OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

In wenigen Tagen wird Havanna Gastgeberin eines Treffens von Parlamentariern aus Lateinamerika und der Karibik sein, das als Teil des XXIV. Jährlichen Sao Paulo Forums stattfinden wird. Gegenüber Granma sprach der Vizepräsident des Ausschusses für Internationale Beziehungen der Nationalversammlung Kubas Rolando González Patricio über den aktuellen Kontext der Region und die neoliberale Offensive, die man uns von der Kultur aus und indem man uns entmutigt, aufzwingen möchte.

„Das Treffen wird uns ermöglichen, mehr miteinander zu sprechen, unsere Erwartungen auszudrücken und unsere Standpunkte, unsere Hoffnungen darzulegen, denn dies ist auch ein politischer und kultureller Kampf“, sagte der kubanische Abgeordnete.

Für González Patricio hat der hegemonische Aufbau des Imperialismus und der Kräfte der Beherrschung in der Kultur ein grundlegendes Instrument, auch wenn man manchmal nur über die Instrumente der gewaltsamen Repression oder der ökonomischen Gewalt spricht.

„ Vergessen wir nicht, dass der Kolonialismus sich auf diesem Kontinent Jahrhunderte lang verlängerte, weil ein großer Teil der Unterdrückten das System unterstützte. Und die Hegemonie des Kapitals in unserer Region erhält manchmal einen relativ großen Stimmenanteil und das liegt daran, dass es sich eine Kultur der Beherrschung aufgebaut hat und dieser Hegemonie ist es gelungen, eine bestimmte Konsensbildung zu schaffen. 

Dies ist vielleicht eines der Ziele, die die Gesamtheit der linken Kräfte erreichen muss: einen neuen Konsens wiederaufzubauen, eine Gegenhegemonie zu formulieren und dem Mythos ein Ende zu bereiten, dass es nicht möglich ist, sich dem Neoliberalismus entgegenzustellen. Erinnern wir uns daran, dass Kuba eine Revolution gegen den Mythos des geographischen Fatalismus gemacht hat, der besagte, dass man nichts gegen der Willen der USA machen könnte und wir haben eine Revolution, die schon 60 Jahre alt ist.

Unsere Region kann auch von den Asymmetrien und der ganzen Komplexität der Situation ausgehend, Alternativen formulieren und ihre eigene Richtung definieren.

Aber man muss dies mit eigenen Kräften, Ideen und Hoffnungen tun, nicht nach den Regeln des Spiels des alles beherrschenden Gegners und da kommt der Kulturkampf ins Spiel.“

Der kubanische Abgeordnete ist der Auffassung, dass die Kultur im hegemonialen Kampf und in der zeitgenössischen Gegenhegemonie einen vitalen Platz einnimmt, denn irgendwie hat man sie dazu benutzt, den Konsens der Beherrschung zu errichten, den Widerstand zu minimieren und die Gewinne dieser Kräfte des großen Kapitals zu maximieren.

„Um was es hier geht, ist, diese Logik umzukehren und zu erreichen, dass die Kultur zu einem Mobiliserungsfaktor wird, zu einem Faktor, der einen neuen Konsens formuliert, der den Widerstand vervielfacht und dies ist, was uns auf den Weg zur definitiven Befreiung bringt. Die kubanischen Kämpfe z.B. werden von Momenten bestimmt, die deutlich machen, dass angesichts der schwierigsten Situation, der Optimismus der Funke gewesen ist, der die Fähigkeit aufrecht erhalten hat, den größten Schwierigkeit zu widerstehen.

Wenn der Neoliberalismus nicht davon ausgehen würde, dass er sehr bedroht ist, hätte er nicht versucht, den Mythos zu verbreiten, dass es keine Alternativen gebe, ein Mythos, den sie jeden Tag zu verkünden versuchen. Und wenn es keine Alternative gäbe, wären sie nicht so auf jene Erfahrungen konzentriert, auf jene Szenarien, wo es ihnen gelungen ist, Raum zu zurückzugewinnen und die sozialen Errungenschaften rückgängig zu machen. Denn der Neoliberalismus hat noch keinen realen Wandel zum Wohl der Mehrheiten angeboten, das was er tut ist, sie auf ein Stadium vor dem was im letzten Jahrzehnt erreicht wurde, zurückfallen zu lassen,

González Patricio vertritt die Aufassung, dass der Neoliberalismus und die Beherrschung zugenommen haben, weil er Angst verbereitet und versucht die Geschichte umzuschreiben, weil es wichtig ist, die Erfolgskapitel der Kämpfe für eine gute Sache, sowohl die in jüngster Vergangenheit als auch die in weiter zurückliegenden Epochen, auszulöschen.

„Aber dieses Umschreiben der Geschichte zielt auf die Zukunft, denn was dadurch wirklich bezweckt werden soll, ist die Fortschritte dieser Kräfte, der sozialen Bewegungen und der linken Kräfte zu verleugnen und zu ignorieren und natürlich den Optimismus auszulöschen und die Hoffnung zu rauben. Und wir wissen ja bereits, dass ein Individuum oder ein Volk ohne Hoffnung nichts erreicht.

Das, was sie tun ist, zu versuchen uns gewisse Wahldemokratien als Wundermittel zu verkaufen, hinter denen sich noch rohere und ungleichere sozialfaschistische Realitäten verbergen, wie bei den Szenarien der Militärdiktaturen vorangegangener Jahrzehnte. Deswegen müssen wir aus tiefstem Herzen optimistisch sein, fidelistisch optimistisch um weiterzukämpfen und die Geschichte zu verändern.“