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Die Bedingungen einiger Wohnviertel von Lateinamerika, wie der Elendsgebiete in Argentinien, stehen im Kontrast zum Überfluss der benachbarten Gebiete. Photo: TELESUR

Vier von zehn Haushalten in Lateinamerika und der Karibik sind wirtschaftlich verwundbar und 30,7 % der Einwohner der Region lebt unter Bedingungen des Elends, wird von internationalen Organismen eingeschätzt.

In den letzten Jahren gab es „wesentliche Fortschritte“, aber die Häufigkeit der natürlichen und jener vom Menschen geschaffenen Probleme „drohen, Millionen Menschen wieder in Armut abgleiten zu lassen, wenn die Anstrengungen zur Abschwächung und Konfrontation dieser Risiken nicht beschleunigt werden“, geht aus einem Bericht der Weltbank hervor.

Nach Einschätzung des Organismus stellen die Naturkatastrophen, das Verbrechen, die Gewalt und die Epidemien eine beträchtliche Herausforderung für die verletzliche Bevölkerung dar, insbesondere im gegenwärtigen Kontext des geringen Wirtschaftswachstums und der gewachsenen öffentlichen Defizite.

Trotz der großen Fortschritte hinsichtlich des Wohlstands während der letzten Jahre „befinden sich viele Menschen in Lateinamerika und der Karibik kurz davor, bei der nächsten Katastrophe wieder in Armut zurückzufallen“, sagte der Vizepräsident der Weltbank für die Region, Jorge Familiar.

Nach Meinung des Experten „müssen sich die Länder besser vorbereiten und ihre Widerstandsfähigkeit gegen Katastrophen stärken, damit sie nicht von einem Tag auf den anderen wieder alles verlieren, was sie über Jahre hinweg aufgebaut haben.“

Berechnungen der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) wiesen auf, dass im Jahre 2016 die Armut 30,7 % der Bevölkerung erfasst hatte und dieser Prozentsatz auch 2017 beibehalten würde.

Der vor wenigen Tagen veröffentlichte Bericht der Cepal bestätigte, dass die Armut und deren extremer Ausdruck in den Jahren 2015 und 2016 anwuchs, nachdem in der Mehrzahl der Länder der Region im davorliegenden Jahrzehnt eine Reduzierung derselben erreicht worden war.

Wie aus dem Dokument hervorgeht, befand sich 28,5 % der Bevölkerung im Jahre 2014 im Zustand der Armut (168 Millionen Menschen); diese Proportion stieg 2015 auf 29,8 % an (178 Millionen) und auf 30,7% im Jahr 2016 (186 Millionen).

Währenddessen steigerte sich die extreme Armut von 8,2 % im Jahre 2014 (48 Millionen Einwohner) auf 10 % im Jahre 2016 (61 Millionen).

Mittelfristig betrachtet sei es jedoch ein positives Ergebnis, denn im Zeitraum 2002-2016 wurde die Armut um 15,2 Prozent eingedämmt, geht aus dem Bericht Soziales Panorama Lateinamerikas 2017 hervor, der von der Exekutivsekretärin der Cepal Alicia Bárcena vorgestellt wurde.

Während dieser Zeitspanne ging auch die Einkommensschere zurück: der Gini Koeffizient (der die Differenz zwischen jenen, die über die meisten und jenen, die über die wenigsten Mittel verfügen, ausweist, wobei die maximale Ungleichheit Eins bedeutet und Null die minimale) ging von 0,538 im Jahre 2002 auf 0,467 im Jahre 2016 über.

Für Bárcena «zeigt uns die kürzliche Erfahrung, dass die Steigerung der Einkommen in den Haushalten mit geringeren Mitteln notwendig war, um sowohl die Armut als auch die Ungleichheit der Einkommen zu reduzieren.»

Zu diesem Wachstum, schätzte sie ein, trugen die Politik der Verteilung und Umverteilung der Länder bei, wie Steuerreformen, Mindestlöhne, Renten und Übertragungen in Verbindung mit den Strategien, die Armut zu reduzieren und die Systeme der sozialen Sicherheit auszudehnen.

Der Aufruf, führte sie aus, laute «die auf Arbeit und sozialen Schutz gerichteten Maßnahmen zu stärken, insbesondere in Zeiten geringen Wirtschaftswachstums, und die Agenda 2030 für die Nachhaltige Entwicklung ausgehend von einem fortschreitenden Strukturwandel umzusetzen.»

Nach den Angaben der Cepal sind die gleichen Sektoren auch weiterhin die am meisten geschädigten: 2016 zum Beispiel waren 46,7 % der Kinder und Jugendlichen zwischen Null und 14 Jahren von Armut betroffen und 17 % von extremer Armut.

In fast allen Gebieten haben die Frauen im Rentenalter eine geringere Absicherung in den Rentensystemen, in zehn der 17 analysierten Länder erhalten sie über 20 Prozent weniger Zuwendungen, in einigen Fällen sogar 40 Prozent weniger.

Die Weltbank versicherte, dass «praktisch vier von zehn Haushalten als wirtschaftlich verwundbar gelten und in Gefahr sind, wieder in Armut abzugleiten.» (PL)