OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

(Übersetzung der stenografischen Version des Staatsrats)

Lieber Freund Raúl Castro,

Herr Senatspräsident,

Herr Präsident der Nationalversammlung,

Herren Minister,

Damen und Herren,

alle, die heute hier sind, sind Freunde von Kuba und wollten mit Präsident Raúl Castro und mit mir zusammensein, um die Stärke der Freundschaft zwischen den beiden Ländern zum Ausdruck zu bringen.

Ich möchte mich außerdem für diesen Besuch bedanken und für die bedeutende Delegation, die den kubanischen Staatschef begleitet. Es ist der erste Staatsbesuch seit dem Beginn der Beziehungen Kuba-Frankreich. In diesem Sinne ist dieser Tag historisch. Im vergangenen Jahr war ich der erste westliche Staatschef, der in Kuba empfangen wurde. Viele andere sind mir gefolgt und fast die ganze Welt will Kuba in seiner Entwicklung begleiten.

Es freut mich sehr, die Gesten zu sehen, die Präsident Obama in den letzten Monaten gemacht hat, aber das Wichtigste bleibt noch zu tun: die einseitige Aufhebung des Embargos, das dem kubanischen Volk seit zu langer Zeit unzumutbare Leiden verursacht und den Austausch behindert, den wir mit diesem Land haben können.

Frankreich war eine der ersten Nationen, die dieses Embargo und die Blockade vor der UNO verurteilten. Unsere Diplomatie unterstützt jedes Jahr in der Generalversammlung die Resolution über die Notwendigkeit, die Blockade aufzuheben.

Frankreich hat gleichfalls den Willen, die Europäische Union und Kuba einander anzunähern, insbesondere im Hinblick auf den Gemeinsamen Standpunkt, der den Austausch behindert und jeglichen Sinn verloren hat.

Wie ich in Havanna sagte, fühlt das französische Volk Zuneigung für Ihr Land, Herr Präsident. Tatsächlich haben wir Verbindungen, die auf das 16. Jahrhundert zurückgehen. Ich will nicht weiter zurück gehen, um historische Fehler zu vermeiden. Wir wissen, dass es im 16. Jahrhundert französische Freibeuter gab, die an die kubanischen Küsten gelangten. Die Stadt Cienfuegos wurde von Bürgern, die aus Bordeaux stammten, gegründet und die französische Architektur und Kultur sind heute sehr präsent. Dann ließen sich nach der Revolution von Haiti viele Franzosen in Kuba nieder. Sie führten dort den Kaffeeanbau ein, der bis zum heutigen Tag fortbesteht und den wir durch gerechten Handel unterstützen, wozu auch an diesem Nachmittag ein Abkommen unterzeichnet wurde. Und mit den Menschen kamen die Ideen. Wir wissen, was uns eint: Unsere beiden Fahnen haben die Farben Weiß, Blau und Rot und Ihre Hymne, La Bayamesa, hat auch einige Akkorde der Marseillaise. Wir teilen das gleiche Engagement für die Unabhängigkeit.

Während seines Exils in Frankreich hat José Martí, Ihr Nationalheld, bei seiner berühmten Begegnung mit Victor Hugo bleibenden Eindruck auf diesen ausgeübt. Der Mut der kubanischen Aufständischen, vor allem der kubanischen Frauen, hat ihn zu einigen seiner schönsten Seiten inspiriert.

Wir sind uns dessen bewusst, was Kuba später, viel später, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, für viele Völker bedeuten konnte, die für ihre Befreiung kämpften. Und es gab hier Männer und Frauen, die die Revolution unterstützten und unsere Länder haben, trotz der internationalen Spannungen, trotz einiger Unterschiede, weiterhin Beziehungen des Respekts gepflegt.

Präsident François Mitterrand empfing Präsident Fidel Castro im Jahr 1995 zu einem Privatbesuch; aber, ich wiederhole, kein kubanischer Präsident hat zuvor Frankreich einen offiziellen Besuch abgestattet.

Wir wissen wohl ob unserer Verschiedenartigkeit, aber das, was uns mit einander verbindet, ist stärker. Wir haben nicht immer zu allen Themen die gleichen Auffassungen, besonders nicht, was die Menschrechte betrifft, aber unsere Freundschaft erlaubt es uns, frei darüber zu sprechen, und das ist das Wesentliche.

Kuba genießt in ganz Lateinamerika Respekt und man hört auf seine Stimme.

Kuba hat eine wesentliche Rolle beim Friedensprozess in Kolumbien gespielt, dessen Verhandlungen zur Beendigung des mehr als 60 Jahre währenden Konflikts in Havanna stattfinden. Ohne die Vermittlung Kubas wäre es nicht zu dieser Lösung gekommen.

Auch sind die engen Bindungen, die Kuba zu Venezuela hält, eine Trumpfkarte dafür, dass der Dialog innerhalb des Landes und mit seinen Nachbarländern aufrechterhalten wird.

Ich vergesse nicht die Solidarität, die Kuba bei jeder sich ergebenden Herausforderung für den ganzen Kontinent geleistet hat.

