OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Karibische Streitkräfte des Regionalen Sicherheitssystems arbeiten mit der lokalen Polizei zusammen, um inmitten der Katastrophe die Ruhe beizubehalten Foto: Sergio Alejandro Gómez

ROSEAU – Es ist immer noch einfacher von der Karibik aus in die alten Metropole auf der anderen Seite des Atlantik zu reisen als zu Nachbarinseln, die nur wenige Kilometer entfernt sind. Die koloniale Vergangenheit prägt die Region, die der aus der Dominikanischen Republik stammende Juan Bosch als „imperiale Grenze“ definierte.

Die Anstrengungen zur Integration, die im vergangenen Jahrhundert mit der Unabhängigkeit der Mehrheit der karibischen Länder begannen, versuchen die kulturellen, sprachlichen und wirtschaftlichen Barrieren zu überwinden, die uns die Jahrhunderte im Auge des Hurrikans der Kämpfe der Weltmächte hinterlassen haben.

Aber die letzten Tests, die den Willen der Karibikauf die Probe stellten, kamen aus einer unerwarteten Quelle – aus der Natur. In weniger als einem Monat wurde die Region von drei Hurrikanen großer Intensität getroffen.

Dominica , das von über 250 Stundenkilometern starken Winden des Hurrikans Maria zerstört wurde, war Zeuge der Solidarität der Nachbarländer, die ebenfalls betroffen waren, aber nicht gezögert haben, ihre Ressourcen mit einer Schwesterinsel zu teilen, auf der acht von zehn Wohnungen praktisch unbewohnbar wurden.

UNTERSTÜTZUNG AUS DEM GROSSRAUM KARIBIK

„ Zu den ersten Ländern, die hier mit Macht eintrafen, mit Bergungstrupps und Lieferungen, gehörten Venezuela und Kuba“, sagte der Botschafter Kubas in Dominica Juan Carlos Frómeta Granma gegenüber.

Kuba unterhält seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts eine ständige medizinische Mission auf der Insel. Als der Hurrikan auf Dominica traf, waren an die zwanzig Ärzte, Krankenschwestern und Gesundheitstechniker über die Insel verstreut im Einsatz.

Etwa 72 Stunden nach dem Durchzug von Maria war ein ATR Flugzeug von Cubana de Aviación unter den ersten, die es wagten auf dem Flughafen Melville Hall zu landen, der noch vom Regen überschwemmt war. Eine Brigade von Rettungsleuten und zehn Spezialisten des Kontingents Henry Reeve kamen an, um den Betroffenen beizustehen.

Dann reiste Anfang Oktober eine Vorhutmission nach Dominica, die die Ausweitung der kubanischen Hilfe auf andere Bereiche auswerten sollte.

Am Freitag den 19. Oktober wird ein kubanisches Schiff mit humanitärer Hilfe, zwei Brigaden von Elektrikern und Waldarbeitern erwartet, die dabei helfen sollen, die Stromversorgung wiederherzustellen, die vollständig zusammengebrochen war und die Wälder zu räumen, wo man im Umkreis von Kilometern kein grünes Blatt mehr sieht.

Auch Venezuela kam mit einem Bergungstrupp zu Hilfe. Seine technischen Mittel wie Hubschrauber und Transportflugzeuge waren in den ersten Tagen entscheidend für die Fortbewegung des Notfallpersonals.

„Ich glaube, dass man in einem Moment wie diesem eine sehr schnelle Reaktion der Länder des sogenannten Großraums Karibik feststellen konnte“, sagte der kubanische Botschafter.

Kuba und Venezuela gehörten zu den ersten, die Dominica Unterstützung gewährten Foto: Sergio Alejandro Gómez

Der Gipfel Kuba-Caricom (Gemeinschaft der Karibik), der weiterhin für Dezember in Antigua und Barbuda geplant ist, sollte eine weitere Gelegenheit sein, die Zusammenarbeit fortzusetzen und zu erweitern und das Entstehen neuer Initiativen zu fördern“, fügte Frómeta hinzu.

Der kubanische Botschafter hob ebenfalls die von Teilen der Nachbarinseln der Östlichen Karibik geleistete Hilfe hervor.

Die technischen Mittel von Antigua und Barbuda, das einige Tage zuvor von Hurrikan Irma getroffen wurde, dienten in den kritischen Stunden nach dem Durchzug von Maria zur Herstellung einer Verbindung mit Dominica, wo praktisch alle Kommunikationstürme zerstört waren.

