OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
„Cabalgando con Fidel” zeigt erneut die Sensibilität und Spiritualität der Kompositionen von Raúl Torres, der zuvor schon das Lied „El regreso del amigo“ geschrieben hatte, das Comandante Hugo Chávez Frias gewidmet ist (Foto: vom Video)

„Cabalgando con Fidel” hat sich zu einem Stoff von hohem Symbolgehalt in Bezug auf die posthumen Ehrungen für den kubanischen Führer entwickelt und entstand zweifellos aus einem Moment der Inspiration heraus. Sein Autor, der Musiker Raúl Torres, versichert, dass das Lied seinen Ursprung in den Wunden der Traurigkeit habe.

Er antwortet auf einen Telefonanruf der Granma, spricht mit sehr leiser Stimme, fast so, als ob mit seinen Stimmbändern etwas nicht in Ordnung sei. „Ich möchte eigentlich nicht reden. Ich fühle mich zu niedergeschlagen, um ein Gespräch über den kreativen Prozess des Liedes zu führen. Ich kann jetzt nur so viel sagen, dass es ein Produkt des Schmerzes ist. Auf jeden Fall berührt es uns, über Fidel zu sprechen“, sagt der Trova-Sänger und -Komponist, der bereits überzeugend eine sehr persönliche Sensibilität und große Spiritualität unter Beweis gestellt hatte, als er das dem Comandante Hugo Chávez Frias gewidmete Lied „El regreso del amigo“ (Die Rückkehr des Freundes) nach dessen Tod im Jahre 2013 geschrieben hatte.

„Wir begleiten Fidel, indem wir ihm danken und das ist das Wichtige“, beteuert er.

Die Musiker, die bei der Aufnahme dabei waren, zeigten die gleiche Erschütterung wie das kubanische Volk, als es spontan auf die Straßen strömte, um, ein jeder für sich, dem Mann Tribut zu zollen, der sie über 50 Jahre lang begleitet hatte. Dieses Lied ist auch Frucht der Spontaneität.

Wie Fidel glaubt auch der Tres-Virtuose Pancho Amat, dass Vergötterung die Führer ihrem Volk entfremdet. „Aber ohne Zweifel war Fidel ein höheres Wesen. Sein Vermächtnis kann sich wiederholen. Das zeigen die Tausende von Jugendlichen, die im ganzen Land gekommen sind, sich von ihm zu verabschieden, denn jetzt geht es darum, sein Werk und sein Denken fortzusetzen“, sagte der musikalische Direktor des Themas, das nach dem Tode Fidels in kaum zwei Tagen aufgenommen wurde.

„Das Lied ist die Sicht eines Kubaners, der sich praktisch so fühlt, als ob sein Vater gestorben wäre. Fidel war ein Mann, dessen Denken allumfassend war, und wir könnten viele solcher Songs machen“, meinte der Musiker. Außerdem erwähnte er, dass das Thema aus einer lateinamerikanischen und universellen Vision heraus gedacht sei. „In meinem Fall ist es so, dass ich schon lange Zeit nicht mehr die Quena (eine Flöte aus Schilfrohr) gespielt hatte, ein traditionelles lateinamerikanisches Instrument, weshalb wir noch den jungen argentinischen Musiker Rodrígo Sosa hinzuholten.“

Der Tres-Spieler erzählt uns eine Anekdote: “Als wir gerade angefangen hatten, in den Abdala-Studios die Aufnahme einzuspielen, befand sich auch der Trompeter Yasek Manzano dort, der für das Jazzfestival probte. Er schloss sich unserem Projekt sofort an. Das Lied geht von einer Gewissheit aus: Wir alle wollten Fidel grüßen, ihn würdigen und ihm Respekt erweisen. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, denn das Lied ist eine Verpflichtung Kuba, dem Volk und seiner Zukunft gegenüber …“

Die 21jährige Sängerin Annie Garcés spricht davon, sich “geehrt” zu fühlen, als man sie zu ihrer Teilnahme an der Aufnahme des Liedes fragt, das wohl dazu bestimmt ist, sich in ein Zeugnis einer Epoche zu verwandeln und eines Moments, der die Geschichte Kubas markiert. „Es war eine große Verantwortung – gerade für mich als die jüngste der Musiker, die dabei waren. Ich fühlte mich sehr bewegt und emotional aufgewühlt, dass sie mich gebeten hatten mitzuwirken“, äußerte sich die Interpretin, die zur Vereinigung Hermanos Saíz gehört.

Unter den zahlreichen Musikern, die dem Thema Gestalt geben, befinden sich herausragende Namen wie José María Vitier, Enrique Pérez Mesa wie auch Instrumentalisten des Nationalen Symphonieorchesters und die Sängerin Luna Manzanares.

Eduardo Sosa ist ein Trovador, der von einem Werk ausgeht, das in Elementen kultureller Identifikationsmerkmale wurzelt. Er hat die Insel schon in diversen internationalen Szenarien vertreten und dabei in der Trova stets auch einen Weg gesehen, die Zukunft der Nation zu verfestigen. Somit sieht der Musiker seine Teilnahme an der Einspielung von „Cabalgando con Fidel“ als völlig mit seiner künstlerischen Vision deckungsgleich an. „Es ist kein Lied vom Pamphlet und Slogan. Es ist ein schönes Lied, voll von Gefühl, Hingebung, Dankbarkeit und ich identifiziere mich sehr mit seiner Aussage. Wir hatten immer die Vorstellung, dass generationenmäßig eine breit gefächerte Vertretung an der Aufnahme teilnehmen sollte, obwohl uns der Zeitfaktor im Nacken saß. Wir wollten unbedingt, dass Musiker verschiedener Generationen und Ausbildungen anwesend waren. Fidel war ein Mann, mit dem man keinen Dissens über die Art seines Denkens hätte haben können, weil die Generationen seine Geschichte durchreisten. Sie teilen seine Bestrebungen, Diskordanzen und Träume. Er besaß unleugbar menschliche Größe, Erhabenheit als Führer dieses Landes und Einfluss in vielen anderen der Welt, für die er Leuchtturm und Lotse war; ein Adrenalinstoß in der Stunde, wenn man bestimmte Kriterien verteidigt, an die man glaubt“, endete der Sänger.

40 Stunden im Studio – ohne Pause – erweckten diesen Song zu Leben, der justament entstand, um das Leben zu feiern, um Vermächtnis eines Mannes zu sein, der mit diesem Thema, das sich stellvertretend für ein ganzes Volk von ihm verabschiedet, ebendiesem Volk noch näher sein wird.

Es ist ein Lied, das, wie Eduardo Sosa sagt, mit einem eigenen Licht zur Welt kam, das den Weg weisen wird.