Ich denke dabei besonders an die Karibik, in der Frankreich durch seine Gebiete in Übersee präsent ist. Deswegen sage ich, dass Frankreich und Kuba Nachbarländer sind. Wir arbeiten mit Ihnen zusammen, um die Entwicklung der Region insgesamt zu erreichen.

Schließlich möchte ich deutlich machen, wie wichtig die Stimme Kubas – und Laurent Fabius ist ein Zeuge dessen – bei der Konferenz über das Klima war, die am 12. Dezember in Paris stattfand. Aber an diesem Abend des 12. Dezembers gab es noch eine andere, weniger auffällige Konferenz, die aber für Kuba wichtiger war. Es war das Treffen des Pariser Klubs, bei dem in dieser Nacht Kubas Schulden annulliert wurden.

Ich wollte das Versprechen einlösen, dass ich Ihnen während meines Besuches im vergangenen Mai gegeben hatte. Dieser Beschluss wird den Zugang Kubas zur internationalen und an erster Stelle zu unserer Finanzierung begünstigen.

Die Französische Entwicklungsagentur wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Die französischen Unternehmen - und ich nutze die Gelegenheit, die hier anwesende Vertreter zu begrüßen - sind bereit, noch mehr zu investieren. Die wirtschaftliche Agenda, die beide Länder gerade unterzeichnet haben, legt die Liste der Sektoren fest, die nicht wenige sind: Infrastruktur, Nahrungsmittel, Umwelt, Energie, Tourismus, und dem könnte noch die Kultur hinzugefügt werden, denn ich möchte anfügen, dass es die Kultur war, die unsere Länder immer vereint hat.

Alejo Carpentier, der Autor von „El Siglo de las Luces“ (Explosion in der Kathedrale) und „Los Pasos Perdidos“ (Verlorene Spuren) war lange Zeit der Vertreter Kubas in Paris. Die Ideale der französischen Revolution haben sein Werk inspiriert und seine Freundschaft zu Robert Desnos inspirierte seine Liebe zu unserer Sprache. Man erinnert sich noch an die Teilnahme Alejo Carpentiers an den Fernsehprogrammen, besonders dem von Bernard Pivot, der immer sehr bewegt von dem war, was er ihm über sein Land erzählte, und wegen der Bindungen, die er zu der französischen Kultur aufnehmen wollte. Diese kulturelle Beziehung findet ihre Fortsetzung mit dem Maler Wilfredo Lam, der in Paris gelebt hat und auch mit Picasso befreundet war und dessen Werke im Centre Pompidou ausgestellt sind.

Das Festival des Französischen Films in Havanna, dessen 18. Auflage im April vergangenen Jahres stattfand, ist eine außerordentliche Gelegenheit, die Kunst miteinander zu teilen.

Wir möchten auch, dass in diesem Jahr ein Monat der Französischen Kultur in Havanna stattfindet. Besser gesagt, waren Sie es, die diesen Wunsch äußerten. Und wir haben dem gern und mit Freude zugestimmt.

Man ist dabei, Veranstaltungen von größerer Bedeutung vorzubereiten. Insbeondere Konzerte. Ich weiß, dass es hier einen sehr berühmten Disc Jockey gibt, der die Kubaner bald kennenlernen werden, und der bei uns ganz bekannt ist.

Unsere Länder teilen die gleiche Verbundenheit zu Bildung und Wissenschaft. Ich wünsche mir, dass mehr Studenten einfacher kommen und gehen und wir hier viel mehr von ihnen empfangen könnten. Dabei müssten wir auch zusammen an der gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen arbeiten.

Im vergangenen Mai hatte ich während meines Besuches in Havanna die Gelegenheit, den Sitz der Alliance Française einzuweihen. Sie hat ihren Sitz in einem der schönsten Gebäude der kubanischen Hauptstadt, dem Gómez-Palast. Ich möchte daran erinnern, dass Frankreich dank Che Guevara, der damals Minister der Republik war, das Glück hatte, über diese Einrichtung in Havanna zu verfügen. Zur Zeit lernen dort 12.000 Kubaner die französische Sprache. Deswegen war das für mich auch ein sehr bewegender Moment während meines Besuches.

Ein Land mit Bildung ist stark und frei, auch wenn es nicht alle Reichtümer der Welt hat, sagte José Martí. Das sieht man im Falle Kubas und dem Frankreichs, an unserer Fähigkeit zum Widerstand angesichts aller Prüfungen.

Und das haben wir letztes Jahr einmal mehr bewiesen, und auch Sie haben, unter anderen Bedingungen, allen Herausforderungen widerstanden.

Frankreich nimmt Sie, verehrter Raúl Castro, in der Überzeugung auf, dass die Talente Frankreichs, die Ressourcen und die Unternehmen, Kuba bei seiner ihm eigenen Entwicklung begleiten können und seine Identität respektieren werden.

Um die Freundschaft zwischen Frankreich und Kuba zu feiern, schlage ich vor, auf die Freundschaft zwischen Frankreich und Kuba und auf Sie und Ihre Delegation anzustoßen. (Beifall)