OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Yoandra Ramírez Romero. Photo: Yander Zamora

YOANDRA

Das Kind ist gerade drei Jahre alt und heißt Yoan Ramírez Romero.

Sie ist Yoandra Ramírez Romero und während sie mit mir spricht, hat sie den Plastikeimer im Auge, der sich unter dem Wasserhahn füllt und dabei einen unerträglichen Lärm macht. Ich möchte sie darum bitten den Hahn zu schließen.

Ich tue es aber nicht.

Ich spreche mit Yoandra und Yoandra hat den Schrubber mit dem Putzlappen in der Hand. Der Boden ist feucht und sie hat ihn im Auge, Sie hört mir zu und antwortet mir leise und ich kann sie wegen des Wassergeräusches nicht verstehen.

-          Ich wurde schwanger, habe beschlossen nicht abzutreiben und habe das Kind bekommen,

-          Du allein?

-          Ich allein

Der kleine Junge ist wie ein kleiner Teddybär. Ich hatte ihn zehn Minuten zuvor mit einem Kind auf einer Schaukel auf einem Spielplatz gesehen.

— Und deine Mutter ?

—Wohnt nicht mit mir zusammen.

—Und hilft sie dir nicht?

—Nein, denn wir sind nie gut miteinander ausgekommen...

—¿Auch nicht mit dem Kind?

—Nein.

Als Yoandras Mutter erfahren hatte, dass sie schwanger war, sagte sie ihr, sie solle das Haus verlassen. Sie packte drei Koffer und ging zum Haus des Vaters des Kindes.

Der Vater des Kindes sagte, das Kind könnte nicht von ihm sein.

Yoandra ging zum Haus einer Freundin.

—Ich fing an in einem Privathaushalt zu arbeiten. Ich machte sauber, kochte, wusch. Und das Kind konnte dort bleiben.

Danach habe ich mir mit dem gesparten Geld ein kleines Holzhaus in der Nähe von Baracoa gebaut.

Und dann ist dieses Holzhaus vom Hurrikan weggetragen worden.

—Matthew kam hierdurch und hat alles zerstört. Er hat mir das Haus weggenommen. Er hat mich mit nichts zurückgelassen. Mich und eine ganze Menge anderer Leute.... Ich hatte die Matratze für das Kind, die Sachen aus der Küche. Ich hatte aber sowieso nicht viel. Aber ich habe alles verloren.

                              ***
Das erste Mal, als ich Yoandra sah, war sie dabei, in einem der Blocks, die an die Eingangstür des Zentrums für Evakuierte grenzte, zu putzen.

Ihre Hose war bis zu den Knien hochgekrempelt und das Haar nach oben geknotet. Dünn. Riesengroße Augen. Aber da wusste ich noch nicht, wer sie war.

Ich machte einen Rundgang durch Toa und traf auf Yoan. Er hatte Gummisandalen an und lief neben einem andern Kind in Shorts und ohne T-shirt. Der Kleine zielte mit seinen Fingern auf mich als ob sie eine Spielzeugpistole wären und ich tat so, als ob ich getroffen wäre.

Dann fragte ich ihn nach seiner Mutter.

—Nach dem Zyklon waren wir ein paar Tage in einer Schule untergebracht. Dann kam ich hierher und wir wurden gut betreut. Sie gaben uns Matratzen, eine für mich und eine für mein Kind, Betttücher, Tanks für das Wasser, Küchenmöbel, den Reina Kochtopf... Hier geht es uns nicht schlecht. Ich habe mein eigenes Zimmer, habe Privatleben, ich habe alles, siehst du? – sagt Yoandra.

Sie macht den Wasserhahn zu und kommt zurück.

—Als wir hier ankamen, habe ich gefragt, ob ich irgendetwas arbeiten könnte und sie haben mich hierhergebracht. Jetzt putzen wir hier ... bis wir alles endgültig geregelt haben. Und danach haben sie mir gesagt, dass sie dich irgendwo unterbringen und dass man nichts weiter zu tun brauche.

—Also geht es dir gut?

—Hier, ja, gut. Es gibt keine Probleme und nachts ist auch kein Lärm. Von früh an isst das Kind alles, was es essen soll, hat Milch, hat alles, alles ... Die Milch mache ich ihm, denn hier im Laden geben sie mir eine Packung Milch. Morgens gebe ich ihm ein Glas und abends, bevor er ins Bett geht, bekommt er noch ein Glas.

— Was ist mit den Zuteilungen auf der Lebensmittelkarte ?

—Bevor ich hierherkam, hab ich sie alle aus der Bodega mitgenommen, damit ich nicht immer dorthin und zurückmuss, Und jetzt wollen sie hier einen Laden mit Lebensmitteln einrichten, mal sehen, ob du die Lebensmittelkarte dort einlösen kannst und nicht bis in die Stadt dafür musst.

Yoandra schaut nach unten, wenn sie spricht.

—Yoan ist ein bisschen erkältet, wegen der Temperaturänderung. Aber nichts Schlimmes.

—Ich habe ihn eben mit einem Kind spielen sehen. Er hat mir gesagt, es sei sein Cousin.

