OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Foto: Bild aus Neopraxis entnommen

Seitdem Leonardo da Vinci Ende des 15. Jahrhunderts den ersten Roboter, den er Automata Cavaliere nannte, entwarf, um die Gäste im Palazzo Sforza in Mailand zu unterhalten, wurden große Fortschritte erzielt. Heute sehen wir uns in digitalen Netzwerken leistungsstarken Systemen der künstlichen Intelligenz (KI) und Big Data gegenüber. KI-Algorithmen haben das Potenzial, nahezu alles im Cyberspace zu kontrollieren.

Daher ist es notwendig, die grundlegenden Elemente zu untersuchen, die sowohl in unserem Privatleben als auch im öffentlichen Raum wirken, um zu verstehen, wie Realität konstruiert (und zerstört) wird. Dazu gehören Gaslighting, Framing und Agenda-Setting; die Kombination dieser drei ist verheerend.

Beginnen wir mit dem intimsten und verheerendsten Aspekt. Der Begriff Gaslighting stammt aus dem Film „Gaslight“ (1944), in dem ein Ehemann seine Frau manipuliert, indem er sie glauben lässt, sie habe den Verstand verloren: Er dimmt das Gaslicht im Haus und schwört, es sei noch genauso hell wie zuvor, er versteckt Gegenstände und versichert ihr, sie habe sie verloren.

Im digitalen Ökosystem geht Gaslighting über zwischenmenschliche Manipulation hinaus und wird zu einer Waffe systematischer Desinformation. Ziel ist nicht die Täuschung, sondern die Untergrabung des Vertrauens von Individuen und der Gesellschaft in ihre eigene Realitätswahrnehmung; es geht nicht nur um politische Instabilität, sondern um einen epistemologischen Bruch.

Der Cyberspace wird mit widersprüchlichen Darstellungen desselben Ereignisses überschwemmt. Es geht nicht darum, eine Lüge zu verbreiten, sondern ein solches „Rauschen“ zu erzeugen, dass die Wahrheit unerreichbar oder zur Ansichtssache wird. Begriffe werden vereinnahmt und ihnen entgegengesetzte Bedeutungen zugeschrieben, indem Zensur als „Freiheit“ oder Aggression als „Frieden“ bezeichnet wird.

Darüber hinaus werden Medien, Journalisten und Institutionen, die die unbequeme Realität aufdecken, systematisch diskreditiert und als „Fake News“, „regierungsfreundlich“ oder „vom Regime gekauft“ gebrandmarkt. Das Ziel ist, dass die Öffentlichkeit Beweise automatisch ablehnt, weil sie aus einer „offiziellen“ Quelle stammen.

Darüber hinaus schaffen Social-Media-Algorithmen durch die Priorisierung von Interaktionen Filterblasen, in denen manipulative Narrative ungehindert wiederholt und verstärkt werden.

Um dieser Manipulation entgegenzuwirken, bedarf es eines vielschichtigen Ansatzes, der individuelle Widerstandsfähigkeit mit kollektivem Handeln verbindet. Der erste Schritt besteht darin, zu erkennen, dass Informationsüberflutung und ständige Widersprüche eine bewusste Strategie sind.

 Befreien Sie sich vom digitalen Kreislauf und vergleichen Sie Informationen mit der realen Welt oder unumstößlichen empirischen Daten. Fragen Sie sich vor dem Teilen von Inhalten: Woher kommt das? Welche Absicht steckt dahinter? Gibt es überprüfbare Beweise? Entwickeln Sie eine gesunde Skepsis.

Auf kollektiver und gesellschaftlicher Ebene müssen wir Bildungsprogramme implementieren, die nicht nur den Umgang mit Fake News lehren, sondern auch das Verständnis psychologischer Manipulation und kognitiver Verzerrungen im digitalen Raum vermitteln.

Eine Gesellschaft mit starken Institutionen ist widerstandsfähiger gegen Vertrauensverlust; daher ist es wichtig, Medien und wissenschaftliche Organisationen zu unterstützen und zu verteidigen, die transparent und methodisch arbeiten.

Der beste Schutz vor einer verlockenden Lüge ist eine ebenso überzeugende Wahrheit. Es gilt, proaktive Narrative zu entwickeln und zu verbreiten, die ein Gefühl der Zugehörigkeit, Sinnhaftigkeit und eine Zukunftsvision vermitteln.

Gaslighting im Cyberspace nutzt unsere Abhängigkeit von digitalen Informationen und unsere kognitiven Schwächen aus. Sich dagegen zu wehren, ist nicht nur eine Frage der Faktenprüfung, sondern auch ein Akt der Selbstbestimmung und Resilienz. Quelle: Victor Calef, Edward M. Weinshel, Some Clinical Consequences of Introjection: Gaslighting. The Psychoanalytic Quarterly, Band 50, 1981.