OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Die Veränderungen in der Hochschulbildung werden in dem Maße durchgeführt werden, wie die Bedingungen dafür geschaffen werden, und entsprechend den Möglichkeiten der verschiedenen Gebiete Photo: Yander Zamora

Ein ganzer Maßnahmenkomplex, der „zur Verbesserung der Qualität, der Gleichheit und der Sachdienlichkeit der Hochschulbildung“ beitragen soll, wurde am Dienstag in einer Pressekonferenz vom Minister Rodolfo Alarcón Ortíz bekanntgegeben. Mit der Einführung einiger dieser Maßnahmen soll bereits im Studienjahr 2016-2017 begonnen werden.

Der rechtliche Rahmen des gegenwärtig bestehenden Weiterbildungssystems der kubanischen Akademiker bildet eines der anhängigen Themen der Hochschulbildung. Wie der Minister mitteilte, habe man beschlossen, besagtes System der Regierung zur Genehmigung einzureichen, um die Bildung eines breiten Ausbildungsprofils und die anschließende Spezialsierung des Fachpersonals zu ermöglichen, damit eine ihrer beruflichen Stellung entsprechende Weiterbildung gewährleistet ist.

Dies werde bereits mit Erfolg auf dem Gebiet der Medizin durchgeführt, sagte Alarcón Ortiz. Mit der Anwendung dieser Maßnahme bereite man qualifizierte Arbeitskräfte darauf vor, den Anforderungen an ihren Arbeitsplätzen gerecht zu werden und gebe ihnen gleichzeitig die Gelegenheit, sich individuell zu entwickeln.

Außerdem werde die Schaffung einer neuen Bildungsstufe, die Nicht-Universitäre Hochschulbildung, zur Genehmigung eingereicht werden. Zugang zu dieser habe man mit einem Abitur oder einer Fachhochschulreife. Mit der Einführung der neuen Bildungsstufe solle dem Phänomen der Unterauslastung qualifizierten Fachpersonals begegnet werden. „Die Programme werden zwei Jahre, zweieinhalb Jahre oder drei Jahre dauern und haben zum Ziel, Personen für bestimmte Berufe auszubilden“.

In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe es bereits direkte Vorgänger dieser Art von Programmen gegeben, sagte Alarcón, so für Chemiesachverständige, Buchhalter, Hydrotechniker, Zuckerrohrmaschinenmechaniker, Landvermesser und Mittelschullehrer.

Mit dieser Maßnahme könnten diejenigen ihr Ausbildungsniveau erhöhen, die kein Universitätsstudium anstrebten oder die Zulassungsprüfungen zur Universität nicht bestehen würden. Außerdem erweiterten sich die Möglichkeiten der Weiterbildung für die Absolventen mit Fachoberschulreife, die heute nur Angebote jener Bildungsstufe wahrnehmen könnten.

Die Programme würden graduell, entsprechend den am meisten benötigt Arbeitsplätzen und der Nachfrage der Organismen begonnen werden und die Absolventen hätten die Möglichkeit, ihre Studien danach fortzusetzen, um einen Universitätsabschluss zu erhalten, führte der Minister aus.

Auf der anderen Seite sei die Perfektionierung der Ausbildung des Grundstudiums auf einem breiten Fachprofil beschlossene Sache. Dies bedeute, man fokussiere sich auf die Lösung allgemeiner grundlegender Aufgaben der Berufe, was mit der Spezialisierung im weiterführenden Studium vervollständigt werde. „Dies wird uns erlauben die Zeitdauer der Studiengänge zu reduzieren und wir streben an, dass die meisten innerhalb von vier Jahren beendet sein können.

Für die Studiengänge des Teilzeitstudiums werden fünf Jahre angesetzt, was ebenfalls ein Vorteil für das Land darstellt, da man weniger Zeit benötigt, um die erforderliche Anzahl von Fachleuten auszubilden, und für die Personen bedeutet es, in weniger Zeit einen Universitätsabschluss erreichen zu können.“

Die Modalität – die im methodologischen Lehrreglement seit einem Jahrzehnt als Möglichkeit existiert und die man bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Studiengang Mathematik anwendet – kann sich mit der Verschiebung der Inhalte der Studienpläne und anderen Maßnahmen konkretisieren. Dies sei aber auf jeden Fall ein allmählicher Prozess.

Alarcón Ortiz führte aus, dass man außerdem die Bedingungen dafür schaffe, um „nach und nach die Anforderung in die Studienpläne einzufügen, dass die Beherrschung der englischen Sprache nachgewiesen werden muss, bevor man den Universitätsabschluss erhält.

Wir müssen erreichen, dass das kubanische Fachpersonal in der Lage ist, sich in der universellen Sprache unserer Zeit auszudrücken. Die Universitäten bieten den Studenten Kurse und den Zugang zu Informatikplattformen an, die eine autonome Lernweise ermöglichen. Einige Studenten machen es lieber selbstständig, andere machen Eignungsprüfungen, aber sie müssen beweisen, dass sie die Sprache beherrschen. Diese Maßnahme wird erst allmählich eingeführt, denn es müssen dafür erst die Bedingungen geschaffen werden“, sagte er.

