OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

Die Postmoderne verkürzt mit ihren neuen Technologien die historische Zeit und fragmentiert die sozialen Räume, die nun in Stämme und Gruppen zersplittert sind. Durch die Entthronung der großen Geschichten komprimiert uns die Globo-Kolonisierung auf das Jetzt-Bewusstsein, die Vollkraft des Jetzt. Das Vorher und Nachher spielen keine Rolle mehr.

Nach dem Fall der Berliner Mauer stülpte uns das System Ohrenschützer über, die uns keine andere Wahl ließen, als auf die unendliche Gegenwart zu blicken. Sie hindern uns daran, zurückzublicken wie der Engel von Walter Benjamin und empört die erstaunliche Zahl der Opfer von Unterdrückung und Tyrannei zu betrachten.

Wir sind zum Gedächtnistod, zum Tod der Erinnerung verurteilt. Ohne sie gibt es keine Geschichte, geschweige denn Geschichtsbewusstsein. Und ebensowenig Identität, also auch keine atavistische Verbindung zu Geschlecht, Klasse oder Nation. Die Ohrenschützer hindern uns auch daran, zur Seite zu schauen, um das Anderssein und die Gegenwart des Anderen zu erkennen, ihm die Hand zu reichen und Solidarität zu üben.

Schändliche und dunkle Zeiten! Wir dürfen nur auf die Gegenwart, das Hier und Jetzt blicken, ohne den Horizont der Erwartungen erahnen zu können. Die Utopien haben sich verflüchtigt. Die Zukunft wurde zur Gegenwart im Jetzt-Bewusstsein, ohne Türen oder Fenster, die zur Hoffnung geöffnet sind. Die historische Zeit kehrt zum Zustand der zyklischen Zeit zurück. Wie bei der Uhr: Die Zeiger bewegen sich, die Sekunden, die Minuten und die Stunden folgen aufeinander, aber sie bleiben Gefangene eines hermetischen Kreises. Alle Zeigerstellungen wiederholen sich.

In unseren virtuellen Blasen eingeschlossen, werden wir mit den Gefühlen durchtränkt (denken? Aber nicht doch!), dass Kriege unvermeidlich sind, soziale Ungleichheit eine bloße Entropie des Fortschritts und Elend die bittere Belohnung für diejenigen ist, die es versäumt haben, die vielfältigen Möglichkeiten auszunutzen, die das Leben bietet.

Die Pluralität der Ideen, der Widerspruch, die Meinungsvielfalt sind Irrtümer, die den Fortschritt bremsen. Warum sollte ich mich bemühen, eine eigene Meinung zu haben, wenn es jemanden gibt, der für mich denkt? Zumal dieser Jemand die Macht hat, das Chaos zu ordnen, die Ideen zu standardisieren, Meinungen zu hegemonisieren und alle Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen, die das Unheil der Verwirrung und des kritischen Denkens säen.

Geben Sie es zu: Sie haben keinen freien Willen mehr, obwohl Sie glauben, ihn zu haben, denn Ihre Freiheit unterliegt jetzt der Algorithmisierung. Es sind die Algorithmen, die nach der Erfassung und Systematisierung Ihrer Datenbank im Internet für Sie auswählen, Ihre Präferenzen festlegen und Ihre Optionen festlegen.

Sie können lachen, wenn behauptet wird, dass die Erde flach ist; dass die Menschheit direkt von Adam und Eva abstammt; dass Impfstoffe schädlich sind; dass die Kultur die Brühe ist, in der die Embryonen des Marxismus, des Globalismus und des Umweltschutzes keimen.
Wen interessiert Ihr ironisches Lächeln? Die Wahrheit, als Waise der Zeit, ist jetzt die Tochter der Macht. Der empörte Aufschrei der Wissenschaft über solche Behauptungen wird mit Verachtung aufgenommen. Die Macht hat immer recht. Und ihr einziges Zukunftsprojekt ist, die Gegenwart zu verewigen.

Jetzt ist es verboten zu träumen. Oder besser gesagt, wir können träumen, vorausgesetzt, wir geben den Wunsch auf, dass der Traum wahr wird. Wenn jemand darauf besteht, wird er von vielen umgeben sein, die bereits in den zähen Sumpf des Jetzt-Bewusstseins eingesunken sind. Und die wiederum bestehen immer darauf, dass die Vergangenheit vorbei ist, es nutzlos ist, sie erneut zu betrachten, und die Zukunft nur eine Chimäre ist, denn „es gibt nichts Neues unter der Sonne“, wie der biblische Text sagt, und wird es niemals geben.

Es ist dringend notwendig, dass wir vom Virtuellen zur Wirklichkeit übergehen. Dass wir den Faden ausstrecken, der diese beiden Punkte verbindet, um nicht in den virtuellen Blasen, die uns ins Reich der Dystopie verbannen, bewegungsunfähig zu bleiben. Ohne historisches Bewusstsein kommt unsere Identität der der Monade gleich, und ohne uns als Geschlecht, Klasse und Nation anzunehmen, resümiert sich unsere Existenz zu einem bloßen biologischen Phänomen, ohne die Transzendenz eines Lebens, das im historischen Prozess als biographisches Phänomen in Erscheinung treten kann.