OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Nachdem sie die Geschichte für tot erklärt haben, setzen diese Laboratorien auf eine Matrix und ein Meinungslügengebilde, auf eine paralle und feudale Wirklichkeit, auf ein Nichts Photo: Internet

Die Ära der Postwahrheit, die wir jetzt erleben, scheint den Irrtum des „Endes der Ideologien und der Geschichte“ zu beweisen, der von den neokonservativen Akademikern im vergangenen Jahrhundert vertreten wurde. Einerseits gibt es diese Postwahrheit dank der Ideologie und sie beeinträchtigt an erster Stelle dass Entstehen einer Bedeutung der Geschichte. Wenn es egal wäre, welche Haltung man vor der faktischen Macht einnimmt, gäbe es keine Kommunikationsabteilungen, die bereit sind für den Partisanenkampf in den sozialen Netzen, um uns eine Postwahrheit aufzuzwingen.

The Oxford Dictionary definierte 2016 als das Jahr der Fake News und prägte den Begriff Postwahrheit als ein Wort von Gewicht in der alltäglichen Politik. Und die Wahlen im Vereinigten Königreich, als der Brexit gesiegt hatte, gingen in die Zeiten der Postwahrheit über. Der Bürgermeister von London, Boris Johnson hatte unverblümt gelogen und gab einen Tag nach den Wahlen zu, dass alles ein Bluff gewesen sei und dass die Vorteile eines Austritts weit von dem entfernt seien, was in der Kampagne verkündet worden sei.

Das war vielleicht der erste Staatsstreich in der Geschichte einer der stabilsten und ältesten Demokratien der Welt, denn der Brexit brachte den Rücktritt von David Cameron als Premierminister und eine darauffolgende Krise der Regierbarkeit mit sich. Wie man weiß, interessiert die Eliten nichts, was über den Markt hinausgeht, weswegen auch die Vorstellung einens Nationalstaates nichts weiter als eine ideologische Stütze ist, die sie hervorholen können, wenn sie gebraucht wird. Trotzdem appellierte man in der in der Postwahrheit aufgebauten Kampagne an das britische nationalistische Gefühl, an die Furcht vor Deutschland als aggressive Macht und den Mythos, dass „Europa uns beraubt“, ohne dass es auch nur eine reale Ziffer gegeben hätte, dies zu beweisen.

Die Bedingung sine qua non der Postwahrheit ist die Krise zwischen Publikum, Journalismus und der Zivilgesellschaft.

So dass die Zufügung von noch mehr Schichten von lärmenden Nachrichten in einer immer dezentraleren und horizontalen Kommunikation, die Tendenz zu emotionalen, glaubwürdigen, ideologischen Wahrheiten (von Gruppe, Land, Partei oder Konglomerat von Unternehmen etc.) schafft. Besagte Schichten wären die Lügenkampagnen, die auf billige Weise von den Meinungszentren produziert werden, die Big Data managen, also die Metadaten, um die Emotionen und Wünsche herum, die die Wähler bewegen. Letzteres kauft man von den Korporationen der sozialen Netze und bezahlt dafür viele Millionen.

Diese Ära der Postwahrheit hat die Glaubwürdigkeit bis zu einem Punkt Schachmatt gesetzt, dass als ich mit einigen kanadischen Freunden übr dieses Thema sprach, sie mir sagten, dass der Journalismus sehr nahe an der Fiktion von „The Matrix“ sei, denn in ihren Ländern würden sie sich lieber über ihre Freunde informieren, als die Medien oder die sozialen Netze lesen. In diesem Sinn ist die Geschichte mehr so etwas wie eine Ideologie im Aufbau.

Die Verteidiger des neuen informativen Ökosystems, in dem derjenige, der früher Adressat war jetzt als eine Produktions- und Ausarbeitungsknoten fungiert, halten dagegen, dass die mathematischen Algorithmen unparteiisch seien, einfache Roboter, die dazu tendieren den die Demokratie des Klick zu bevorzugen. Aber diejenigen, die die Programmierung kennen, wissen, dass besagte Handschrift sehr wohl parteiisch ist und dass ihr der auf Bezahlung beruhende Mechanismus der globalen Positionierung innewohnt, dem es egal ist, ob der Inhalt real ist oder nicht.

Facebook und Twitter scheinen Spielzeuge, bei denen alles gratis ist, aber um eine durchschlagende Wirkung in besagten Netzen zu erreichen, muss man bekanntermaßen durch vorherige Zahlung die Resonanzkameras der informativen Luftblasen steuern. Das, was wie reiner Liberalismus aussieht, ist nichts weiter als ein Feudalismus, in dem ein kleines Grüppchen von Herren im Verborgenen alles haben, auch die Information, die wir als Spuren in unseren Profilen hinterlassen und die zur privilegierten Handelsware und zum Material der Postwahrheit wird.

