OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
In Maisí sind es die Wohnungen, die am schlimmsten betroffen sind. Photo: Jose M. Correa

MAISÍ, Guantánamo – Nach einigen Tagen Wartezeit und nach ein paar Versuchen, die an angeschwollenen Flüssen, Erdrutschen auf der Straße Farola und zerstörten Brücken gescheitert waren, kam unser Team da an, wo der Kaiman sein Maul hat – an der äußersten Spitze Kubas.

Wir dachten, was Zerstörung angeht, hätten wir schon alles gesehen, nachdem wir unseren Rundgang durch Baracoa, Imías und San Antonio del Sur gemacht hatten, aber nichts ist vergleichbar, mit dem Bild, das sich uns in Maisí bot.

Wenn man die Küste entlang geht, nimmt man wahr, wie schwer die Verwüstungen in den Wäldern sind. Mann könnte sagen, dass hier ein Gebiet ohne Schatten ist, denn nicht ein einziger Baum ist stehen geblieben, kein einziges Haus hat noch sein Dach. Alles von der Wucht des Hurrikans zerstört. Punta Caleta, der Ort, wo Hurrikan Matthew kubanisches Gebiet betrat, ist ein Trümmerhaufen. Und je mehr wir in Richtung der Kreishauptstadt La Máquina vorstoßen, werden die Verwüstungen immer größer.

Über die Straßen zu gehen, die sich in Fußpfade verwandelt haben, gestaltet sich äußerst schwierig, denn überall liegen umgefallene Strommasten und abgerissene Telefonleitungen. Es ist deprimierend, so viele zerstörte Häuser zu sehen, bei denen oft das Hab und Hut seiner Bewohner noch unter den Trümmern liegt.

Ein kurzes Gespräch mit dem Vorsitzenden des Verteidigungsrats vom Gebiet um Maisi, Noel Mosqueda Mosqueda bestätigt uns, was offensichtlich ist. Der Kreis hat die schlimmste Katastrophe seiner Geschichte erlebt.

Laut Noel hat eine vorläufige Schätzung ergeben, dass etwa 94% der Wohnungen beschädigt wurden, genauso wie die Mehrzahl der Geschäfte und der Gastronomieeinrichtungen mit ihren Lagerräumen, und das Netz der Schulen, das 63 beschädigte Schulgebäude aufweist.

In der Landwirtschaft sind die Schäden erheblich. Keine Bananenstaude steht noch und der Haupterwerbszweig des Kreises, die Kaffeeplantagen sind weggespült worden. Fast 100% des Waldreservats liegt am Boden und 4000 Hektar Anbaufläche von verschiedenen Nutzpflanzen sind unbrauchbar.

Was die hydraulische Infrastruktur angeht, wurden die 13 Aquädukte, von denen zwei über Pumpen funktionieren, alle beschädigt, genauso wie das Strom- und Telefonnetz und die Türme von Sierra Verde, Santa Rita, von Etecsa und des Gemeindesenders, erklärt uns Mosqueda.

WICHTIG IST AM LEBEN ZU SEIN

Der Arzt der Gemeinde Asunción, Yordany Romero, hatte nach dem Durchzug des Hurrikans viel zu tun. Dutzende von Personen kamen zu seiner Sprechstunde, weil sie unter hohem Blutdruck litten und wegen des Erlebten und der Ungewissheit des Tages danach sehr niedergeschlagen waren.

„Ich habe die Medizin angewandt, die unter diesen Bedingungen immer wirkt, eine psychologische Therapie“, sagte er. „Hört mal zu, ganz ruhig, ihr lebt und das ist das wichtigste“, habe ich ihnen gesagt und fast alle antworteten: „Das ist wahr, Doktor, bei dem, was wir letzte Nacht erlebt haben, wäre es sehr gut möglich, dass keiner das überlebt hätte.“

Und mit dieser Philosophie sind die Menschen in Maisi wieder aufgestanden und bekamen durch den Besuch des kubanischen Präsidenten Raúl Castro Ruz einen zuätzlichen Ansporn, der nach Meinung von Neris Matos Méndez, einer Bewohnerin von La Máquina, ihnen großes Vertrauen in die Zukunft vermittelt habe.

„Er hat mir die Hand gegeben und gesagt, dass das wichtigste sei, dass wir unser Leben gerettet hätten und was alles weitere angeht, müssten wir Geduld haben. Man müsste zuerst die Schäden einschätzen und danach die Hilfe organisieren“, erzählte sie.



Dora Hilda Lamber Durán, die an der Spitze von Maisi lebt, hat trotz der schweren Schäden in ihrer Wohnung, die Kraft behalten, vertrauensvoll in die Zukunft zu blicken:

„Wir werden da wieder rauskommen. Stellt euch vor, es kommt schon jetzt von überall Hilfe. Die Elektriker arbeiten sich vor und wir können sogar schon wieder über Handy mit unserer Familie sprechen, die ganz verzweifelt war, weil sie nicht wusste, wie es um uns steht. Essen hatten wir auch immer genug und Wasser. Das ist lebenswichtig, das wurde über Wassertankwagen verteilt. Ich glaube, bei all der Zerstörung um uns herum, ist das eine ganze Menge“, meint sie.

Und wenn es um Optimismus geht, ist nichts vergleichbar mit dem, was wir in der Comunidad EL Veril gesehen haben. Dort liegt die Mehrheit der Häuser am Boden, und die wenigen, die noch stehen, haben kein Dach und sind beschädigt.

José Miguel Massanet Fernández, Lehrer der Schule Camilo Cienfuegos sah betrübt, wie das Dach seines Hauses wegflog und fast all sein Hab und Gut nass wurde, aber er ist nicht mehr traurig, denn wie er sagt, fühlt er sich nicht im Stich gelassen, weil er von so vielen Menschen umgeben ist, die von überall hergekommen sind, um ihnen zu helfen.

Andere Bewohner, die das Auto mit dem Granma Logo sahen, kamen sofort, aber nicht um zu jammern,sondern eher um uns mehr Stärke einzuflößen. Unter ihnen stach die Stimme einer jungen Frau hervor, die mit einer Kraft, die noch immer in uns nachwirkt, sagte: Hört mal zu, ihr Journalisten, schreibt mal, das hier in Maisi der Ort ist, an dem in Kuba die Sonne aufgeht“. Ein Satz, der den Geist seiner Bewohner ausdrückt.