OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

Die sogenannte „Faschosphäre“ ist weder ein spontanes noch ein Randphänomen. Sie ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Transformation im öffentlichen Raum, wo die Politik von der Logik digitaler Plattformen vereinnahmt und in schnelllebige, emotionale und stark polarisierte Konsuminhalte umgewandelt wurde. Als der spanische Regierungschef Pedro Sánchez diesen Begriff verwendete, benannte er nicht nur einen politischen Gegner; er wies – vielleicht ohne dies näher auszuführen – auf eine Medienarchitektur hin, die heute die Bedingungen setzt, wie heute  informiert und  debattiert wird und wie man Millionen von Menschen mobilisiert. Es geht nicht einfach nur um YouTuber mit rechtsgerichteten Ansichten, sondern um kreativ Schaffende, die die Regeln des neuen digitalen Ökosystems besser als alle anderen verstanden haben: provozieren, vereinfachen und polarisieren.

Isaac Parejo, der bekannte spanische Kommentator der extremen Rechten, bringt es mit brutaler Klarheit auf den Punkt: „Mein Markenzeichen ist verbale Aggression. Ich verfechte die  Beleidigung.“ Er will nicht überzeugen, sondern provozieren. Sein Ziel ist es, „die Linke wütend zu machen“. Verbale Aggression, weit entfernt davon ein Exzess zu sein,ist ein prägendes Merkmal dieser politischen Akteure.

 In einer Welt, in der Algorithmen Interaktion belohnen, wird Konflikt zur Strategie. Je emotionaler die Botschaft, desto weiter verbreitet sie sich; je polarisierender sie ist, desto lukrativer ist sie. Die Folge ist der Verfall der politischen Sprache, die ihren Raum für Debatten verliert und zum emotionalen Schlachtfeld wird.

Dieses Muster ist nicht ausschließlich spanisch. Es ist Teil eines transnationalen Netzwerks, in dem das rechtsextreme Ökosystem von Miami besonders hervorsticht. Dieses Netzwerk ist um digitale Medien, Influencer und Plattformen herum strukturiert, die sich auf den systematischen Angriff auf die kubanische Regierung und die Diskreditierung jeglicher als sympathisierend wahrgenommener Stimmen konzentrieren. In diesem Umfeld sind Beleidigungen, Verleumdungen und Rufschädigung keine Ausnahmen, sondern operative Werkzeuge, die von Akteuren in anderen Kontexten kopiert und angepasst werden.



Dieses Phänomen lässt sich nur verstehen, wenn man den Wandel im Nachrichtenkonsum berücksichtigt. Laut dem Reuters Institute der Universität Oxford bezieht nur noch eine Minderheit junger Menschen Informationen über traditionelle Medien, während eine wachsende Zahl dies ausschließlich über soziale Netzwerke tut. Nachrichten sind kein sorgfältig aufbereitetes Produkt mehr, sondern eher ein Fragment, ein kurzer Clip, ein Reiz. In diesem Format haben sogenannte Fascho-Tuber einen Vorteil, da sie die Sprache der Plattform sprechen, ihre Codes beherrschen und ihre Dynamik ausnutzen.

 Eine Analyse allein auf die Form zu reduzieren, wäre jedoch unzureichend. Der Inhalt ist von entscheidender Bedeutung. Die Themen sind wiederkehrend: Antifeminismus, Ablehnung von Einwanderung, systematische Angriffe auf die Linke und die Konstruktion eines diffusen inneren Feindes. Hinzu kommt die Verwendung historischer Bezüge, die mit symbolischer Gewalt aufgeladen sind und nicht darauf abzielen, die Vergangenheit zu verstehen, sondern sie als politische Waffe zu reaktivieren.

So entsteht eine Gemeinschaft, die durch Identität und gemeinsame Kränkungen verbunden ist. Angesichts manipulativer Medien und einer als hegemonial beschriebenen Linken positionieren sich diese als authentische, verfolgte und notwendige Stimmen. Dieses Narrativ fördert nicht nur die Loyalität des Publikums, sondern konstruiert auch eine politische Subjektivität, die auf Misstrauen, Feindseligkeit und Vereinfachung basiert.

Die „Faschosphäre“ ist daher keine vorübergehende Modeerscheinung. Sie ist Symptom eines Strukturwandels, in dem Politik auf einem Terrain ausgetragen wird, das von Algorithmen, Plattformen und Marktkräften dominiert wird. Sie zu ignorieren oder zu einer Karikatur zu verzerren, wäre ein Fehler. Sie zu verstehen bedeutet anzuerkennen, dass der Kulturkampf auf Bildschirmen stattfindet, wo jeder Klick, jeder Kommentar und jedes Video zur Formung des allgemeinen Bewusstseins beiträgt. In diesem Umfeld hat heute derjenige einen entscheidenden Vorteil, der die Emotionen kontrolliert.