Wenn der Tod wie ein Donner grollt, steht Maduro wie eine Festung › Welt › Granma - Offizielles organ des PCC
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Der Regierungschef war bei der Feier anlässlich des 81. Jahrestags der Grümdung der Bolivarischen Nationalgarde (GNB) zugegen Photo: TELESUR

Inmitten einer Feier anlässlich des 81. Jahrestags der Gründung der Bolivarischen Nationalgarde, zu der eine große Menschenmenge auf der Avenida Bolívar in Caracas zusammengekommen war, explodierten zwei mit Sprengstoff beladene Drohnen in der Nähe der Präsidententribüne, als dieser gerade seine Ansprache beenden wollte.

Nach Angaben der Polizei fand man Explosivstoffe in der Nähe des Ortes, wo die Drohnen nach der Explosion niedergingen. Aus „inoffiziellen“ Quellen geht hervor, dass ein oppositioneller Journalist mit Namen Román Camacho berichtete, dass die Drohnen C-4 Sprengstoff enthalten hätten.

Minuten später bekannte sich eine Gruppe, die sich selbst Soldados de Flanelas (Flanellsoldaten) nennt und mit der heute nicht mehr existierenden paramilitärischen Gruppe des ehemaligen CIPC ( Korps für wissenschaftliche, strafrechtliche und kriminalistische Untersuchungen) Oscar Pérez steht, über soziale Netze zu dem Attentat. Sie hatte bereits Ende vergangenen Jahres verschiedene bewaffnete Anschläge auf zivile und militärische Einrichtungen durchgeführt.

Diese Anerkennung hob die Versionen eines „Auto-Attentats“ oder „einer isolierten Explosion“ in einem Gebäude in der Nähe der Avenida Bolívar auf, die man versuchte, in einigen sozialen Netzen und internationalen Medien wie Associated Press zu verbreiten, um die Aufmerksamkeit abzulenken und die Verantwortlichkeiten zu verschleiern.

Die von Pérez angeführte Zelle wurde bei einer heftigen Konfrontation mit den Sicherheitskräften Anfang dieses Jahres zerschlagen. Allerdings zeigt die Rückkehr einer ihrer Überreste auf die Bühne, dass die paramilitärische Karte gegen Venezuela noch nicht vom Tisch ist.

Die ersten Nachforschungen weisen, wie der Staatschef andeutete, auf eine Verbindung zu der Achse Bogotá-Miami hin- auf den scheidenden kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos und auf in Florida beheimatete Akteure.


DIE SYMBOLISCHEN UND MATERIELLEN ASPEKTE: WAHL DES AUGENBLICKS, KÖRPERSPRACHE UND LOGIK DES AUFTRITTS

Der Versuch den Staatschef zu ermorden, zeigte auch eine spezifische Ladung symbolischer Gewalt, die gegen Einrichtungen gerichtet ist, die sensibel für die politische Stabilität des Landes sind und gegen den Staat im allgemeinen. Dass der Vorfall in der Avenida Bolívar stattfand und dass gleichzeitig die Tribüne des Präsidenten dort war, beweist, dass ein spezieller Zeitpunkt ausgewählt wurde, um die Operation durchzuführen.

Man feierte den Jahrestag der Bolivarischen Nationalgarde, eines Militärkorps, das für die innere Ordnung zuständig ist. Den Präsidenten gerade bei dieser Feier und keiner anderen anzugreifen, hat einen symbolischen Bezug, weil damit die Verletzlichkeit des kriegerischen Korps offengelegt ist, das nicht in der Lage ist zu reagieren.

Aber das Attentat scheiterte und infolgedessen auch das, was man entfesselt hätte, wenn man das Ziel erreicht hätte, dem Leben des Präsidenten Schaden zuzufügen: Die Akkumulierung einer „kritischen Masse“ via Propaganda, um das Chaos zu fördern, die Situation zu nutzen, um eine allgemeine Rhetorik des Aufstands, wie er von externen Mächten propgagiert wird, zu schaffen und „das Vakuum in der Führung“ durch eine externe Macht zu lösen, als einziger Mechanismus, um das Land zu „stabilisieren“ und die Präsidentenschleife den vielen Präsidenten Venezuelas anzuheften, die nur darauf warten zu regieren.

Was auf einem Radio und Fernsehkanal gesendet wurde, beschreibt die Absicht dem Vorfall eine gewisse Showlogik zu geben, um in der kollektiven Vorstellung einen für die zeitgenössische Geschichte des Landes tödlichen Vorfall zu verewigen. Sie wollten ihn nicht einfach nur töten sondern sie wollten, dass es spektakuär würde und über alle Kanäle des Landes verbreitet würde.

In der Politik wird durch die Körpersprache manchmal mehr ausgedrückt als in Reden. Was das angeht, tritt Maduro gerade durch sein Verhalten in einer definitiv extremen Situation in die Geschichte ein: Im Augenblick der Explosion sah man ihn unverändert, ruhig und sogar bereit, im Angesicht des Todes mit seiner Rede fortzufahren.

