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Dieser Plan ist Teil einer langen Geschichte von Versuchen, die Technologie für die Propaganda gegen Kuba zu benutzen Photo: Cubadebate

Während die USA einen gewaltigen Skandal über angebliche Einmischung Russlands in den sozialen Netzen zur Beeinflussung der Wahlen von 2016 vom Zaun brechen, wurde inzwischen aufgedeckt, dass die US-Regierung Facebook dazu benutzt, fake news  über Kuba zu verbreiten und heimlich die Dissidenz auf der Insel zu formieren.

Die Wochenzeitung Floridas Miami New Times enthüllte am Mittwoch, dass sie Zugang zu Dokumenten des Büros der Regierung für Sendungen nach Kuba (OCB), das für Radio und TV Martí zuständig ist, erhalten habe, aus denen hervorgeht, dass die Trump Regierung seit zwei Jahren Facebook Konten benutzt, die so aussehen, als gehörten sie Bewohnern der Insel, um Propaganda zu verbreiten, ohne die kubanischen Facebook-Nutzer darüber zu informieren, dass diese von der Regierung der Vereinigten Staaten stammen.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, zu dem die Wochenzeitung Zugang hatte, „hat sich die Strategie des OCB (nach dem Scheitern von Radio und TV Martí) auf eine Offensive über die sozialen Netze konzentriert und ging dabei von Messungen aus, die ergaben, dass YouTube, Google und Facebook zu den meist besuchtesten Websites in Kuba gehören. Unter Nutzung der AVRA Technologie begann man damit, die Programme von Radio Martí zusammen mit denen von TV Martí über Facebook Live zu übertragen. Dies bietet dem OCB sowohl für sein Radio (jetzt visual radio) als auch für die TV Inhalte eine zusätzliche effiziente und kostengünstige Verbreitungsmöglichkeit.

„Im Etat von 2018 hat sich das OCB mit digitalen Geräten auf der Insel etabliert ( d.h. mit von den USA bezahlten Dissidenten), die im Land neue „nicht gekennzeichnete“ Facebook Konten schaffen, um Informationen zu verbreiten. Diese „nativen“ Seiten erhöhen die Möglichkeit in den Nachrichten der kubanischen Facebook Nutzer zu erscheinen. Die gleiche Strategie wird in anderen beliebten sozialen Netzen angewandt.“

Miami New Times versichert, dass die Dokumente nicht das erklären, was die Agenten des Bundes auf ihren „nicht gekennzeichneten“ oder „nativen“ Seiten sagen möchten, aber es ist deutlich, dass sie so aussehen sollen, wie die der normalen Nutzer der sozialen Netze, um die Kubaner dazu zu bringen, die Propaganda von Radio und TV Martí zu lesen.

Wie die Wochenzeitung meldet, haben beide Regierungssender für ihre fruchtlosen Versuche die öffentliche Meinung in Kuba zu beeinflussen über die Jahre verteilt 800 Millionen Dollar der US-Steuerzahlers ausgegeben.

Dieser Plan ist Teil einer langen Geschichte von Versuchen, die Technologie für die Propaganda gegen Kuba zu benutzen, versichert der Professor der Universität von Pennsylvania John S. Nichols.

„Ganz sicher gibt es hier Warnzeichen“, sagte Nichols der Ko-Autor des Buches Clandestine Radio Broadcasting: A Study of Revolutionary and Counterrevolutionary Electronic Communication (1987) ist, das von der Arbeit des OCB handelt. „ Das ist der jüngste Plan einer langen Liste von Bemühungen von Radio und TV Martí und deren Vorgänger, die versuchen wollen, die Gesetze der Physik zu überwinden... Jedes Mal, wenn es ihnen nicht gelingt, dass ihre Botschaften Kuba erreichen, sagen sie, dass es irgendeine technische Lösung geben muss“.

„Dem Kongress“, so fügt er hinzu, „ scheint nicht klar zu sein, dass beide Stationen ein kolossaler Misserfolg sind. Es ist traurig, denn sie vergeuden das Geld der Steuerzahler. Aber das, was sie wirklich mit dieser Art dummen Spielchen vertun, ist die Glaubwürdigkeit eines großen Landes“.

Prominente Personen von beiden Seiten des politischen Spektrums der USA, darunter auch der republikanische Senator von Arizona Jeff Flake, haben diese Programme der OCB als kontraproduktiv und als Geldverschwendung bezeichnet. Die demokratische Abgeordnete Betty Mc Collum war 2015 daran beteiligt,die Plattform AeroMartí zu entfernen ( mit der von einem Flugzeug aus die Sendungen von Radio und TV Martí nach Kuba übertragen wurden) und versicherte, dass das OCB ein „unnötiges“ Büro wäre.

„Radio und TV Martí sind antiquierte Überbleibsel der Kalten Krieges“, sagte Mc Collum 2015 in einem Kommuniqué. „Unsere Steuerzahler sollten keine Propagandasendungen finanzieren“.

