OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Photo: Vicente Brito

Es ist weder möglich noch vernünftig auf der Grundlage von Parolen zu «sprechen», wenn Erklärungen und Argumente nötig sind. Aber es gibt Momente, in denen die Parolen, die guten, wie Sperrfeuer sind, unerlässliche kollektive Begriffsbestimmungen.

Von den Menschenmengen aus, die Gefühle und Erklärungen kanalisieren, entstehen die unterschiedlichsten Formen, aber es gibt einige, die durch ihre treffsichere Kürze und ihre Überzeugungskraft obsiegen. Das war das Gefühl Hunderttausender Kubaner, die wir auf dem Platz der Revolution José Martí dabeiwaren, um Fidel zu ehren, uns für das historische Privileg auszuzeichnen, ihn als Führer der ersten sozialistischen Revolution der westlichen Hemisphäre zu haben.

Unter allen Sprechchören erschien einer, der unumgänglich war,«ich bin Fidel», riefen wir aus vollem Halse mit hoch erhobener Faust.

Einige Tage zuvor, angesichts der nicht zu überwindenden Tatsache seines physischen Verschwindens, hatte einige geschrieben: «Fidel ist Kuba»; andere angesichts des Wirbelsturms der Gefühle, die diese Nachricht auslöste, die trotz seines Alters unerwartet kam, prägten den Satz: «Kuba ist Fidel». Aber die Revolutionen sind voller Magie, wenn es darum geht, kollektive Massen in bewusste Individuen zu verwandeln und Kuba, das ist jede Frau, jeder Mann, die bereit sind, es zu verteidigen, ist jeder revolutionäre Kämpfer. Fidel hat dies auf seine Weise 1992 zu Beginn der harten Sonderperiode von uns eingefordert: « Der Imperialismus wird versuchen, uns zu spalten, um irgendeinen Vorwand zu finden, um seine interventionistischen Aktionen in unserem Land zu rechtfertigen (...) jeder Mensch, jeder Revolutionär sollte sagen: Ich bin die Armee, ich bin das Vaterland, ich bin die Revolution».

Martí notierte in seinem Heft, dass Christ zu sein bedeute, «wie Christus zu sein». Er meinte das nicht in dem Sinn, das Leben Jesu zu nachzuahmen oder es mit dessen menschlichen und göttlichen Tugenden aufzunehmen, sondern dessen ethischen Grundlagen zu übernehmen. Susely, im Namen der jungen Kubaner, erinnerte in Santiago de Cuba daran, dass Fidel von uns gefordert habe, wir sollten sein wie Che: Wie Che sein hat auch nicht bedeutet, dass wir unbedingt seine revolutionäre Statur erreichen sollten, sondern seine humanistischen Ideale zu übernehmen. Aber das «wir werden sein» der kubanischen Kinder reicht nicht aus, auch wenn sie in diesen Stunden des Schmerzes den Medien brilliante Antworten gegeben haben -, wir Erwachsen haben die Verpflichtung zu einer grundsätzlichen Bestimmung: Wir sind heute Martí, Che, Fidel, genau die Namen die die Geschichte der Revolution gab. Ich bin Fidel, ich bin die Revolution, ihre Kontinuität: Das riefen ein, hundert, tausende, Millionen Kubaner, als der Trauerzug vorbei kam oder in Santa Clara, Camagüey, Bayamo oder Santiago Station machte. Wenn Millionen voller Überzeugung ausgerufen haben «ich bin Fidel», dann ist es auch so, dass wir es alle sind, Kuba ist Fidel.

Sie wollten wissen, was in der Ära «post Fidel» passieren wird? Die Kubaner haben die Antwort gegeben. Diejenigen alle, die von einer apathischen, unengagierten Jugend geträumt haben, von einem skeptischen, demobilisierten Volk, diejenigen, die die Hoffnung hegten, dies wäre das «Ende einer Epoche», müssen sich frustriert fühlen. Die Finale der Geschichte erfolgen nicht, wenn ein Gerechter stirbt, sondern wenn die Ungerechtigkeiten beseitigt sind. Glaubt etwa jemand, dass dies nicht die Epoche Martís ist?

Fidel hat uns bei seinem Abschied noch mehr vereint und uns zum Kampf aufgerufen. «Ich bin Fidel» ist ein Kriegsruf, der aus den ethischen Prinzipien seines Konzeptes von Revolution heraus entsteht: Humanismus, volle Gleichheit und Freiheit, Emanzipation, Bescheidenheit, Uneigennützigkeit, Altruismus, Solidarität und Heldentum. Dazu wird es heute und in Zukunft nötig sein, mächtige Kräfte herauszufordern « mit Mut, Intelligenz und Realismus zu kämpfen», «niemals zu lügen oder ethische Prinzipien zu verletzen», « tief von der Kraft der Wahrheit und der Ideen überzeugt» zu sein, und natürlich « alles zu verändern, was verändert werden muss», wie es unsere Revolution seit 1959 getan hat.