Wenn dieser Moment als Präzendenzfall dient ,um deutlich zu machen, wie weit diejenigen zu gehen bereit sind, die gegen Venezuela Krieg führen, so ist er auch nützlich, um die Entschlossenheit und Festigkeit Maduros zu sehen, wenn der Tod wie ein Donner grollt.


PARAMILITARISIERUNG DER POLITIK, TECHNIFIZIERUNG DER GEWALT UND QUALITATIVE SPRÜNGE SEIT DER OPERATION JERICHO

Mit der Operation Jericho (dem gescheiterten Staatsstreich) wurde mit größerer Schärfe eine Art politischer Gewalt in die venezolanische Politik eingeführt, bei der der bewaffnete Faktor eine zentrale Rolle spielt. Es war nach dieser Operation, als die vom Ausland geförderte interne Konspiration in der militärischen Welt, mit dem wirresten Spektrum der venezolanischen Opposition und den Geldlieferungen für antipolitische Agenden aus den USA und aus Kolumbien, begonnen hat, Gemeinsamkeiten zu finden. Dabei treten Julio Borges und Antonio Ledesma als Akteure des schmutzigen Krieges hervor.

Von dem Plan an, den Präsidentenpalast Miraflores zu bombardieren und Präsident Maduro zu ermorden bis heute kann man eine operative Mutation beobachten, eine Ausweitung der Kapazitäten und eine Professionalisierung bei den Methoden, die ihre Präsenz im politischen Leben des Landes verstärken.

Beweis dafür ist nicht nur der Grad Vorbereitung der Betreiber des urbanen Kriegs der Guarimba von 2014 bis 2017 sondern auch das Entstehen einer kreolischen Version des Islamischen Staates wie im Fall von Óscar Pérez und seiner Zelle, mit einem ausgefeilten und selektiven Gespür für irreguläre Gewalt. Ihre Angriffe auf zivile und militärische Einrichtungen haben das deutlich gemacht.

Ein Bericht der auf Finanzen spezialisierten Einrichtung Bloomberg, der im Juni veröffentlich wurde, bestätigt das, was wir von der Operation Jericho wissen: Kolumbien war die Basis für die Operation, für die Finanzierung und die Koordinierung der Putschpläne gegen Venezuela.

Dieses Mal nannte sie sich „Operation Konstitution“ und sie wurde mit finanzieller und militärischer Unterstützung Kolumbiens durchgeführt. Das Ziel war, Maduro zu entführen und ihn vor Gericht zu stellen auch wenn nicht gesagt wird vor welche Instanz. Aber man kann davon ausgehen, dass dies der „Oberste Gerichtshof im Exil“ sein wird, den der kolumbianische Kongress als Sitzungssaal benutzt und speziell um „Maduro zu verurteilen“.

Die folgende Sequenz spricht für sich selbst: Julio Borges, der sich selbst ins Exil begeben hatte, sich monatelang in Schweigen hüllte und von dem wir wissen, dass er vor nichts zurückschreckt, wenn es um Staatsstreiche geht, feierte jetzt seine Wiederauferstehung in den sozialen Netzen, um vorherzusagen, dass der Sturz von Maduro unmittelbar bevorstehe. Darin war er sich einig mit Präsident Juan Manuel Santos, der auch auf das nahe Ende Maduros hinwies.

Der von Präsident Maduro und seinem Regierungsteam entworfene Plan zur Wiedererholung der Wirtschaft ist als eine Gesamtstrategie präsentiert worden, um die sensiblen Stellen des Wirtschaftskrieges anzugreifen und dem Land die Stabilität zurückzubringen.

Der Plan beinhaltet eine Neuordnung der Geld-und Wechselkurspolitik, eine Neu-Organisation der Benzinsubventionierung und des Devisenmarktes um den Indikatoren des Paralleldollars bei der Bildung des Preissystems den Einfluss zu entziehen.

Wichtige Regionen im Osten Kolumbiens, seine mit dem Drogenhandel und dem Paramilitarismus verbundenen politischen Eliten, sein wirtschaftliches und unternehmerisches Geflecht eingeschlossen, sind von der Plünderung des venezolanischen Erdöls abhängig, um eine künstliche wirtschaftliche Souveränität aufrechtzuerhalten, die es so nicht gibt.

Das Bild des Attentats war stark und verkörpert eine neues Szenario der Verschärfung, das nach dem 20 Mai begonnen wurde und womit der Lage in Venezuela ein Stempel der totalen Unsicherheit aufgedrückt werden soll, wo das gesamte Leben der Gesellschaft in Gefahr ist.

Und wenn mit dem Erholungsplan der Wirtschaft dieser Prozess gestoppt werden soll, so muss man ihn unterhöhlen. Und wenn dies mit den Sanktionen und dem Internationalen Druck nicht gelingt, wenn wir die Bevölkerung nicht gegen die Regierung aufbringen können, dann muss man eben den Führer umbringen. Diese Argumentation hat auch schon zur Ermordung von Patrice Lumumba, Omar Torrijos und vielen anderen geführt. Wenn ich dich nicht kontrollieren kann, töte ich dich.

Und der Begriff des Tötens impliziert unter anderem, die Gesellschaft für immer zu zerbrechen. Sie haben es versucht und es wieder nicht geschafft,

(Aus Misión Verdad