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Der kubanische Präsident Díaz-Canel erinnerte in Twitter an das 20 jährige Bestehen der Lateinamerikanischen Schule für Medizin (ELAM); aus diesem Akt der Liebe gingen Tausende von Ärzten hervor, darunter auch Brasilianer, die das Ärztekolleg Brasiliens daran hindert ihre Approbation bestätigen zu lassen und Zugang zu einem Arbeitsplatz zu bekommen. Es ist das Jahr 2013. Die Präsidentin Dilma Rousseff förderte in Brasilien Programme wie „Más Médicos“, innerhalb deren brasilianische und ausländische Ärzte in armen und entlegenen Gebieten des Landes arbeiten sollten. Dieser Initiative schlossen sich Tausende von kubanischen Fachleuten aus dem Gesundheitsbereichs an. In Venezuela führte der damalige antichavistische Präsidentschaftskandidat Henrique Capriles einen Diskurs der Drohungen gege Photo: Twitter

Wenn es Ihnen bis hierher so scheint, dass sie dieses Drehbuch schon öfter gesehen haben, so seien Sie sicher, dass dies zutrifft. Das, was Präsident Jair Bolsonaro gerade mit der Sprengung des Programms „Más Medicos“ und mit dieser Garantie des Zugangs für qualitativ hochwertige medizinische Versorgung für Millionen von Brasilianern getan hat, erinnert zumindest an viele andere Angriffe der Rechten der Region gegen die internationale kubanische Zusammenarbeit.

Der gewählte Präsident des südamerikanischen Riesenlandes bezeichnet die kubanische Regierung als „Diktatur“, und unternimmt gleichzeitig alle Anstrengungen, um die zwischen 1964-1985 herrschende brasilianische Militärdiktatur zu verteidigen, die noch frisch in der Erinnerung des Landes verhaftet ist, nicht nur wegen des erzwungenen Verschwindenlassens und der Ermordung von Personen, sondern auch wegen der Unterdrückung jeglicher politischer Opposition. Schlechte Aussichten für Brasilien, wenn der neue Präsident die ganzen Ausmaße eines diktatorischen Regimes nicht erkennt,

Und das déjà vu wird verstärkt, wenn er sagt, dass „er den Tausenden kubanischen Ärzten, die nicht in ihr Land zurückkehren möchten, politisches Asyl gewährt“.

Es ist keine große Überraschung, dass der Aufruf an die Ärzte zu desertieren hinter seiner Haltung steht. Man muss dies vor dem Hintergrund sehen, dass die hoch qualifizierte Arbeitskraft das größte Potential Kubas darstellt und dass die kubanischen Ärzte oder die in Kuba ausgebildeten Mediziner aus anderen Ländern ein positives Bild des Landes vermitteln zu einer Zeit, in der sich Formen der Zusammenarbeit Süd-Süd entwickeln.

Diese Art von Sabotage hat im Parole Programme für Kubanisches Medizinisches Fachpersonal einen deutlichen Bezugspunkt. Es handelt sich hierbei um ein Migrationsschema der US-Regierung, das bis zum 17. Januar des letzten Jahres in Kraft war. Als nach einem Jahr der Verhandlungen und ermutigt durch den Beginn der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Havanna und Washington beide Länder einen Vertrag unterzeichneten, der darauf zielte, eine reguläre, sichere und geordnete Migration zu garantieren, wurde außerdem das Parole Programm und die Politik der Trockenen Füße- Nassen Füße abgeschafft. Es war dies eine der letzten von Präsident Barack Obama vorgenommenen Maßnahmen.

Über ein Jahrzehnt lang ermutigte das 2006 von Präsident George W. Bush ins Leben gerufene sogenannte „Parole“ Programm, das medizinische kubanische Personal, das in Drittländern arbeitete, seine Mission aufzugeben und in die USA zu emigrieren. Es war dies eine verwerfliche Praxis, die nicht nur Kuba beeinträchtigte sondern auch die Gesundheitsprogramme der Länder, in denen die kubanischen Ärzte arbeiteten.

DIE FORMEL BOLSONARO IST ALSO ALT UND BEREITS BEKANNT

„Die Absicht bist klar: der kubanische Zusammenarbeit mit anderen Ländern Schaden zuzufügen, die Zufuhr von Geld als Bezahlung für diese Programme zu reduzieren und Ärzte und andere Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich des Landes zu entnehmen“, schrieb der Professor des Studienzentrums für die Hemisphäre und die USA der Universität von Havanna Ernesto Domínguez López in seinem Artikel „Migration, brain drain und internationale Beziehungen. Der Fall USA und Kuba.

Für den Wissenschaftler verwandelten in den Jahren, in denen beide politische Maßnahmen angewandt wurden, diese sich in die zwei wichtigsten Komponenten der Migrationspolitik der USA gegenüber Kuba, aber sie gingen noch darüber hinaus. „ Wenn wir diesen Fall in einem viel breiteren Rahmen der allgemeinen Migrationspolitik der USA sehen, stellen wir fest, dass es sich beim Anlocken von gut ausgebildeten Ausländern zum Auffüllen der Lücken des Arbeitsmarkts der USA um eine Politik mit Tradition handelt, die in der Existenz der H1B Visa zum Ausdruck kommt. Unter diesem Schirm sind Wissenschaftler, Ingenieure und Ärzte in Einrichtungen und Gesellschaften der USA gekommen und haben so dabei geholfen, dass das Land seine priviligierte Stellung in der Welt beibehalten konnte. Die Migration hat sich so zu einem Angelpunkt für die Wirtschaft und die Universitäten der USA verwandelt“, führte der Verfasser des Artikels weiter aus.