Nun ist es so, dass die Kampagnen der Postwahrheit einen „Rahmen“ brauchen, von dem sie ausgehen, ein Studium der öffentlichen Wahrnehmung des Publikums, ein Entwurf der Ängste und Wünsche, die es bewegen. Man möchte, dass die Wähler sagen „dieser Kandidat sagt genau das, was ich denke“. Die Empathie, die über die Verbinung eines kollektiven Unbewussten verläuft, kostet viel Geld, und man ist bereits dabei einen ganz konkreten Grad an Genauigkeit bezüglich dieses Rahmens zu entwickeln. Die Wahrnehmung, dass es nicht die Wahrheit war, die die britischen Wähler zum Brexit führte. Laut Bürgermeister von London, würde das Vereinige Köigreich von 78 Millionen Türken überrannt, wenn die Fahne des Halbmonds den Sternen der Europäischen Union hinzugefügt würde.

Islamophobie und Angst vor den Deutschen, die von historischen und ideologischen Rahmen ausgehen, die in den Massen noch lebendig sind, waren die Trumpfkarten des Brexit. Aber die realen Zahlen kamen nach dem Brexit, mit der Faktenüberprüfung, einer Methodologie, mit der man, ausgehend von der Wissenschaft, sich vornimmt, der Postwahrheit ein Ende zu setzen, die aber den Nachteil hat, die Gefühle nicht anzusprechen und viel Geld zu kosten. So also hat die Ungewissheit nicht aufgehört sich über London zu verbreiten.

Die Einheit zwischen Ideologie und Informatik ist heute das Tandem jeglicher Postwahrheit; sowohl der Algorithmus der Sozialen Netze wie des Big Data begünstigen die Krise der Medien und der professionellen Kommunikation. Eine unernehmerische und egoistische Sicht der Dinge hat nicht wenige engagierte Journalisten vor die Tür gesetzt.

Vielleicht ist die Ideologie, von der die Neocons sagen, dass sie tot ist, jene, die sie nicht kaufen können, die der Überzeugungen, die der Erpressung entkommt, denn es ist klar ( das wissen sie selbst) dass alle historischen Ideen des konkreten Individuums lebendig sind. Innerhalb dieses Rahmens, den die Kandidaten wie eine Prostituierte behandeln, muss sich der ernsthafte Journalismus auf der Suche nach eine auf Fakten und nicht auf Ängsten oder Wünschen beruhenden Wahrheit bewegen.

Diese Ära der Postwahrheit fügt nicht nur dem Journalismus Verletzungen zu, sondern auch den Bürgern und ihren Rechten und sie versucht, diese bar jeglicher Gesetze zurückzulassen, die die Menschheit sich im Zeitalter der Moderne erobert hat. Der offensichtliche Rückschritt hin zu einem Schema, das dem Roman 1984 von George Orwell ähnelt, vrlangt von uns die Ideologie des „nicht denken“.

Es war derselbe Autor, der eine Berufsmaxime definierte, die in Millionen zwischen einer und der anderen Korpration verkaufter Bits begraben ist: „ Journalismus heißt das zu veröffentlichen, das andere nicht wollen, dass es veröffentlicht wird, alles andere ist Public Relations“. Die Reduzierung der vierten Macht hängt mit dem Monopol der übrigen politischen Mächte zusammen, in einer Gesellschaft, in der dauernd glaubwürdige Halbwahrheiten ganz spezifische Fragestellungen definieren.

Es ist ein Regime, das es niemals zulassen wird, dass seine Bürger das Drehbuch (der Postwahrheit) verlassen, wo es sie einschließt, wie die Leibeigenen im Mittelalter, dass sie nichts über die Türme der Burg hinaus sehen oder übrprüfen können. Es handelt sich letztendlich um eine grausame Diktatur des Bewusstseins, die aus dem Verborgenen heraus handelt, ein kafkaesker Prozess, in dem wir von vorneherein verurteilt sind und kein Recht auf Berufung haben oder darauf, die Gründe zu erfahren.

In den Händen der Korporationen beschäftigt sich der Journalismus damit die Postwahrheit zu veröffentlichen, die andere lesen möchten, den Placebo, der die Bürger schläfrig hält, die tödliche Injektion, die uns langsam aber wirkungsvoll ohne einen historischen Horizont zurücklässt.

Darauf, auf den Tod der Geschichte, setzen diese Laboratorien weiter, auf eine Matrix und ihre Meinungslügengebilde, auf eine parallele und feudale Wirklichkeit, auf ein Nichts.