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Präsident Evo Morales führte den Marsch zum internationalen Tag der Arbeit in Oruro an Photo: ABI

Die Aktivitäten zum 1. Mai auf internationaler Ebene werden zu einem Referendum, in dem die Arbeiter auf den Straßen die Unterstützung oder die Ablehnung der Politik ihrer jeweiligen Regierungen zum Ausdruck bringen.

Während das Datum in einigen Ländern wie ein Fest begangen wird, verwandeln sich in anderen die Demonstrationszüge in regelrechte Schlachtfelder.

In Brasilien stand der Gedenktag ganz im Zeichen der Forderung nach Freilassung des Expräsidenten Luis Inácio Lula da Silva, seit dem 7. April politischer Gefangener, der in Curitiba inhaftiert ist.

Zum ersten Mal seit der Wiederdemokratisierung des Landes beschlossen die sieben führenden brasilianischen Gewerkschaftsverbände eine konzertierte Protestaktion in der Hauptstadt von Paraná, wo die Verbüßung einer Haftstrafe von 12 Jahren und einem Monat für den Gründer der Arbeiterpartei PT, der ohne Beweise verurteilt wurde, ihren Anfang genommen hat.

Ins benachbarte Argentinien reiste die der PT angehörende frühere Amtsinhaberin Dilma Rousseff als Teil der internationalen Kampagne zur Befreiung Lulas.

Anders als in anderen Jahren führten die Argentinier diesmal keine großen Akte zum Tag der Arbeiterklasse durch. Stattdessen veranstalteten die sozialen Gremien und Organisationen verschiedene Märsche und Versammlungen im ganzen Land, um die neoliberale Politik der Regierung Mauricio Macris und den Abbau der Arbeitsrechte anzuprangern.

In Spanien gingen Tausende von Menschen auf die Straße, um höhere Löhne, anständige Pensionen und die Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu fordern Photo: El País

Der Internationale Tag der Arbeiter traf in Peru auf eine Gewerkschaftsbewegung, die sich in Vorbereitung auf einen nationalen Streik befindet, auf dem die restlose Wiederherstellung ihrer Rechte eingefordert werden soll, die von der neoliberalen Regierung beschnitten wurden.

Unterdessen gingen in spanischen Städten tausende Personen auf die Straße, um ihren Anspruch auf höhere Löhne, menschenwürdige Renten und die Forderung nach Gleichberechtigung der Geschlechter zum Ausdruck zu bringen.

Aufgerufen von den beiden hauptsächlichen Gewerkschaften Spaniens CCOO und UGT, spielte auf den Protestmärschen in Fahnen, Tüchern und Postern die Farbe Lila eine große Rolle in Unterstützung der Frauenbewegung, die in den letzten Tagen gegen ein Gerichtsurteil Sturm läuft, das den Angriff von fünf Männern auf eine Jugendliche beim Volksfest von San Fermín 2016 nicht als Vergewaltigung sondern als sexuellen Missbrauch bewertete.

In Italien drängen die wichtigen Gewerkschaften auf eine Regierungsbildung, die aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Parteien nach der Wahl vom 4. März immer noch nicht zustande gekommen ist, und sprachen sich gegen Neuwahlen aus, die von einigen gefordert wurden.

Die Sekretärin des größten gewerkschaftlichen Dachverbandes Italiens Susanna Camusso sagte schneidend: „Das Land verdient keine neuen Wahlen im Herbst“.

Die Nachrichtenagentur EFE informiert, dass die Begehung des Tages in Frankreich von Uneinigkeit der Gewerkschaften gekennzeichnet gewesen sei, die es nicht vermocht hätten, ihre Kräfte in einem Moment starker sozialer Reaktion auf die Politik des Präsidenten Emmanuel Macron zu vereinen.

In der Türkei nahm die Polizei am Internationalen Tag der Arbeit während Demonstrationen in Istanbul mindestens 77 Personen in Haft, wie lokale Medien berichten.

Die Mehrheit der Verhaftungen fand in Stadtvierteln des Zentrums statt, als die Demonstranten versuchten, sich Zugang zum Taksimplatz zu verschaffen, der in der Türkei Symbolbedeutung hat. Dort eröffneten 1977 Ultranationalisten das Feuer auf Gruppen der Linken und töteten dabei 37 Menschen.

GRÜNDE FÜRS FEIERN

Die Venezolaner feierten am gestrigen Dienstag den Tag der Arbeiter als Beweis der Unterstützung der bolivarischen Regierung – weniger als drei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen.

Präsident Nicolás Maduro kündigte eine Anhebung des Mindestlohns an, um die Inflation zu kompensieren und die Arbeiter vor dem Wirtschaftskrieg zu schützen, den die Rechte Venezuela mit internationaler Hilfe auferlegt.

Die Arbeiterzentrale Boliviens (COB) lud den Präsidenten Evo Morales ein, den Marsch zum 1. Mai in der Stadt Oruro anzuführen, Hauptort des Departments gleichen Namens.

Bei der Agentur Prensa Latina heißt es, die Anwesenheit des Staatschefs in der Kapitale der Folklore, wie diese historische Stadt auch genannt wird, zeige den Willen der Regierung, die Einheit aller Arbeiter innerhalb des demokratischen Prozesses, der im Lande herrsche, zu erreichen.

Morales würdigte die Anstrengung und den Kampf der Männer und Frauen, die die Entwicklung Boliviens unterstützen, und bestätigte seine Politik der Verteilung des Reichtums, um das Wachstum aufrechtzuerhalten.

„Am Internationalen Tag des Arbeiters grüßen wir all unsere Arbeiterbrüder, die jeden Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ihre Bemühungen zu den großen Erfolgen beitragen, von denen unser geliebtes Bolivien profitiert“, schrieb der Amtsinhaber in seinem offiziellen Twitter-Account.

Die Nicaraguaner feierten auf eine massive Mobilisierung hin den Tag der Arbeit. Tausende von Menschen aus dem ganzen Land versammelten sich auf der Plaza de las Victorias, um zusammen mit dem Comandante Daniel Ortega und der Compañera Rosario Murillo den 1. Mai zu begehen, gleichzeitig den 6. Jahrestag des Todes von Tomás Borge Martínez und in Unterstützung des Dialogs und des Friedens in Nicaragua, das seit kurzem von einer Welle der Gewalt betroffen ist.

Während seiner Rede auf der Veranstaltung erinnerte Ortega daran, dass der Frieden Nicaraguas inmitten immenser Schmerzen errichtet wurde. 50.000 Tote habe das Land in einem Krieg zu beklagen gehabt, der von den „ewigen Interventionisten“ aufgezwungen worden sei und dem Volk Leid und Blut gebracht habe.

Auf der anderen Seite der Erde nahmen zirka drei Millionen Russen an dem Gedenken teil, das dort als Tag des Frühlings und der Arbeit gefeiert begangen wird.

China kündigte während der Feiern die Umsetzung von Maßnahmen an, die der Bevölkerung in verschiedenen Bereichen des sozioökonomischen Lebens zugutekommen würden.

Papst Franziskus empfing am Dienstag das Personal des Avvenire, der Zeitung der Bischofskonferenz Italiens, zu dem er sagte: „Nicht Geld noch Macht gibt dem Menschen Würde sondern die Arbeit.“