OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Die Mehrheit der nicht-landwirtschaftlichen Kooperativen zeigt positive Ergebnisse und bestätigt sich als Beschäftigungsquelle und sie ermöglicht ein diversifiziertes Angebot und akzeptable Preise im Dienstleistungsbereich Photo: Alberto Borrego

Kuba setzt auf die Aktualisierung seines Wirtschaftsmodells, ohne Hast, denn so können die besten Entscheidungen scheitern, mit System und ständiger Kontrolle, denn diese sind für jede einzelne Maßnahme erforderlich, die in Angriff genommen wird.

„Wir werden keinen Schritt zurückgehen oder anhalten und werden auch keine Stigmata oder Vorurteile erlauben, aber es ist unerlässlich, dass das Gesetz eingehalten wird, das Erreichte konsoldiert wird, die positiven Aspekte, von denen es nicht wenige gibt, zu verallgemeinern und den Gesetzesverstößen und anderen Abweichungen, die sich von der etablierten Politik entfernen, entschieden zu begegnen“, sagte der Präsident des Staats- und des Ministerrats Raúl Castro Ruz in seiner Schlussansprache bei der IX. Ordentlichen Sitzung der Nationalversammlung.

Vier Jahre nach Beginn des experimentellen Prozesses der Schaffung nicht-landwirtschaftlicher Kooperativen treten weiterhin Vor- und Nachteile zutage, die die Notwendigkeit deutlich machen, dieses Experiment erst zu konsolidieren, bevor man es verbreitert.

Die stellvertretende Leiterin des Bereichs Perfektionierung der Betriebe im Ständigen Ausschuss für Anwendungt und Entwicklung Yovana Vega Mato gab Granma dazu einige Details.

Sie wies darauf hin, dass die Mehrheit der nicht-landwirtschaftlichen Kooperativen positive Ergebnisse zeige, sich als Beschäftigungsquelle bestätige und ein diversifiziertes Angebot und akzeptable Preise im Dienstleistungsbereich ermögliche.

Man habe aber ebenfalls Einschränkungen und Defizite bei ihrer Entwicklung festgestellt. Dazu gehörten Vorgänge von Disziplinlosigkeit, ungebührlicher Aneignung von Ressourcen und Einnahmen, Personen, die gleichzeitig als Partner in verschiedenen Kooperativen auftreten, Mängel bei der Buchführung, Nutzung von Bankkrediten zu anderen als den Zwecken für die sie gewährt wurden und einige Fälle von Korruption.

„Man konnte beweisen, dass die größten begangenen Abweichungen darin begründet liegen, dass einige Kooperativen als Privatunternehmen agieren, in denen der Präsident so handelt, also ob er der Chef wäre, nur wenige Teilhaber vorhanden sind und sie ihren Betrieb hauptsächlich führen, in dem sie die Dienste von Arbeitern auf eigene Rechnung als Lohnabhängige unter Vertrag nehmen, um dann die Gewinne nur unter den Teilhabern zu verteilen. Außerdem sind bedeutsame und ungerechtfertigte Unterschiede bei den Einkommen, die die Teilhaber erhalten, zutage getreten. Alles sehr weit entfernt, von dem, was eine Kooperative in Wirklichkeit bedeutet“, sagte Vega Mato.

„In der Gastronomie und im Bauwesen sind die größten Mängel aufgetreten. Den gastronomischen Kooperativen ist noch nicht die erforderliche Umwandlung gelungen, für die sie gebildet wurden, weder beim äußeren Erscheinungsbild, noch bei der Qualität noch bei den Preisen. Letztere sind der Tendenz nach angestiegen und dies hatte negative Auswirkungen auf die Bevölkerung.

Beim Bauwesen sind vermehrt Fälle aufgetreten, bei denen die beschäftigten Arbeitskräfte, auch wenn sie Werte schaffen, nicht am Gewinn beteiligt sind.

Aber die Probleme gehen weit über die Arbeit im Innern der Kooperativen hinaus; es zeigt sich auch ein Mangel an Rigorosität bei den Anforderungen, bei der Überwachung, Kontrolle und Rechnungsprüfung der beteiligten Organismen.

Zur Zeit sind sie Prioritäten darauf ausgerichtet, die Mängel zu beseitigen, die aus dem Experiment entstehen, die Anstrengungen auf die Konsolodierung der etwas mehr als 400 genehmigten Kooperativen zu konzentrieren, die Kontrolle und Rechnungsprüfung als unerlässliche Prämisse für die weitere Entwicklung dieser Betriebsform effektiver zu machen.

Es genügt nicht, einfach nur die Kooperative umzuformen, die Umwandlung muss sich auch in den Köpfen der Personen abspielen. Partner einer Kooperative zu sein, geht weit über den Wunsch hinaus, eine Kooperative zu gründen; deswegen ist es unerlässlich, die Prinzipien des Genossenschaftsdenkens zu beherrschen und sich diese anzueignen, damit sich die Projekte entsprechend entwickeln können“, führte sie weiter aus.

„Unter Berücksichtigung all dessen wurde beschlossen, dass, bevor man mit der Schaffung neuer Kooperativen fortfährt, - was auch die Projekte betrifft, die in Bearbeitung sind – man zunächst darangehen muss, ihre Funktionsweise zu perfektionieren. Das ist auch nichts Neues, sondern ist Teil dieses Experiments und wird seit dessen Ingangsetzung durchgeführt.

Die nicht-landwirtschaftlichen Kooperativen sind als eine Alternative entstanden, um den Staat von der Verwaltung wirtschaftlicher und produktiver Aktivitäten und solchen der Dienstleistung zu entlasten, die nicht elementar sind und sie haben generell positive Auswirkungen auf die Gesellschaft gehabt.

Bei allen Vor- und Nachteilen basiert der aktuelle Vorschlag darin, das Erreichte zu konsolidieren und gleichzeitig die Gültigkeit dieser Betriebsform zu bestätigen, die den ethischen Prinzipien des Sozialismus verbunden ist. Doies geschieht in völliger Übereinstimmung mit den Plänen, wie sie in der Aktualisierung des kubanischen Wirtschafts- und Sozialmodells zum Ausdruck kommen, wo die Betriebsform als eine Ergänzung für die Entwicklung unserer Wirtschaft anerkannt wird.