OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Foto: Juvenal Balán Neyra, 22. August 2005

DURCH die Aussagen seiner Gegner kann man ebensoviel über einen Menschen erfahren wie durch die seiner Bewunderer. „Fidel Castro war vielleicht der authentischste Revolutionsführer, der damals an der Macht war“, schrieb Henry Kissinger im letzten Band seiner Memoiren.

Der ehemalige Außenminister und Berater mehrerer Insassen des Oval Office bezog sich auf das Jahr 1975 und auf die Verwunderung der Vereinigten Staaten angesichts der Teilnahme Kubas am Kampf um die Unabhängigkeit Angolas. In der Dynamik des Kalten Krieges wollten die Sowjets nicht direkt eingreifen und Washington unterstützte, ohne einen Hehl daraus zu machen, das rassistische Regime in Pretoria.

Fidel bewies einmal mehr, dass die Revolution, die 1959 siegreich war, von Prinzipien geleitet wurde und niemandes Satellit war. Das Heldentum der Kubaner, die in Afrika kämpften, und die Führung Fidels trugen dazu bei, die Geschichte dieses Kontinents zu verändern und, wie Nelson Mandela selbst versicherte, der Apartheid ein Ende zu machen.

Es war das erste Mal, dass ein kleines Land der westlichen Hemisphäre militärische Streitkräfte außerhalb des Kontinents entsandte und zur Überraschung vieler einen überwältigenden Erfolg erzielte. Es war eine Mahnung daran, dass auch ein kleines Land, wenn es von Idealen der Gerechtigkeit geleitet wird, Weltmächten gegenübertreten kann. Es war revolutionär.

Bereits zuvor hatte es etwas bewältigt, das viele für unmöglich angesehen hatten: eine sozialistische Revolution nur 90 Meilen von den Vereinigten Staaten entfernt, einen Affront, den Washington über ein halbes Jahrhundert lang nicht aufgehört hat, mit verschiedenen Methoden zu bestrafen.

Als man noch in der Sierra Maestra gegen Batistas Tyrannei kämpfte, sah der geniale Revolutionsführer bereits voraus, dass der wahre Kampf der gegen den Imperialismus sein würde. Aber diese Konfrontation, die weltweit seiner Person den Stempel aufgedrückt hat, ist kein vergeblicher Konflikt mit einem Land oder einer Regierung. Es ist der Kampf gegen eine universelle Logik:

„Es scheint, als ob es zwei Arten von Gesetzen geben würde, eine für die Vereinigten Staaten und eine für die übrigen Länder. Vielleicht ist das meinerseits idealistisch, aber ich habe diese universellen Sonderrechte der USA nie akzeptiert“, sagte Fidel den Abgesandten Carters 1978, als diese nach Havanna kamen, um Bedingungen für eine Verbesserung der Beziehungen zu stellen.

Eine Stimme, die nicht auf der Seite der Mächtigen ist, sondern mit „den Armen der Erde“, konnte nichts Anderes tun, als sich wie Staub über die Ebenen, Wälder und Gebirge dieses Kontinents auszubreiten.

Die Kubanische Revolution und das Denken Fidels sind eine Inspiration für all jene gewesen, die auf der Suche nach einer anderen Welt sind, die die Widersprüche überwindet, die als unabänderlich darzustellen die Weltmacht alle Anstrengungen unternimmt.

Die Flamme, die 1959 entzündet wurde, gewann nach dem Fall des sozialistischen Lagers, als es so aussah, als ob alles verloren sei, weiter an Kraft. Die Verteidigung des Sozialismus als Ausweg für die Probleme der Menschheit, auch unter den für ein Land schwierigsten Bedingungen, lassen Fidel zu der kleinen Liste von Revolutionären gehören, die in der Lage waren, „den Sinn des historischen Moments “ zu interpretieren.

Und diese Überzeugung war niemals mit Dogmatismus verbunden. Selbst als die Waffen und Ressourcen der Kubaner für die Guerrilla da waren, die sich gegen die Diktaturen unseres Kontinents stellte, war Fidel, der Kämpfer der Sierra, rechtzeitig in der Lage zu erkennen, wann der Moment des bewaffneten Kampfes vorüber war und der der politischen Umwandlungen begann.

Er hatte das Privileg, verschiedene Generationen von lateinamerikanischen Revolutionären vorüberziehen zu sehen und diese hatten das Glück, sich auf ihn verlassen zu können: von Salvador Allende zu Hugo Chávez und weiteren unzähligen und wertvollen Führern der Region.

„Fidel ist für mich ein Vater, ein Kampfgefährte, ein Meister der perfekten Strategie“, sagte Chávez in einem Interview, das er unserer Tageszeitung im Jahr 2005 gewährte. Das erste Treffen zwischen den beiden Führern fand 1994 am Fuß der Gangway des Flugzeuges statt, wo Fidel den kurz zuvor freigelassenen Oberstleutnant erwartete.

Der Wahlsieg von Chávez 1999 war der Beginn eines Epochenwandels für Lateinamerika und die Karibik, der, wie dies die Protagonisten von Evo Morales bis Rafael Correa selbst anerkannt haben, nicht ohne das Beispiel und die Führung Fidels möglich geworden wäre.

Auch wenn zur Zeit eine Gegenoffensive der Rechten versucht, die Fortschritte des letzten Jahrzehnts rückgängig zu machen, gibt es konkrete Beweise für die Integrationsbestrebungen, die seit über 200 Jahren aufgeschoben werden, wie die Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten.

Lange Zeit zuvor, bei einem Treffen des Sao Paulo Forums in Havanna im Jahr 1993, hatte der kubanische Revolutionsführer den Kräften der Linken gesagt: „Das Mindeste, was wir tun können und das Mindeste, was die Linke Lateinamerikas tun kann, ist, ein Bewusstsein zugunsten der Einheit zu schaffen. Das sollten sich die Linken auf ihre Fahnen schreiben. Mit Sozialismus oder ohne Sozialismus“.

Zusammen mit seiner unermüdlichen revolutionären Arbeit hat das humanistische Denken Fidels vor den großen Problemen der Menschheit gewarnt, vom Klimawandel bis hin zur Möglichkeit der globalen Zerstörung durch den Einsatz von Atomwaffen.

Niemand könnte die Geschichte des XX. Jahrhunderts und des bisherigen XXI. Jahrhunderts durchlaufen, ohne das Werk und das Gedankengut dieses Kubaners zu studieren, der ein kleines Land der Karibik in die Seiten der „wahren universellen Geschichte“ eingetragen hat, der Geschichte, die die Völker erzählen. •

PIE DE FOTO: Foto: Juvenal Balán Neyra, 22. August 2005.