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Die Poltik von „USA zuerst“, die die aktuelle republikanische Regierung vertritt, stellt eine Grundsatzerklärung dar. Photo: SAG

Wenn Washington bis vor kurzem von einer Welt nach seinem Ebenbild träumte, in der der Fortschritt sich gleichmäßig unter den Ländern verteilte, die seine Hegemonie nicht in Frage stellten, erkennt es jetzt, dass an der Spitze nur Platz für ein Land ist, und zwar für das mit dem Sternenbanner. Wer auch immer versucht, dies zu verändern, sieht sich „Feuer und Wut“ ausgesetzt.

Was können also Lateinamerika und die Karibik von ihrem Nachbarn erwarten? Das nächste Treffen der Regieurngschefs des Kontinents in der zweiten Aprilhälfte in Lima, Peru wird eine gute Gelegenheit sein, dies herauszufinden.

Weniger als einen Monat vor der Eröffnung des Amerikagipfels – einer Initiative, die auf die Regierungszeit von Bill Clinton zurückgeht und den freien Handel fördern sollte – muss das Weiße Haus kommen und den Weg bereiten.

Das wird an diesem Mittwoch die Aufgabe von Vizepräsident Mike Pence im Rat der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) mit Sitz in Washington sein, vor dem er, was ganz ungewöhnlich ist, eine Rede über die Prioritäten seiner Regierung auf diesem Kontinent halten wird.

Pence wird nach dem Demokraten Al Gore, der dies 1994 tat, der erste Vizepräsident der USA sein, der vor diesem Plenum sprechen wird, ein Beweis dafür, welch geringe Bedeutung Washington normalerweise seinem „Kolonialministerium“ beimisst, außer dann, wenn es benötigt wird, um souveräne Länder anzugreifen oder Staatstreiche herbeizuführen.

Seine Sprecher haben schon im Vorhinein bekanntgegeben, dass geplant sei, die Angriffe gegen die Regierung Venezuelas zu verdoppeln, die zu stürzen für die aktuelle republikanische Regierung zu einer Obsession geworden ist, während sie gleichzeitig versucht, einen Olivenzweig anzubieten, um die Beleidigungen, die Donald Trump gegen einige Länder der Region ausgesprochen hat, zu glätten.

Lima wird der Ort sein, an dem US-Präsident zum ersten Mal seinen lateinamerikanischen und karibischen Amtskollegen von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht und noch frisch in der Erinnerung geblieben sind seine fremdenfeindliche Rhetorik während des Wahlkampfs 2016, die Drohungen, Mexiko dazu zu verpflichten, für die Mauer, die die USA an ihrer Grenze zu Mexiko errichten wollen, selbst zu zahlen, daran, dass er die Migranten der Region als „Mörder und Vergewaltiger“ bezeichnet hat und dass er Länder wie Haiti und El Salvador „Scheißlöcher“ genannt hat.

Wenn Pence sich an die OAS in Washington wendet, werden gleichzeitig in Lima die Vertreter der Zivilgesellschaft des Kontinents zu einem sogenannten Hemisphärischen Dialog zusammenkommen, von dem erwartet wird, dass dort Dinge angesprochen werden, wie das gewaltsame Verschwindenlassen, die neoliberalen Pakete, die Entlassungen, die Kürzung der Renten, die Morde an Journalisten, die Korruption und die verdeckten Staatsstreiche, die unsere Region heimsuchen.

Auch in Kuba gibt es parallel dazu das „Foro Pensando Américas“ ( über die Amerikas nachdenken), das vor der Herausforderung steht, die Vielfältigkeit und den Reichtum der kubanischen Zivilgesellschaft zu zeigen, in Zeiten transzendentalen Wandels, um einen prosperierenden und nachhaltigen Sozialismus zu garantieren.

Drei Ereignisse an drei verschiedenen Orten des Kontinents, die als Angelpunkt den Schlüsselmoment haben, den die Region durchlebt, die wieder einmal vor der Wahl der zwei Amerikas steht, zweier unterschiedlicher historischer Projekte, die auf demselben Kontinent zusammentreffen.

So wie dies vor 200 Jahren die Befreier taten, scheint jetzt die Stunde gekommen, um zu sagen: „Lateinamerika und die Karibik zuerst“.