Er lenkte auch die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit die außerhalb der Universität erworbenen Kenntnisse mit Eignungsprüfungen nachzuweisen. „Auf diese Weise kann das nachgewiesen werden, was die Personen außerhalb der Universität gelernt haben, aber sie müssen alle Fächer des Studienplans meistern.“

TEILZEIT- UND FERNSTUDIUM

Eine andere der Maßnahmen, die man beginnen werde im nächsten Semester anzuwenden, beziehe sich auf die Notwendigkeit die gültige Vorgehensweise für den Eintritt in das Teilzeit- und Fernstudium zu verändern.

„Gegenwärtig hat sich die Tatsache, dass für diese Studienformen die gleichen Bedingungen gestellt werden wie für den Tageskurs, nicht nur kognitiv sondern auch psychologisch in eine Barriere für arbeitende Menschen verwandelt, die viele Jahre nicht studiert haben. Das führt dazu, dass Jugendlichen nicht in die Universität eintreten und die Infrastruktur und die menschlichen Ressourcen nicht adäquat genutzt werden; aber es besteht Bedarf an Fachpersonal in den Gemeinden und in den Provinzhauptstädten.

Deswegen werden wir die Eintrittsbestimmungen für die Hochschulbildung anpassen und deren Erfüllung in die Zeit innerhalb der Universitätslaufbahn verlegen, so dass der Student mit Fachoberschulreife direkt Zugang zu diesen Studienformen hat (ohne Zulassungsprüfung).“

Alarcón Ortiz erklärte, dass in Kuba bisher fast die Hälfte der Hochschulabsolventen ihre Ausbildung im Teilzeit- oder Fernstudium absolviert haben, und betonte, dass die Erfüllung der festgelegten Anforderungen nicht aufgehoben werde, sondern dass der Beweis dieser Befugnisse auf die Zeit des Universitätsstudiums verschoben werde, während es für den Regelstudiengang keine Änderungen in dieser Hinsicht gebe.

Für den Fall, dass es mehr Bewerber als Studienplätze gebe, sei die Universität dafür zuständig, die Studenten nach einem allgemeinen Rahmen, den es innerhalb der Hochschulbildung geben wird, auszuwählen, sagte der Minister.

Nach der Möglichkeit befragt, ob Gymnasiasten diese Studienformen beantragen können, unterstrich René Sánchez, Direktor für Beschäftigung und Arbeitsvermittlung des Hochschulministeriums, dass es heute „Provinzen gibt, die Teilzeitstudienplätze an Gymnasiasten vergeben. Es liegt an uns, sicherzustellen, dass die Strenge und Transparenz dabei nicht verloren gehen. Wir arbeiten daran zu regeln, wie eine solche Auswahl gemacht werden sollte.“

Als Neuheit innerhalb des Teilzeitstudiums wird der Universität erlaubt sein, die Zeiten für Vorlesungen und Seminare nach ihrem Ermessen festzulegen. „Bis jetzt war es einheitlich (samstags), aber wenn der Student die Möglichkeit und die Universität die Kapazität hat, können die Veranstaltungen auch in den Abendstunden oder an Wochenenden stattfinden.“

Eine weitere Herausforderung sei die technologische und pädagogische Rückständigkeit im Fernstudiengang, weshalb nach und nach ein neues Modell eingeführt werden soll, das auf moderner Pädagogik und dem Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) basiert. Darüber hinaus wird die Zahl der Fachrichtungen für diese Modalität erhöht werden - bisher beschränkt auf Rechtswissenschaften, Soziokulturelle Wissenschaften und Buchhaltung.

WACHSENDE NACHFRAGE

Der Minister für Hochschulbildung erläuterte einige Maßnahmen, die im Einklang mit den Möglichkeiten und der jeweiligen Situation in den verschiedenen Provinzen getroffen werden können, um den Studienplätzeplan für pädagogische Universitäts-Studiengänge besser zu erfüllen.

So wird beispielsweise den Absolventen der Sekundarstufe I die Möglichkeit gegeben, einen Teil oder die gesamte Sekundarstufe II an den Universitäten abzulegen, so dass sie auf direkte Weise Zugriff zu den pädagogische Universitäts-Studiengängen bekommen, da die Abschlussprüfungen der zwölften Klasse die entsprechenden Aufnahmebedingungen mit beinhalten werden.

Außerdem werden Gewinnern von Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen bei Wettbewerben auf nationaler und Provinzebene auf Wunsch Lehramtsstudienplätze direkt zugesprochen; und es wird die Zahl dieser Plätze erhöht, um mehr Absolventen der pädagogischen Fachschulen mit guten Leistungen einen direkten Zugang zu Lehramtsstudiengängen im Regelstudiengang bieten zu können.