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Photo: eluniversal.com

Es war zu erwarten, dass Javier Sotomayor, der Mensch, der mit der Kraft seiner Füße am höchsten gesprungen war, zu denjenigen gehört, der sich gegen den Vorschlag aussprechen würde, die vor 2005 aufgestellten Weltrekorde in der Leichtathletik in die Mottenkiste der Geschichte zu packen.

Bei einem telefonischen Kontakt im Kreise seiner Familie im heimatlichen Matanzas, sagte der „Prinz der Höhen“, wie er genannt wird, dass er sich über das Thema, das in diesen Tagen die Welt der Leichtathletik beherrscht, auf dem Laufenden gehalten habe und bereit sei, dazu seine Meinung zu sagen.

„Ich habe mit einigen Weltrekordlern Kontakt aufgenommen und ich habe mir angehört, was sie zu diesen Regeln zu sagen haben, die sie verbaschieden wollen. Alle haben sich genauso tief gekränkt gefühlt, wie ich selbst.

Es ist, als ob sie einem die Anstrengung, das Talent und die für diese Höchsleistung notwendigen Voraussetzungen absprechen würden. Diese Leute versuchen diesen Ergebnissen den Glanz zu nehmen, sie wollen sie praktisch auslöschen, denn wenn sie nicht in den Büchern erscheinen, sind es dem Vergessen anheimfallende Vorkommnisse.“

Der Mann, der die ersten Seiten der wichtigsten Zeitungen der Welt eingenommen hatte, als er die mythische Mauer von acht Fuß zum Einsturz brachte, drückte seinen Dissens mit den Mitgliedern des Europäischen Leichtathletikverbandes aus, die jüngst bei einem Treffen vorschlugen, die Weltrekorde nur anzuerkennen, wenn sie grundsätzliche Kriterien erfüllten, wie die, in einem international anerkannten Wettberwerb erreicht worden zu sein, sich der Athlet eine Reihe von Antidoping Tests in den Monaten vor der Leistung unterzogen hat

und wenn die Kontrollprobe nach dem Rekord zehn Jahre lang für neue Analysen verfügbar ist.

Letzteres ist erst seit 2005 in Kraft, wodurch alles, was sich vorher ereignet hat, per se keine Gültigkeit hätte.

„Und wenn der gleiche Zweifel über dieses oder jenes von heute in 30 der 50 Jahren auftritt?“, fragt sich der Mann, der mit einer auf 2.45 aufgestellten Leiste am Eingang des olympischen Museums in Lausanne in der Schweiz geehrt wird. „Was ist, wenn sie nachträglich mit fortschreitender wissenschaftlicher Entwicklung neue Methoden zum Auffinden verbotener Substanzen entdecken, fangen sie dann wieder von vorne an?“

Die Befürworter der Idee sagen, dass die Rekorde, die disqualifiziert werden, nur noch als Referenzpunkte bleiben, was der Olympiasieger als Unstimmigkeit wertet.

„Die besten Werte aller Zeiten verlieren ihre Bedeutung, wenn sie nicht von den gültigen Weltrekorden angeführt werden. Auf der anderen Seite müsste man die nationalen Rekorde die den Weltrekorden entsprechen auch für ungültig erklären. Die Chronologien der Rekorde ohne die neuen Garantien zu sammeln, machte so ebenfalls keinen Sinn mehr...

Sie müssten bei der Hall of Fame einen Rückzieher machen, die aus Weltrekordlern und Olympiasiegern besteht, Wenn sie alles vor 2005 anzweifeln, müsste die jetzige Hall of Fame verschwinden.

Gemäß dieser Kriterien würden auch die Medaillen bei Olympia und bei Weltmeisterschaften in Zweifel gestellt werden, da sie meist mit Weltrekorden erobert wurden. Sollen auch alle Medaillen der Olympischen Spiele und der Weltmeisterschaften ihre Gültigkeit verlieren?“

Soto, der mit 16 Jahren 2.33 übersprang, eine seiner Meinung nach eine der am schwersten zu überwindenden Höhen, ist der Meinung, dass die Idee im vor der Weltmeisterschaft im August stattfindenen IAAF Kongress keinen Bestand haben werde.

„Viele von denen, die für die nationalen Verbände stimmen werden, hatten direkt oder indirekt mit diesen Leistungen zu tun, entweder als Athleten, Trainer, Leiter oder Organisatoren der Meetings. Ihr Vorgehen und ihr Wirken damals würde in Frage gestellt.“

Zu der Frage ob berechtigte Zweifel bestünden, was bestimmte Rekorde angehe, sagte Sotomayor.

„Es können Zweifel bestehen, aber es gibt keine Schuld, solange sie nicht bewiesen ist. Wo will man heute damit anfangen? Es muss ein Prinzip geben, ein Faden, dem man folgen kann. Es ist sehr einfach alles in Zweifel zu ziehen und für ungültig zu erklären. Üben die weltweit dafür Verantwortlichen ihtre Funktion nicht aus? Und die Tausende von Antidoping Proben, die sie gemacht haben?

Der Athlet, der zusammen mit Ana Fidelia Quirot von der IAAF als hochragender Vertreter der kubanischen Leichtathletik 2012 in die Gala des Jahrhunderts gewählt wurde, bei der Alberto Juantorena in die Hall of Fame erhoben wurde, sagte zum Schluss:

„Man kann die Geschichte nicht in der Mitte teilen. Und die anderen Sportarten? Ihnen ist nur die Leichtathletik dabei eingefallen!“