OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Die Führung beider Guerillas hielten in Havanna eine Pressekonferenz ab. Photo: Juvenal Balán

Die zwei größten Guerillabewegungen in Kolumbien setzten sich Mitte Mai in Havanna zusammen, um bei dem Friedensprozess, den beide in unterschiedlichen Etappen mit der Regierung von Juan Manuel Santos vorantreiben, einen Weg zu finden, wie man die Kräfte vereinen und den über ein halbes Jahrhundert andauernden bewaffneten Konflikt in dem südamerikanischen Land beenden kann.

„Trotz der Diskrepanz bei den Fortschritten an den zwei Verhandlungstischen zwischen Aufständischen und der Regierung des Präsidenten Santos, halten wir an den gemeinsamen Zielen fest, mit unterschiedlichen aber sich ergänzenden Wegen“, heißt es in dem gemeinsamen vom Führer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbienns – Armee des Volkes (FARC-EP) Timoleón Jiménez und dem Chef des Zentralkommandos der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) Nicolás Gabino unterzeichneten Komuniqué.

Obwohl beide Guerillabewegungen das Ziel verfolgten, soziale Veränderungen in Kolumbien mit Waffengewalt zu erreichen, haben sie doch historisch sowohl an von einander unabhängigen Kommandos und Operationen als auch an unterschiedlichen Kampfmethoden und politischen Ausrichtungen festgehalten.

Im November 2012 haben die FARC-EP und die kolumbianische Regierung in der kubanischen Hauptstadt einen Gesprächstisch eingerichtet, der sich auf fast vier Jahre ausdehnte und mit der Unterzeichnung eines historischen Friedensvertrags endete, der in einem Plebiszit abgelehnt worden war und danach von beiden Seiten für die Verabschiedung durch das Parlament aktualisiert wurde.

Zur Zeit erfolgt die Umsetzung der vereinbarten Punkte und die Kämpfer der FARC befinden sich in den festgelegten Zonen, wo die Abgabe der Waffen und die Wiedereingleiderung der Guerilleros in das zivile Leben stattfindet.

Demgegenüber wurde trotz des lange währenden vorherigen Verhandlungsprozesses, der Gesprächstisch mit der ELN erst im Februar dieses Jahres in Ecuador eingerichtet.

In dem ungewöhnlichen Gespräch zwischen der Führung der FARC-EP und der ELN, das sich über die ganze Woche ausdehnte und von der ganzen Welt wegen seiner möglichen Auswirkungen auf die Suche nach Frieden mit Aufmerksamkeit beobachtet wurde, überwog das Verständnis, wie die beiden Führer auf der Pressekonferenz erklärten.

„Es gab mehr Übereinstimmungen als Differenzen“, versicherte Timoleón Jiménez. Nicolás Gabino seinerseits sagte, dass das Treffen dazu gedient habe, die Entwicklung, die jede Gruppe durchlaufen habe, zu bewerten und zu sehen, wie man zu einer Komplementarität gelangt, die die Unterschiede angleicht.

Das Gemeinsame Komuniqué geht auf einige der Berührungspunkte ein, zu denen die Rechte der Opfer und die Notwendigkeit einer Vertiefung der Demokratie in Kolumbien gehört, die Gleichheit und Würde für seine Bürger mit sich bringt.

Auf die Fristen des Verhandlungstisches in Ecuador angesprochen sagte Gabino, dass nach einem halben Jahrhundert des Krieges sich seine Gruppe nicht den Luxus leisten könne „die Dinge schlecht oder überstürzt zu machen“. In diesem Sinne fügte er hinzu, dass nicht geplant sei, vor den Wahlen im Jahr 2018 zu einer Vereinbarung zu gelangen, auch wenn er erklärte, dass das Erzielen von Ergebnissen binnen kurzer Frist nicht einzig und allein von seinem Willen abhänge.

Auf die Frage wie die Umsetzung der Vereinbarungen von Havanna zwischen Regierung und FARC-EP in Kolumbien verlaufe, sagte Timoleón, dass es erwartungsgemäß zu Schwierigkeiten gekommen sei, an denen man aber arbeite.

Er fügte hinzu, dass seine Organisation gezeigt habe, dass sie gewillt sei, die Vereinbarungen wie sie unterzeichnet wurden, zu erfüllen. Er führte aus, dass sich die Guerilleros in den dafür vorgesehenen Zonen befänden und dort verbleiben würden, auch wenn dort nicht alle vertraglich festgelegten Bedingungen vorhanden seien.

Er sagte auch, dass man trotz logistischer Schwierigkeiten mit dem Zeitplan der Waffenübergabe vorankomme.

Der Führer der FARC-EP erklärte, dass seine Organisation den Lageplan von etwa 900 versteckten Waffenlagern übergeben habe, aber bei den Vereinten Nationen sich Schwierigkeiten ergeben hätten, die Waffen zu deaktivieren und in Stücke für die drei Monumente zu verwandeln, die zu Ehren der Opfer des Konflikts errichtet werden sollen.

Beide Guerillabewegungen dankten der kolumbianischen Regierung für die Bereitschaft, das Treffen ermöglicht zu haben und sie bedankten sich einmal mehr bei den Ländern, die bei der Konkretion geholfen haben, insbesondere bei Kuba, Venezuela und Norwegen.