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RIO DE JANEIRO – „Wo wird Leonor diese Medaille aufhängen, die größte von allen?“

„Meine Mutter hat schon das Nägelchen bereit, sie wusste schon, dass etwas zu ihrer Sammlung hinzukommen würde“, sagte uns der dreifache Olympiasieger und fünffache Weltmeister des Ringens im griechisch-römischen Stil Mijaín López nach der Siegerehrung.

Marcelo, ein spanischer Journalist fragte mich, ob Mijaín in Kuba genau so geliebt sei wie die Baseballspieler. Ich antwortete ihm, dass das so sei, weil er ein so bescheidener Mensch sei und mein Kollege sagte zu mir: „Ja, ich sehe, wie er sich mit Küssen und Umarmungen bei Leuten bedankt, die er möglicherweise gar nicht kennt, Einfachheit und menschliche Größe kommen bei ihm zusammen“.

Mijaín ist der Ausdruck eines Volkes, das soviel wie wenige andere für den Sport getan hat. „Ich habe dem verstorbenen Teófilo Stevenson, dem größten von allen, und auch Félix Savón versprochen, dass ich diese Medaille gewinne. Ich bin stolz darauf, dass ich das Versprechen eingelöst habe“.

Das bescheidene Dorf La Herradura in Pinar del Rio war ganz aus dem Häuschen. Mijaíns Vorstellung war meisterhaft. Aber was wie Magie aussah, beruhte auf der Arbeit und dem Schweiß vieler Jahre der Vorbereitung, die ihn schließlich 2004 zu seinem Debut nach Athen brachten, wo sein Bruder Michel beim Boxen eine bronzene Medaille erhielt, während er damals einen fünften Platz erreichte.

„Ich erlebte die Siege meiner Brüder im Boxen als ob es meine wären, aber mir gefiel es nicht, wenn sie Schläge einstecken mussten, auch wenn ich selbst einen Kampfsport praktitiziere, hängt dieser aber von der Stärke ab“.

Hier in Rio war er der einzige Ringkämpfer, der keinen Punkt gegen sich einstecken musste. Er begann mit dem Esten Heiki Nabi, eine Wiederauflage des Finales in London 2012, den er 3-0 besiegte, danach bezwang er den Schweden Magnus Euren 4-0 und den Russen Sergej Semenow 3-0. Jetzt blieb nur noch der Türke Riza Kayaalp übrig, der einzige Sterbliche, der ihn in den neun Jahren besiegen konnte und zwar bei den Weltmeisterschaften 2011 und 2015, jeweils ein Jahr vor den Olympischen Spielen. „Die ziehst Lehren aus den Fehlern, die du machst und die kannst du dann, wenn die Olympischen Spiele kommen ausbügeln, die für einen Athleten das wichtigste Ereignis darstellen“, sagte er.

Er gelangte zum Kampf um die ersehnte Trophäe ohne sich groß zu verausgaben. Einige Journalisten waren sogar der Auffassung, dass er keinen starken Eindruck mache. In Wirklichkeit aber plante Mijaín millimetergenau jeden Tag. Sein sportliches Können gab ihm die Möglichkeit, sich an die Bedingungen seiner 34 Jahre anzupassen, indem er seine Kraft und seine erfogreiche Strategie einsetzte, um den letzten Kampf zu erreichen, so als ob es das erste Mal sei, dass er auf die Matte stieg. Unterdessen schlug Riza überlegen alle Gegner der Vorkämpfe.

Aber nur 28 Sekunden nach Beginn des Finales ließ ein exzellent angesetzter Griff den stämmigen Türken durch die Luft fliegen. Sofort anschließend gelang Mijaín ein weiterer Punkt. Dieser beruhte auf dem Fehler seines Gegners und „ich habe gesagt, dass ich in Brasilien Samab tanzen würde und ich habe getanzt“. Diejenigen, die daran zweifelten, wurden sprachlos.

Seine spektakuläre Vortsellung brachte Kuba auf den 19. Rang des Medaillenspiegels.

Auf den Tribünen der Arena schwangen die kubanischen Fahnen in den Händern der Ärzte und einiger, die in Brasilien wohnhaft sind, bei jeder Bewegung des Kämpfers. Aus ihren Kehlen strömte Kuba! Kuba! Und bald waren alle davon angesteckt, die Brasilianer und die übrigen Kämpfer, die keine Sekunde dieses unvergesslichen Moments verpassen wollten. Selbst die Gesichter der Offiziellen ließen Emotionen erkennen. Eine lebende Legende des Weltsports hatte den olympischen Gipfel erklommen, aber es war mehr als das, ein Mensch, der selbst von seinen Gegnern gemocht wird.

Dieselben Emotionen müssen ganz Kuba zum Erzittern gebracht haben, als er oben auf dem Podium militärisch grüßte. „Was wolltest du mit dieser Geste ausdrücken?“ „Ich habe gegenüber meinem Comandante, meinem Volk mein Versprechen erfüllt“. Und auch gegenüber seiner Familie, gegenüber Bartolo, seinem Vater, der einmal, als er sich mit 11 Jahren in der Sportschule ein Bein brach, kam um ihn abzuholen. „ Damit ist jetzt Schluss“, sagte er ihm, aber Leonor mit ihrem mütterlichen Instinkt überzeugte ihren Ehemann und schenkte Kuba diesen historischen 15. August und um genau 5.49 Uhr diese Goldmedaille.

Vielleicht hat Caridad, eine Nachbarin der Familie, auch diesen Kampf nicht gesehen, sie schaut ihn sich lieber an, wenn sie weiß, dass Mijaín gewonnen hat, aber sie ist sowieso davon überzeugt, dass er das „beste Kind der Welt ist“ und sein Vater bestätigt, die Verpflichtung, die Mijáin gegenüber dieser Revolution empfindet, ohne die er als Sohn von armen Bauern mit schwarzer Hautfarbe nichts geworden wäre“. Seine Mutter sagte es direkter: „Mijaín ist immer mehr Patriot als Champion“.