OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Carlos Alberto Cremata, zusammen mit Kindern der Colmenita Photo: Freddy Pérez Cabrera

VILLA CLARA – Die Sorge Fidels konnte von einen sensiblen und engagierten Menschen wie Carlos Alberto Cremata, Direktor der „Colmenita“, nicht unbeachtet bleiben, der gestand, dass er seit etlichen Monaten nicht mehr den Schlaf findet, den er nötig hätte, um sich der Herausforderung zu stellen, die der Revolutionsführer vor seinem Tod hinterlassen hat.

Dieser Aufgabe habe er sich, zusammen mit seinem Kollektiv, Tag und Nacht gewidmet, weil er vor Fidel nicht scheitern wollte, sagte der Mentor der berühmten Kindertheatergruppe, bevor er den Lesern der Granma Einzelheiten der Arbeit enthüllte, die heute in Encrucijada ihre Uraufführung erleben wird, Geburtsstadt des Mannes, der mit vollem Recht als „der großzügigste, am meisten geliebte und tapferste unserer jungen Menschen“ bezeichnet worden ist,

Wie entstand die Idee zu diesem Werk?

Während der Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag unseres Comandante en Jefe, genauer gesagt am Ende jener Aufführung, die die Colmenita für ihn vorbereitet hatte, kam einer seiner Mitarbeiter auf mich zu, um mir zu sagen, dass Fidel uns eine Botschaft zukommen lasse, in der er uns darum bitte, etwas ähnliches über einen seiner Gefährten, an den man sich, wie er meinte, weniger erinnert, nämlich Abel Santamaría, zu erarbeiten und natürlich stimmten wir zu.

Schon am nächsten Tag begannen wir, über diese Persönlichkeit zu recherchieren und zu unserem Erstaunen wurde uns der Grund klar, der den Revolutionsführer bei seinem Wunsch bewegt hatte: Es gibt gar nicht viele Untersuchungen zu Abel, vielleicht, weil sein Leben als Revolutionär so kurz gewesen war oder weil er nur so wenig Zeit an Fidels Seite verbracht hatte. Ein Mann, der, auch das muss erwähnt werden, gleich bei seiner ersten Kampfhandlung starb. Außerdem war er eine sehr bescheidene und einfache Person, von jeglichem Streben nach Ruhm weit entfernt.

Und trotz dieser Charakteristika wurde er zum zweiten Mann in der Befehlskette und zum Herzen der Bewegung?

Das hat uns am meisten überrascht. Ich erinnere mich, eine Aussage von Pedro Trigo López, Teilnehmer am Sturm auf die Moncada Kaserne, gehört zu haben, in der es hieß: „Sieh, was für große Männer die Revolution hatte wie Fidel, den Che, Camilo, Almeida und Raúl unter anderem, aber Abel, Abel, Abel …“ Dreimal hintereinander sprach er den Namen aus und dann begann er zu weinen. Das sagt doch eine Menge aus über die Spur, die der Mann aus Encrucijada bei den Moncadisten hinterlassen hat.

War deshalb nicht die künstlerische Aufgabe sehr hoch gesteckt?

Da hast du recht. Und sie ist es immer noch, jetzt, vor der Inszenierung, obwohl wir, ehrlich gesagt, immer noch nicht wissen, ob wir diese vaterländische Figur so liebkosen, wie sie es verdient.

Wie heißt das Stück?

Wir haben es “Geschichte eines Wesens aus einer anderen Welt“ genannt, ein Titel aus dem berühmten Lied vom „Auserwählten“ von Silvio Rodríguez.

Können Sie uns schon irgendein Detail von dem verraten, was heute Abend auf der Plaza von Encrucijada zu sehen sein wird?

Das gesteckte Ziel bestand darin, über die Größe Abels aus der Perspektive von Kindern zu erzählen. Sie sind Träger der Zärtlichkeit und des Edelmuts, die dieser junge Mensch mit Sicherheit hatte. Von daher finden sie es einfacher, diese Werte zu übermitteln.

Wir haben das Werk als ein Abenteuer konzipiert, das sich in einem Zeltlager entwickelt, wo sie, außer zu arbeiten, zusammen mit ihrer Lehrerin die Guerilleros der Geschichte gestalten. In dieser Weise vertiefen sie sich – spielerisch und ohne irgendein Dogma – in Abels Leben. Nach und nach durchdringen sie so seine Erhabenheit und es sind gerade die Nachzügler unter ihnen, die am Ende die Interessiertesten sind, diejenigen, die sich am intensivsten in die Geschichte verlieben.

Was bedeutet es der Colmenita, dieses Schauspiel am Geburtsort von Abel aufzuführen?

Der Traum eines jeden Kindes ist, Geschichte und ihre Helden mit den Händen zu berühren und das ist es, was hier auf diesem Boden geschehen wird, der auch Haydée Santamaría und Jesús Menéndez hervorbrachte. Sieh nur, wie privilegiert und stolz sie sich fühlen können.

Ist „Geschichte eines Wesens aus einer anderen Welt” auch eine Hommage an Fidel?

Selbstverständlich. Mit dem Stück tragen wir dazu bei, seinen Traum zu erfüllen, die Figur Abel Santamaría quasi wiederzubeleben. Fidel war es, der diesen brillanten jungen Mann entdeckte, ihn zu seinem Stellvertreter machte und in den „Auserwählten“ verwandelte. Er erkannte wie keiner sonst, dass der einfache Junge aus Encrucijada zur Seele der Bewegung werden konnte, die das Vaterland schmiedete. Fidel war während der Vorbereitung des Stückes sozusagen die ganze Zeit bei uns.