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RIO DE JANEIRO – Dem unbezähmbaren und unvergleichlichen Santiago de Cuba gebührt die erste Goldmedaille der Größten der Antillen auf den XXXI. Olympischen Spielen.

„Ich war mir sicher, dass ich gut vorbereitet war, ein gutes Training hinter mir hatte. Der Rest, der zu tun blieb, bestand nur noch darin, jeden einzelnen Gegner damit zu konfrontieren“, sagte der 24jährige Santiagero, der bei den Panamerikanischen Spielen von Toronto 2015 noch auf einem enttäuschenden 7. Platz geblieben, aber noch in diesem Jahr in Las Vegas Weltmeister in seiner Gewichtsklasse geworden war.

“Ich verdanke diese Medaille jedem Resultat auf dem Festland. Ich habe gelernt, dass man alles Schritt für Schritt angehen muss, dass man nichts erzwingen darf – weder in der Vorbereitung, noch im taktischen Plan für den Wettkampf. Ich ging raus, um mir die ganze Welt einzuverleiben. Nach dieser Niederlage (er bezieht sich auf das offenbar traumatische Ergebnis von Toronto) war ich entschlossen, alles umzudrehen.“

„Fühlst du dich nun zufrieden? Hast du deine „Schulden“ zurückgezahlt?“

„Nach dieser Episode von Toronto wurde ich Weltmeister und jetzt habe ich die Goldmedaille, die jeder Athlet erträumt. Trotzdem ist die Angelegenheit der Panamerikanischen Spiele damit noch nicht aus der Welt. Wenn ich den nächsten Wettkampf dieser Art im Jahr 2019 gewinne, erst dann kann ich die Sache als abgeschlossen betrachten.“

Stark, schnell und immer den Rhythmus des Kampfes bestimmend, nahm er einen nach dem anderen seine Gegner auseinander: zunächst den Kirgisen Arsen Eraliev (6:3), danach den Chinesen Lumin Wang (vorzeitig durch technische Überlegenheit), dann den Usbeken Elmurat Tasmurado (4:1) und schließlich im Finale den Japaner Ota (mit einem nie in Frage stehenden 8:0).

“Alle sind ausgezeichnete Ringer, aber der Usbeke war der schwierigste Gegner. Er hatte mich 2014 schon einmal vorzeitig wegen technischer Überlegenheit geschlagen. Ich war also sehr vorsichtig, folgte jeder seiner Gesten, jeder seiner Defensivbewegungen und war imstande, daraus eine siegreiche Strategie zu entwickeln, die mir den Weg aufs Podium ebnete.“

Hattest du den Japaner Ota im Finale erwartet?

“Ich fühlte mich auf jeden Fall sicher, aber, stimmt schon, ihn hatten eher wenige auf der Rechnung gehabt. Der Aserbeidschaner, gegen den ich im WM-Finale von Las Vegas gewann, war eigentlich der wahrscheinlichere Kandidat, aber er scheiterte eben.“

Woran dachtest du in den drei Stunden Wartezeit vor dem Endkampf?

“An gar nichts. Ich habe mich nur ausgeruht und, als es dann so weit war, mich wieder voll auf meine Arbeit konzentriert. Zum Denken ist da keine Zeit.“

Was kommt jetzt?

“Ferien”

Und dann?

“Ich werde zur Matte zurückkehren, um mich auf die nächste Medaille vorzubereiten.”

Belastete es dich, dass die kubanische Delegation nicht gerade sehr hoch im Medaillenspiegel stand?

“Überhaupt nicht. Ich musste mich nur auf mich und mein Tun konzentrieren.”

Was erwartest du nun von deinem Team und von Mijaín, der morgen dran ist?

“Viel Gutes und was Mijaín angeht, er ist der Beste der Welt und was ich konnte, kann er schon lange!”

Ismael erschien nach dem Sieg bzw. am Ende der Siegerehrung gar nicht wie ein Olympiasieger. Er lächelte bescheiden. Keine Luftsprünge. Keine Tränen. Ist er gefühllos? Nicht die Spur! Er widmet den Triumph „seinem“ Santiago, „Fidel, dem man an allen Tagen seinen Tribut zollen muss“ und „einer sehr besonderen Person, der ich mein Hiersein verdanke. Die olympische Goldmedaille ist vor allem für meine Mutter!“