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Nur wenige Tage bevor in Lima/Peru der VIII. Amerikagipfel unter dem Motto: „Demokratische Regierungsfähigkeit angesichts der Korruption“ beginnt, ist dessen gastgebender Regierungschef Pedro Pablo Kuczynski (PPK) gestern inmitten eines Korruptionsskandals zurückgetreten.

Das Klima war schon seit einigen Monaten angespannt, eigentlich seit Dezember, als es dem Präsidenten gelang, einen Misstrauensantrag zu überleben und, als er wenige Tage später, den Exdiktator Alberto Fujimori begnadigte, nahm die Spannung noch weiter zu.

Neue Skandale umgaben den Präsidenten, als eine Reihe von Aufnahmen veröffentlicht wurden, die Beamte der Regierung und Kongressabgeordnete kompromittierten. Darin sah man, wie erstere während der Debatte um einen zweiten Misstrauensantrag Versprechungen abgaben, wenn sie die PKK ünterstützen würden.

Inmitten all dessen kündigte der Staatschef an: „Das Beste für das Land ist, wenn ich von der Präsidentschaft der Republik zurücktrete“.

Kuczynski, der weniger als zwei Jahre im Amt war und so tat, als handle es sich um einen würdevollen Abgang, war außerdem im öffentlichen Brennpunkt wegen undurchsichtiger Vorgänge um das brasilianische Unternehmen Odebrecht, das in eine Korruption gigantischen Ausmaßes verwickelt ist.

Nach seinem Rücktritt übernimmt gemäß Artikel 115 der Magna Charta der erste Vizepräsident das Amt und wenn dieses nicht möglich ist, der zweite Vizepräsident und falls auch dieser verhindert ist, der Präsident des Kongresses.

AMERIKAGIPFEL OHNE GASTGEBER

Peru, das Gastgeberland des kommenden Amerikagipfels, das als eines der zentralen Themen den Umgang mit den Auswirkungen der Korruption in der demokratischen Institutionalität und Regierungsfähigkeit vorgeschlagen hatte, wachte heute ohne Präsident auf.

Die Tatsache, dass der Sitz des Gipfels keinen gewählten Präsidenten hat, ist keine gutes Vorzeichen für dessen Förderer in Washington.

Außerdem war es auch Pedro Pablo Kuczynski, der sich für das Manöver Washingtons hergab, die Einladung an seinen Amtskollegen Nicolás Maduro „in Anbetracht der aktuellen Lage“ in diesem Land zurückgezogen hatte.

Auf welche „Situation“ bezog er sich? Auf die eines demokratisch vom Volk gewählten Staatschefs, der von diesem in den schwersten Momenten unterstützt wurde? Auf die eines Präsidenten, der trotz aller Angriffe von außen und innen sich dank der Unterstützung seines Volkes an der Spitze seines Landes hält?

Der Rücktritt von Kuczynski lässt Washington im Festtagskleid aber ohne etwas zurück, das es zu feiern gibt.