Aber die Programme gingen dank einer Handvoll antikubanischer Gesetzgeber weiter, zu denen auch der Vertreter für Miami Mario Diaz-Balart gehört, seit langer Zeit ein eifriger Verfechter von Radio und TV Martí, heißt es in Miami New Times.

Zu Beginn dieses Jahres half Senator Marco Rubio dabei, einen alten Freund, Tomás Regalado, als Programmchef von Radio und TV Martí einzusetzen. Seitdem hat Regalado große Versprechen gemacht, wie beide Sender in den nächsten Jahren mit neuen Plänen „5 Millionen“ kubanische Bürger erreichen würden.

Regalado trat in der letzten Woche bei Mega TV auf, das in spanischer Sprache sendet, um die Nutzung neuer mysteriöser Technologien anzupreisen, die die kubanische Regierung angeblich nicht blockieren könne. Er sagte, dass 200 Kubaner Empfanggeräte erhalten hätten, die bei diesem neuen Versuch hilfreich wären.

„Es ist eine Technologie, die es bisher nicht gab und da die Regierung sie nicht kennt, wird es ihr unmöglich sein, sie zu blockieren“, sagte Regalado vor den Kameras.

Nichols meint dazu in der Wochenzeitschrift Floridas, dass diese Art Propaganda über die sozialen Netze der Stellung der USA in der Welt Schaden zufüge.

„Drittländer sehen, was wir tun und sagen sich: Hier sind die USA wieder dabei diese Dummheiten zu begehen“ und er fügt hinzu: „ Es ist niederträchtig und einer großen Macht nicht würdig. Andere Länder werden sagen: Wenn die USA bereit sind, internationales Recht zu verletzen, warum sollten wir uns an unsere vertraglichen Verpflichtungen halten? Ich glaube , dies wird langfristig eine negative Wirkung haben. Und wenn wir von dem ausgehen, was Radio und TV Martí in diesem Moment machen könnten, wird es sehr schwierig sein, uns über das zu beschweren, was andere Länder gegen uns tun könnten“.

Der Bericht, zu dem Miami New Times Zugang hatte, ist der Antrag zum Etat des OCB für die Haushaltsjahre 2018 und 2019. Er enthüllt nicht die Identitäten der im sozialen Netz geschaffenen falschen „nativen“ und „nicht gekennzeichneten“ Konten, aber die Facebook Verwalter kennen sie sehr wohl. Wie seltsame Zufälle des Lebens es mit sich bringen, fällt die Entscheidung des von Marc Zuckerberg gegründeten Netzes, Hunderte von falschen russischen und iranischen Konten wegen angeblich verschiedener Desinformationskampagnen aus dem Netz zu entfernen, mit diesem Bericht zusammen.

Wird Facebook auch die von der US-Regierung geschaffenen falschen Konten für einen Regimewechsel in Kuba entfernen? Wird die Staatsanwaltschaft der USA Robert Mueller oder jemand anderen damit beauftragen,diesen Missbrauch zu untersuchen, so wie er dies getan hat, um die angebliche Einmischung Russlands in die Wahlen von 2016 herauszufinden?


ZUSAMMENFASSUNG DES SCHEITERNS VON RADIO UND TV MARTÍ

1985: Radio Martí beginnt mit seiner Sendung und fünf Jahre später startet die TV Aggression mit einem Sender an Bord eines Luftschiffs, das in 3000 Meter Höhe über einem der Cayos im Süden Floridas befestigt war.

2005: Hurrikan Dennis machte dem Ballon den Garaus der auf 10.000 Fuß Höhe in Cudjoe Key platziert war und von dem aus TV Martí sendete. Das OCB ersetzte ihn mit der Plattform Aero Martí.

2014: Das OCB schuf einen Messenger Dienst für Texte Piramideo, der scheiterte. Man versuchte daraufhin kleine Apparate für Satelliten auf die Insel zu schmuggeln, aber das Porjekt wurde aufgegeben. Es war zu kostspielig und außerdem benutzten die „Dissidenten“ die Terminals hauptsächlich um Pornographie zu gucken.

2015: «AeroMartí» wird deaktiviert.

2018: Präsident Trump schuf die Internet Task Force für Kuba, die laut State Department „die technologischen Herausforderungen und Chancen zur Erweiterung des Internetzugangs und die unabhängigen Medien in Kuba überprüft“. Es ist offensichtlich, dass diese Task Force die digitale Phantasie des OCB angeregt hat.

Verschiedene Untersuchungen der Rechnungsontrollbehörde der Regierung (GAO) haben ergeben, dass solide Beweise dafür vorlägen, dass man Radio und TV Martí in Kuba weder hört noch sieht. Aber diese Saga hat laut Miami New Times den US-Steuerzahler bereits über 800 Millionen Dollar gekostet. (Aus Desbloqueando Cuba)