Der rote Faden der historischen Kontinuität ist die revolutionäre Ethizität: die von Cépedes, Agramonte, Maceo, Martí, Mella, Che, Raúl und Fidel. Aber der Sieg dieser Ethizität war nur auf der Grundlage der Einheit möglich und wird nur so möglich sein. Nur Martí und Fidel haben sie erreicht, aber der erste starb, ohne den Sieg zu erlangen. Bis 1959 gelang dies niemandem mehr in der Geschichte Kubas. 1878 scheiterte man wegen interner Spaltungen (Regionalismus, Caudillismus, Klasseninteressen), 1898 durch die imperialistische Intervention der Vereinigten Staaten und 1933 durch das Nichtvorhandensein einer Kraft, die in der Lage gewesen wäre, den Volkswillen zu kanalisieren. Die Einheit der Kubaner, ihrer höchsten Ideale, werden heute durch die Partei der Revolution verkörpert. «Ich habe es Martí und Fidel versprochen und ich habe mein Versprechen gehalten», schrieb der Dichter. «Ich bin Fidel» ist eine deutliche Warnung: Niemand wird uns diesen Sieg entreißen.

«Ich bin Fidel», das heißt: Ich bin David gegen Goliath, Spartakus gegen das Römische Imperium, Maceo im Protest von Baraguá, Almeida, der in Alegría de Pío ruft: «Hier ergibt sich niemand »; es bedeutet den martianischen und leninistischen Antiimperialismus, 90 Meilen von den Küsten des Imperiums entfernt, anzunehmen, mit dem Glauben an den Sieg, weil man an das Volk glaubt. «Ja, es ist möglich gewesen »,wiederholte Raúl in seiner Abschiedsansprache eines um das andere Mal, als er alles, was eigentlich «unmöglich» war aufzählte, wie Knoten der Geschichte, die sein Bruder auflöste. Ja, ich bin Fidel, ich bin Farabundo Martí, Fonseca Amador, Camilo Torres, Allende, Chávez, Amilcar Cabral, Ho Chi Minh, Neto, Nelson Mandela (um nur seine Zeitgenossen zu nennen). Der Imperialismus ist transnational und der Antiiimperialismus internationalistisch.

Fidel zu sein bedeutet, die Notwendigkeit anzunehmen, die menschliche Entwicklung in eine Richtung umzuleiten, die nicht konsumistisch ist, die antikapitalistisch ist. Es gibt kein Vaterland ohne Sozialismus, das ist wahr. Aber Fidel lehrte uns außerdem, dass ohne Sozialismus die menschliche Gattung – Unterdrückte und Unterdrücker gleichermaßen – in Gefahr sein wird, in Gefahr ist, ausgelöscht zu werden. Wir sind Fidel, weil wir unsere ganze Energie darauf verwenden, einen effizienten, gedeihlichen, noch solidarischeren, gerechten, souveränen, demokratischen und nachhaltigen Sozialismus aufzubauen.

Nur eine Revolution, die auf Ideen, auf Idealen basiert und die diese konsequent verfolgt hat, wie die unsere, kann ihren Gründer überleben. «Die Revolution basiert nicht auf Ideen von Caudillismus oder Persönlichkeitsverehrung – das hat Fidel Ramonet erklärt -. Im Sozialismus ist kein Caudillo vorgesehen und es passt auch nicht in das Konzept einer modernen Gesellschaft , das die Menschen die Dinge einzig und allein deswegen machen, weil sie ihrem Anführer blind vertrauen oder weil dieser es von ihnen fordert. Die Revolution ist auf Prinzipien begründet. Und die Ideen, die wir verteidigen, sind bereits seit einiger Zeit die Ideen des ganzen Volkes».

Fidel geht nicht fort. Es war seine eigene Entscheidung, dass er nicht als mamornes Denkmal in den Städten sein wird, die er neu gegründet hat, kein Name einer Straße, einer Schule oder eines Krankenhauses sein wird, für die er sich so eingesetzt hat. Niemand soll kommen, um ihn im Stein zu suchen, sondern nur in seinem Bewusstsein. Er wird die Luft sein, die wir Kubaner atmen, der Kampfgeist, der uns inspiriert. Neue und alte Generationen – wie Martí, Gómez, Mella und Baliño – vereinen sich um das Erbe der Geschichte zu verteidigen. Fidel ist Kuba, weil wir alle Fidel sind. Das ist die Botschaft, die wir Kubaner aus vollem Hals und mit erhobener Faust gerufen haben, damit die Welt Bescheid weiß.