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Der kubanische Präsident wurde von Premierminister Manuel Valls empfangen Photo: Estudio Revolución

PARIS – Am zweiten und letzten Tag seines Besuches in Frankreich stand ein umfangreiches Programm auf der Tagesordnung des kubanischen Präsidenten Raúl Castro Ruz, bei dem die Treffen mit den bedeutendsten Persönlichkeiten der französischen Regierung und des französischen Staates sowie die Begegnung mit der Generaldirektorin der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) herausragten.

Der Tag begann bereits früh am Sitz der UNESCO in Paris, ein Ort, den auch der Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz im Jahr 1995, auf dem Rückweg vom Weltgipfel über Soziale Entwicklung in Kopenhagen, besucht hatte.

Die Generaldirektorin Irina Bokowa, die dieses Amt seit 2009 bekleidet und mit der sich der kubanische Präsident bereits zweimal in Havanna getroffen hatte, empfing ihn am Haupteingang des Gebäudes.

Raúl zusammen mit der UNESCO Direktorin Irina Bokowa Photo: Estudio Revolución

Sie begleitete Raúl durch die Flure des Hauses, das nicht nur dafür berühmt ist, der Sitz dieser Einrichtung der Vereinten Nationen zu sein, sondern auch wegen seiner außerordentlichen Architektur. Dort warteten Dutzende von Beamten der UNESCO mit ihren mobilen Telefonen in der Hand, um ein Foto als Andenken an diesen Besuch mit nach Hause zu nehmen. Sie klatschten Beifall und ließen Raúl hochleben. Einige von ihnen waren auch damals dabei, als Fidel vor zwei Jahrzehnten das UNESCO Gebäude besuchte.

Wie bei den vorherigen Treffen herrschte eine herzliche Atmosphäre, die darin begründet ist, dass die Beziehungen Kubas mit der UNESCO seit 70 Jahren bestehen. Neben verschiedenen anderen Themen sprach man auch darüber, wie wichtig es sei, dass die Agenda für Nachhaltige Entwicklung 2030 durchgeführt werde, die vor kurzem in der UNO verabschiedet wurde und in der sich alle Staaten unter anderem dazu verpflichten, eine qualitativ hochwertige Erziehung zu erreichen und die Armut auszurotten.

Bokowa sagte, dass die UNESCO Kuba weiterhin bei jedem Schritt seines Weges begleiten werde. Sie betonte, dass das Spektrum der Zusammenarbeit zwischen beiden weit gefasst sei und sie bewertete die Ergebnisse, die Kuba im Bildungsbereich erzielt habe, als sehr positiv.

Raúl seinerseits sagte, dass Kuba weiterhin bereit sei, mit allen Ländern der Welt zusammenzuarbeiten, wie es dies z.B. im Fall der Friedensgespräche Kolumbiens und der Bewältigung der Ebola Epidemie in Westafrika getan habe.

Der Präsident der Nationalversammlung Claude Bartolone traf ebenfalls mit dem kubanischen Präsidenten zusammen. Photo: Estudio Revolución

Nach dem Besuch bei der UNESCO begab sich der kubanische Präsident zur Nationalversammlung, um mit deren Präsidenten Claude Bartolone zusammenzutreffen. Wie schon bei der Zeremonie am Triumphbogen wurde er auch hier von der Kavallerie der Republikanischen Garde überrascht.

Bei dem Treffen mit Bartolone betonte man den ausezeichneten Stand der Beziehungen zwischen beiden Ländern, insbesondere die Bindungen zwischen den Parlamenten. Die aktive Rolle der Freundschaftsgruppe Frankreich-Kuba bei der Konsolidierung der bilateralen Beziehungen wurde besonders hervorgehoben. Die in den 70er Jahren gegründete Gruppe besteht aus 38 Abgeordneten aller in der Nationalversammlung vertretenen Parteien.

