OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Für Lissett, Parteimitglied seit 2001, ist die Aufmerksamkeit die man den Jugendlichen zukommen lassen muss, eines der Themen, die man nicht vernachlässigen sollte. Photo: Yander Zamora

Lissett findet, wenn sie morgens aufsteht, neben ihrer Tasche und ihrem Ärztekittel den Notizkalender, wo sie sich am Abend zuvor die Punkte der Tagesordnung für das nächste Treffen notiert hat. Bei ihr sieht es so aus, als ob die Probleme, die das Sehvermögen ihrer Patienten im Ophtalmologischen Institut Ramón Pando Ferrer beinträchtigen sowie die Sorgen der Mitglieder ihrer Organisation ihren Lebensinhalt ausmachen. Beides sind Missionen, die sie nicht voneinander trennen kann und bei denen sie, das bemerkt man sofort, mit ganzem Herzen dabei ist.

An einem dieser Tage, als die Hektik des Tages sie von einem Ort zum anderen trieb, kam sie unter anderem auch in den Operationssaal, wo sie erfuhr, dass sie zur Delegierten des VII. Parteitags gewählt worden war. „Ich war sehr überrascht, als ich davon erfuhr. Ich war sehr gerührt, weil ich das wirklich nicht erwartet hatte und ich glaube, ich habe es auch nicht verdient. Aber es ist eine Gelegenheit und eine Ehre, weil das ein historischer Parteitag werden wird“, sagte sie.

„Daran teilnehmen zu können, aus erster Hand alles zu erfahren, meine Ideen beizutragen und anschließend meinen Compañeros meine Erfahrungen zu vermitteln, das wird etwas Einzigartiges in meinem Leben sein. Ich glaube, das Volk hat große Erwartungen“, fügt sie hinzu.

Mit ihren 42 Jahren ist Lissett Sánchez Acosta Fachärztin für Ophtalmologie, Professorin und Sekretärin des Parteikomitees dieser Instution. Als Berufserfahrung erinnert sie sich gern daran, dass sie zur zweiten Gruppe von Ärzten gehörte, die in Bolivien eine internationalistische Mission erfüllte und dass sie von Fidel verabschiedet wurde.

Welches sind für Sie die drängendsten Probleme der gegenwärtigen kubanischen Gesellschaft, die dieser VII. Parteitag nicht übergehen darf?

In diesem neuen Kontext der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten und den Veränderungen, die das Land aufgrund der Akutalisierung des ökonomischen Modells erlebt, ist das Thema der Aufmerksamkeit, die man der Jugend zukommen lassen muss, transzendental. Wir müssen uns fragen wohin die Jugend geht und was wir tun werden, weil sie die Zukunft der Revolution sind.

Ein weiteres entscheidendes Thema für die Revolution, das wir tiefgehend behandeln müssen, ist die Kaderpolitik. Dieses Thema ist so wichtig, weil mit einem guten Kader die Dinge laufen und vorankommen, aber wenn wir jemanden haben, der blockiert oder keine Vorstellung von den Problemen hat, der nicht in der Lage ist, anderen Ansichten Gehör zu schenken, fügt er der Revolution Schaden zu.

Auf der anderen Seite muss die Erfüllung der Leitlinien auf den Tisch, dass das verändert wird, das dasVolk erwartet.

Es ist richtig, dass wir weitergekommen sind, aber es sieht noch so aus, dass sich auf dem Teller der Leute nichts geändert hat. Das Thema der Ernährung, der Kaufkraft des Kubaners ist sehr wichtig. Es mag sein, dass noch nicht die Bedingungen für eine Lohnerhöhung gegeben sind, aber solange die Preise weiter so hoch sind, werden die Menschen keine Veränderung ihres Lebensstandards und bei dem was sie ihren Kindern geben können, bemerken.

 Wie sieht die Arbeit der Parteiorganisationen in den Gesundheitseinrichtungen aus?

Ich glaube, die Parteiarbeit ist sehr schwierig. Manchmal haben wir aufreibende Sprechstunden – ich bin für Glaukome zuständig, eine sehr komplexe Krankheit, und ich sage meinen Patienten, dass sie neben mir graue Haare bekommen würden – und in unserer Freizeit müssen wir uns der Arbeit der Organisation widmen.

Treffen organisieren, sich auf die politischen Diskussionen vorbereiten, versuchen, die politisch-ideologische Arbeit zu verstärken, Jugendliche für die Aufgaben gewinnen, das alles sind vielschichtige Missionen und es bleibt noch viel zu tun.

Wir haben nämlich noch Probleme bei der Arbeit der Partei, man muss die Arbeitsmethoden und -stile perfektionieren, die Integration der Mitglieder erreichen, Jugendliche gewinnen.

Was soll Ihrer Meinung nach heute die Mission der Partei sein?

Ich denke, eine einzige Partei zu haben, gibt uns eine unglaubliche Stärke und das wird weiterhin der Revolution Kraft verleihen. Ich glaube, dass die Partei jeden Tag eine andere Analyse machen muss; jedes Stückchen kann dazu führen, dass man die Probleme anders bewertet. Die Parteiorganisation muss neben ihrer ideologischen Mission, die fundamental ist, weiterhin Orientierung geben, führen, immer die Wahrheit sagen und in der Lage sein, verschiedene Kriterien anzuhören.

Was sind Ihrer Meinung nach die Werte, die ein Parteimitglied verkörpern muss?

Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Transparenz, Einfachheit, es muss unermüdlich und sehr diszipliniert sein. Aber vor allem muss man revolutionär sein, um Parteimitglied zu sein. Es gibt viele Menschen, die keine Parteimitglieder, aber Revolutionäre sind. Aber jemand der sich nicht als Revolutionär fühlt, sollte nicht in der Partei sein. Ein Parteimitgleid darf nie müde werden, sich mit Dingen auseinanderzusetzen und auch wenn der „Krieg“ hart ist, glaube ich, dass man kämpfen muss, um alles was verändert werden muss zu ändern, auch innerhalb der Partei selbst.