Die Küstenwache von Barbados stellte Schiffe für den Transport von technischem Personal und Versorgungslieferungen zur Verfügung. Die Regierung von Trinidad und Tobago half mit Hubschraubern, um Teams in entlegene Gebiete zu bringen, Verletzte zu bergen und Notdienste zu leisten.

Die Dominikanische Republik stellte ihre Krankenhäuser zur Aufnahme von Notfallpatienten zur Verfügung, von denen viele von ihrer eigenen Marine dorthin gebracht wurden.

Seit 1991 verfügt Caricom über eine für Naturkatastrophen in der Karibik spezialisierte Agentur (CDEMA – Caribbean Disaster Emergency Management Agency).

CDEMA gehören 18 Länder der Region an und sie war bereits vor dem Hurrikan vor Ort aktiv und führt jetzt Projekte zum Wiederaufbau von Dominica aus, wozu auch der Unterhalt von Notunterkünften und der Bau von Wohnungen gehört.

Am 13. Oktober sprach der Exekutivdirektor dieser Agentur Ronald Jackson anlässlich des Internationalen Tages zur Reduzierung von Katastrophen über die Notwendigkeit institutionelle Kapazitäten und eine Infrastruktur in der Karibik aufzubauen, mit denen man in der Lage ist, sich an den Klimawandel und die immer stärker werdenden Naturkatastrophen anzupassen.

„Die jüngsten Auswirkungen der Hurrikane Irma und Maria haben die Notwendigkeit deutlich gemacht, sich mit den Schwachstellen der Karibik auseinanderzusetzen“, fügte Jackson hinzu.


REGIONALES SICHERHEITSSYSTEM

Wie dies an vielen Orten nach großen Naturkatastrophen vorgekommen ist, so brachte auch die Verzweiflung der Bevölkerung hier in den ersten Tagen einige Unruhen und Plünderungen mit sich.

Die Sicherheit wurde so zu einer transzendentalen Angelegenheit, um die Ankunft von Hilfslieferungen und die gerechte Verteilung der Ressourcen insbesondere an die schwächsten Teile der Bevölkerung zu garantieren.

„Unsere kleine Polizeitruppe war mit dem Ausmaß der Zerstörung durch Maria überfordert“, sagte der Superintentendent der Polizei von Dominica Richmond Valentine gegenüber Granma.

„Wir konnten keines unserer Fahrzeuge benutzen, die Stadt war unpassierbar, überschwemmt vom Hochwasser des Flusses, voller Schlamm und Sand. Wir hatten keine Kommunikation, kein elektrisches Licht und die mobilen Telefone waren unbrauchbar“, erinnert er sich.

Valentine betrachtet die Bereitstellung des Regionalen Sicherheitssystems (RSS) als entscheidend, um die Ruhe im Land zu garantieren und die Etappe des Wiederaufbaus einzuleiten.

Dieser Mechanismus wird aktiviert, wenn es in einem der Mitgliedsländer des Caricom zu einer Katastrophe kommt.


Trinidad und Tobago, Grenada, Santa Lucía, Jamaika, Barbados und andere Länder schickten einige Stunden nach der Katastrophe Dutzende von Beamten nach Dominica.

„Wir sind verantwortlich für die Sicherheit, den Wiederaufbau der Gebäude und auch für die Verteilung und Verwaltung der Hilfslieferungen“, sagte uns der stellvertretende Kommissar von Antigua und Barbuda und Leiter der RSS Operation in Dominica Atlee Rodney.

„Es ist wichtig, dass wir wie eine einzige Karibik zusammenarbeiten. Kein Land kann für sich allein mit diesen Problemen fertigwerden“, fügte er hinzu.

Valentine, der in Roseau direkt mit den RSS Mitgliedern zusammenarbeitet, weist jegliche Art von Feindschaft zwischen Beamten der Nachbarländer und den lokalen Kräften zurück.

„Wir haben in der Vergangenheit zusammen an Übungen teilgenommen. Wir kennen sie. Man kann ihre Bereitschaft erkennen einer Schwesterinsel zu Hilfe zu kommen sowie ihren Willen, solange hier zu bleiben, wie es nötig ist“, sagte er.

Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen bedankte sich der Premierminister von Dominica, Roosevelt Skerrit, für die Hilfe der Karibikländer.

„Am Morgen des 19. September hat Maria die Bereitschaft der Dominicaner und unserer karibischen Nachbarn einer Prüfung unterzogen. Alle haben sie bestanden“, sagte er.