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Der Essayist und Philosoph Fernando Martínez Heredia hielt im Rahmen des XII. internationalen Workshops zu Emanzipatorischen Paradigmen eine Reflexion über die Herausforderungen Lateinamerikas (Foto: Pensando América)

Fernando Martínez Heredia spricht und seine Zuhörer fühlen sich klein. Er verleiht den Worten Gewicht, die wir so oft wiederholen und selten wirklich verstehen. Emanzipation, Volksmacht, Hegemonie, antisystemischer Kampf haben jeden Sinn der Welt, wenn er sie in den Mund nimmt – in einer von den Teilnehmern des XII. Workshops über Emanzipatorische Paradigmen mit Beifall bedachten Rede, die er in dieser Woche in Havannas Pavillon Cuba hielt.

Einen würdigen spirituellen Augenblick vorwegschickend – „Die mit weniger leben, sind im Innern viel reicher“ –, der der honduranischen Führerin Berta Cáceres Tribut zollte, zog die Präsentation Fernandos eine Bilanz der Situation Lateinamerikas in diesen Zeiten des Aufstiegs rechter Regierungen und, in seiner Konsequenz, der Rolle, die der Volkssektor angesichts dessen inne hat. Er machte warnend auf das Fehlen solider Erklärungen für die Vorgänge aufmerksam, zu denen es in Ländern der Region wie Brasilien und Mexiko gekommen ist. „Die Kommentare, die wir gelesen haben, waren oberflächlich, dogmatisch“, sagte er.

Die Ideen, die der kubanische Intellektuelle vorstellte, führten außerdem hin zu einer Reflexion über die Herausforderungen Kubas im derzeitigen Kontext. In diesem Sinne bezog sich Martínez Heredia, der auch Direktor des Zentrums Kultureller Forschungen Juan Marinello ist, auf die Kultur als „Waffe zu unserer Beherrschung oder unserer Befreiung“ und legte dar, dass Lateinamerika eine Region voller Potenzial sei, einen antisystemischen Kampf zu entfesseln, Ergebnis seiner Widersprüche und der kapitalistischen Respektlosigkeit vor den öffentlichen Gütern.

Er betonte, wir erlebten Momente einer notwenigen Radikalisierung. „Es ist nicht genug, Volkssiege innerhalb kapitalistischer Systeme zu erreichen“, sagte der Denker, der seit Jahren über den kulturellen Krieg redet, der die Herrschaft im Bereich des Alltäglichen anstrebt und sich die Akzeptanz des kapitalistischen Lebens und dessen Kultur als einzig mögliche anmaßt.

“Der Kapitalismus verfügt über keinen zukünftigen Platz bei uns“, urteilte er, als er den Umstand thematisierte, dass die Menge von Personen, die mit wenig lebt, uns als Minderheit vorgegaukelt wird, obwohl sie in Wahrheit die überwältigende Mehrheit darstellt.

Für Fernando subsummieren sich diese Fragen unter dem Titel: „Die Schlüssel von Antiimperialismus und Antikapitalismus heute: Die Visionen Fidel Castros in den neuen Kampfszenarien.“ Diesbezüglich bereitet er erinnerungswürdige Augenblicke der letzten 57 Jahre auf der Insel auf, die von der Führerschaft Fidels geprägt waren, seiner Verbindung mit den Massen, dem Kampf um die Macht, der Übernahme der Institutionen zum Nutzen der Menschen und nicht umgekehrt.    

Auch konkrete Erinnerungen des Referenten sahen Fidel in der Hauptrolle: der Besuch im revolutionären Chile zur Zeit Salvador Allendes, die Alphabetisierungskampagne in Kuba, die Zeit der Milizen, die, geführt durch den Comandante, in Playa Girón kämpfen.

Er schien in der Stimmung, seine Betrachtungen fortzusetzen, bis sie ins Bewusstsein eines jeden einzelnen der Anwesenden im Pavillon eingedrungen waren. Der Intellektuelle endete mit dem Satz: „Wenn auch Fidel dies alles gleichzeitig machen konnte, kommt bloß nicht auf die Idee, das ebenfalls zu versuchen!“