Um die Mittagszeit, als die Temperatur 11 Grad betrug, was gefühlten 7 Grad entsprach, kam Raúl am Sitz des Senats an, der als Palais von Luxemburg bekannt ist. Es sollte erwähnt werden, dass das französische Parlament sich aus zwei Kammern zusammensetzt: der Nationalversammlung und dem Senat.

Die Bürgermeisterin von Paris Anne Hidalgo sagte vor der kubanischen Presse, dass das Treffen mit Raúl sie sehr bewegt habe. Photo: Estudio Revolución

Der Präsident des Letzteren, Gerard Larcher, zweiter Mann der französischen Regierung, hieß Raúl im Patio des Gebäudes willkommen. Nachdem dieser den Kommandeur der Ehrengarde begrüßt und die Truppenparade abgeschritten hatte (mit dem üblichen Foto vor der Presse) betraten beide das Parlament, wo Gespräche über Themen beiderseitigen Interesses begannen, in denen ein größerer Austausch zwischen dem Französischen Senat und der Nationalversammlung Kubas befürwortet wurde.

Der nächste Programmpunkt auf der Agenda des kubanischen Präsidenten war das Bürgermeisteramt von Paris, in dem die Bürgermeisterin Anne Hidalgo nach der Begegnung mit Raúl vor den Pressevertretern gestand, dass diese sehr emotional abgelaufen sei. Sie erinnerte an ihre spanischen Wurzeln und die Bande, die sie immer mit Kuba verbunden hätten.

Sie versicherte, dass die Städte Paris und Havanna gemeinsam daran arbeiten würden, eine neue Beziehung herzustellen. „Dies ist ein historischer Moment“, sagte sie.

Zuvor hatte Raúl bereits seine Befriedigung über die engen Verbindungen zwischen Kuba und dieser Stadt, die vom Nationalhelden José Martí so bewundert worden sei, zum Ausdruck gebracht.

Auch wurde an die Tatsache erinnert, dass zwischen 1879 und 1881 ein Kubaner, Severino de Heredia, einmal Bürgermeister von Paris gewesen sei.

Der Marathontag der kubanischen Delegation wurde mit einem Treffen mit Premierminister Manuel Valls im Hotel Matignon fortgesetzt, der auf den ausgezeichneten Stand der Beziehungen und die Dynamik des Austauschs zwischen beiden Ländern hinwies – Früchte der getroffenen Vereinbarungen beim Besuch von Hollande in Havanna. Um diesem wichtigen Ereignis vor neun Monaten Kontinuität zu verleihen, sprach Raúl eine Einladung an den französischen Premier aus, Kuba zu besuchen.

Als der Nachmittag sich dem Ende zuneigte und es zu regnen anfing, betrat der kubanische Präsident das Museum des Menschen, eine beeindruckende Ausstellung, die der Ethnologie, der Anthropologie und der Vorgeschichte gewidmet ist. Bei seinem Rundgang durch einen Teil der Säle lernte Raúl unter dem Blitzlichtgewitter der Pressevertreter, die ihm zum Palais von Chaillot auf dem Place de Trocadero gefolgt waren, die größte dem Menschen gewidmete Sammlung von Exponaten in Frankreich kennen.  

Nachdem er fast eine Stunde lang die aufmerksamen Museumsführer zu den Dingen befragt hatte, die seine besondere Aufmerksamkeit erweckten, erlebte er die letzte Überraschung des Abends: Vor dem Museum hatten sich, wie bei seiner Ankunft in Paris, Dutzende mit Fahnen geschmückte Kubafreunde versammelt, die mit Hochrufen Raúl, Fidel und die Revolution feierten. Eine schöne Szene, zu der es mehrfach während des Aufenthalts des kubanischen Präsidenten in der Stadt kam und die zeigt, dass Kuba nicht von ungefähr durch Frankreich mit solcher Aufmerksamkeit gewürdigt wurde.