—Ja, weil der Kleine neben uns wohnte, da wo wir früher gelebt haben. Die Mutter haben sie hierher geschickt, sie haben sich gesehen und wenn ich arbeite, passt sie auf ihn auf.

«Seit das Kind geboren wurde, habe ich es alleine aufgezogen, Und jetzt ist es schon groß. Es war viel Arbeit, aber man hat immer die Hoffnung, dass die Dinge besser werden ... Du wirst sehen, nach und nach komm ich wieder nach oben.».

Yoandra ist 18 Jahre und guckt immer nach untern, wenn sie spricht.

Manchmal glaube ich, dass sie prüft, ob der Boden sauber ist.

Manchmal glaube ich, dass sie zu schüchtern ist.

Sie ist eine der stärksten Frauen, die ich bis heute kennengelernt habe.

Marta Daykelín Sastre Jiménez. Photo: del autor

MARTA DAYKELÍN, EINE DELEGIERTE MIT AUSDAUER

RODAS, Cienfuegos- Seit sieben Jahren ist sie Delegierte des Wahlkreises Nummer 10 der Zone 66, die zum Kreis Rodas in der Provinz Cienfuegos gehört. Sie möchte diese Verantwortung nicht aufgeben und auch ihre Wähler möchten dies nicht.

Marta Daykelín Sastre Jiménez ist jemand, die andere mag und gemocht wird und das hat im wesentlichen drei Gründe:

der tägliche Kontakt mit den Nachbarn, Funktionstüchtigkeit und ein hohes Maß an Lösungen bei den von den Nachbarn vorgebrachten Probleme.

Die Regierungsbehörden der Provinz haben Granma vorgeschlagen, mit dieser Delegierten in Kontakt zu treten, weil sie ein lebendiges Beispiel dafür ist, wie jemand sein soll, der sich mit seinem wichtigen Amt identifiziert.

Marta Daykelín ist der Meinung, dass « zunächst einmal jeder von uns in der Lage ist, diese Mission auszuüben und zwar immer dann, wenn er von einem revolutionären Bewusstsein getragen ist und die Berufung verspürt, seinem Volk zu dienen und ein soziales Gewissen und ideologische Klarheit besitzt, um mit Argumenten das System zu unterstützen, das er täglich durch sein Handeln verteidigt».

Es schade aber nichts zu wissen, dass wenn zu dem vorher Erwähnten noch ein bisschen Pep, Fähigkeiten beim Management und sich Gehör zu verschaffen hinzukomme, die Leistung des Delegierten noch besser ausfalle, ergänzt sie.

«Ich habe mich die ganze Zeit seit 2010 aufrechterhalten, weil ich nie den Bezug zu meinen Wählern verloren hatte. Die direkte Beziehung hängt davon ab, ob deren Feedback sich in die Grundlage deiner Abeit verwandelt. Man muss dabei nicht auf die Versammlungen zu den Rechenschaftsberichten warten. Man muss täglich Rechenschaft ablegen», sagt sie.Ich stelle mich an die Tür und warte auf den Direktor des Sektors. Bis sie mir keine Antwort gegeben haben oder keine Lösungsmöglichkeit, für das, was ich vorgebracht habe, abgeschätzt haben, gehe ich nicht fort. Wenn ich nach einigen Tagen keine Klarheit in der Angelegenheit sehe, bestehe ich weiter darauf. Die Ausdauer ist hier, auf was es ankommt», betont sie.

Sie ist ebenfalls Spezialistin beim Roten Kreuz in Rodas und hat zu der Lösung vieler Probleme ihres Volksrats beigetragen: Lecks, Asphaltierung der Straßen, Lage von Gehwegen, Qualität des Brotes, Erhöhung des Wasserdrucks in einigen Vierteln...

«Wir sind Vermittler, einzigartig in der Welt innerhalb des demokratischsten der bekannten Systeme. Ich muss besonders anerkennen, dass ich durch die Unterstützung der Verwaltung begünstigt wurde, etwas bei dem, wir wir wissen, nicht alle mit dem gleichen Glück gesegnet sind. Dank dieser Unterstützung und durch die fundamentale Unterstützung des Kreisparlaments, können wir sagen, dass wir den Bedürfnissen der Wähler entsprechen konnten».

Trotz ihres resoluten Auftretens gibt es Dinge, die sie nicht zufriedenstellen: «Dinge, an die ich nicht herankomme, weil sie nicht von mir abhängen und manchmal mit dem Haushalt zusammenhängen. Dann setze ich mich mit meinen Wählern in Verbindung und erkläre es ihnen, denn man darf bei allem nicht die Realität des Landes aus den Augen verlieren», betont sie.

Marta Daykelín ist der Auffassung, dass « ausgehend von ihrer eigenen Wahl, der Delegierte in seinem begrenzten Bereich zu einer politischen Figur wird, die das Ansehen besitzt, das sie in der Lage ist, sich zu erarbeiten wird. Das stellt eine schwierige Verantwortung dar, aber es ist schön, altruistisch und edelmütig. Wenn man mich wieder zur Delegierten wählt, werde ich die Wahl annehmen».