Domínguez López merkt an, dass es Studien gebe, die beweisen, dass die reichsten Länder wirksam eine Politik umgesetzt haben, um qualifizierte Immigranten zu absorbieren, auch wenn die Untersuchungen zu diesem Thema noch nicht ausreichen. „ Der Bereich, der stärker beachtet wurde, war der brain drain von Ärzten aus armen Ländern. Dies ist, wegen der damit verbundenen ethischen und praktischen Verwicklungen, ein besonders sensibles Thema. Faktisch ist es so, dass die Verfügbarkeit und die Qualität der Gesundheitsversorgung einen großen Einfluss auf die wesentlichen Gesundheitsindikatoren haben, die, wie aus wichtigen Studien hervorgeht, als Hauptquelle der Ungleichheit zwischen den Ländern angesehen werden.

„ Aktuell kann man den brain drain nicht völlig außerhalb eine globalen Analyse erklären, die strukturelle Ungleichheiten, Immigrationsnetze, die Weltpolitik, insbesondere die Asymmetrien bei der Machtverteilung und die Hegemonie der westlichen Kommunikationsmedien und der westlichen Kultur beinhalten müsste. Industrien schaffen Bilder, Wahrnehmungen und Sehnsüchte und verzerren so die verschiedenen Arten von sozialen Interaktionen“, stellt Domínguez López fest.

Seiner Meinung nach wird diese Behauptung durch eine elementare Idee begründet: der barin drain, als Teil des weltweiten Migrationsflusses ist nur wegen der großen Ungleichheit zwischen und innerhalb der Länder möglich, wie aus vielfachen Studien hervorgeht. Diese Ungleichheiten sind nicht zufällig, sondern strukturelle Komponenten der modernen Weltordnung, die als weltweite Verteilungshierarchie von Macht, Reichtum und Entwicklung verstanden wird und das Ergebnis einer globalen Evolution sind.

Dieser Logik entsprechend ist jeder Versuch das qualifizierte Fachpersonal, einer der wertvollsten Ressourcen des Landes zu unterhöhlen und zu schwächen, nicht zufällig und auch kein isolierter Vorgang.

Er ist Teil eines „eindeutigen Signals der Übereinstimmung mit der Außenpolitik der USA“ und das sagt nicht Kuba, sondern das wird durch den Beifall deutlich, der vor einigen Tagen die stellvertretende Ministerin der USA für Angelegenheiten der Westlichen Hemisphäre Kimberley Breier der Haltung des zukünftigen brasilianischen Regierungschefs zollte, die in Kuba zu der Entscheidung führte, dass die kubanischen Ärzte nicht weiter am Programm „Más Médicos“ dieses Landes teilnehmen werden.

IM KONTEXT

1.  Das Gesetz des Programms „Más Médicos“ ist eindeutig, was die Zertifizierung der Ärzte und die Rolle angeht, die die Panamerikanische Gesundheitsorganisation, das Gesundheitsministerium und die kubanischen Universitäten der medizinischen Wissenschaften bei deren Akkreditierung ausüben. Die kubanischen Mitarbeiter müssen sich vor ihrer Abreise nach Brasilien Examen unterziehen und sie werden auch während ihres Aufenthalts dort periodisch vom Gesundheitsministerium Brasiliens überprüft.

2 Die Angebote zur Bestätigung des Titels sind eine Täuschung, da das Ärztekolleg sich dagegen ausspricht. In Brasilien gibt es Tausende von graduierten Ärzten, deren Titel nicht bestätigt wurden. Von hundert Ärzten, die sich dem Examen stellen, bestehen nur acht. Dies ist eine Form, um den privaten Gesundheitsmarkt zu regulieren, um ihre enormen Einkommen zu sichern: weniger Ärzte – mehr Geld. Von daher ist auch die Opposition zu verstehen, die seit dem Beginn des Programms „Más Médicos“ bestanden hat.

3. Die kubanischen Ärzte leisten ihre Dienste an den Orten, zu denen weder die brasilianischen noch die Ärzte aus anderen Ländern gehen möchten. Sie nehmen die Gefahr auf sich, um Leben zu retten. Sie befinden sich an Orten mit hohem Risiko, in den Gemeinden mit extremer Armut, in Favelas und Vierteln mit viel Gewalt, in die selbst die Polizei nicht geht. Sie sind in den 34 indigenen Sonderdistrikten und in 700 Gemeinden, die vorher, in der ganzen Geschichte Brasiliens, nie einen Arzt gesehen hatten. Bis jetzt haben das Volk und die Regierung sie geschützt, aber dieser Schutz wird von der neuen Regierung aufgekündigt werden.