierung und der neuen Technologien zu debattieren.

Dazu sagte Ignacio Ramonet exklusiv für Granma, dass „der Journalismus immer ein riskanter Beruf gewesen ist. Jeder Journalist, der die Wahrheit sagt, exponiert sich. Hier sind wir heute zusammengekommen, um uns an den den Gründer von Prensa Latina, den Argentinier Jorge Ricardo Masetti, zu erinnern, der Opfer der Repression wurde und er war nicht der einzige; einige Journalisten von Prensa Latina gaben ihr Leben.

Der progressive Journalismus, der Journalismus der Linken hat eine große Tradition an Martyrern; wieviele Journalisten sind in Mexiko gestorben, eines der Länder, in dem die meisten Journalisten ermordet werden; das macht den Preis deutlich, wenn man die Ideen verteidigt, den Preis der Wahrheit“.

Viel hat sich seit jenen Tages des Kampfes in der Form der Auseinandersetzung geändert. Heute hat die Entwicklung der Technologien ein neues Arsenal geschaffen, das an die Worte des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush erinnert, als er nach den Ereignissen des 11. September sagte: „Es ist mein Arbeitsstil, man muss die Dinge immer wieder wiederholen, damit die Wahrheit durchdringt, in einer Art Katapult der Propaganda“.

Nicaragua, Venezuela und Kuba, für das Imperium und seine Diener die sogenannte „Troika des Bösen“ stehen einer Maschinerie gegenüber, die über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Bereich Kommunikation verfügt, was, zusammen mit einem völligen Fehlen an Ethik und der Abwesenheit von Wahrheit, für die Regierungen und die Völker unserer Länder eine große Herausforderung darstellt.

Ein anderes dort behandeltes Thema war „Kuba im aktuellen internationalen Kontext“. Hier sprach der erste stellvertretende Außenminister Marcelino Medina González über das schwierige Szenario, in dem wir uns zur Zeit befinden.