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Junge Politiker und Akademiker aus China und Lateinamerika und der Karibik sprachen über Mechanismen zur Stärkung der bilateralen Beziehungen. Photo: Peraza Forte, Iramsy

PEKING.— Wie man eine größere Übereinstimmung zwischen zwei Regionen erreicht, die bereits substantielle Beziehungen auf Wirtschafts- und Regierungsebene unterhalten, die aber ein höheres Maß an gegenseitigem Verständnis erreichen möchten, war das Hauptthema zwischen Akademikern und Politikern aus China und Lateinamerika und der Karibik.

Beim IV. chinesisch-lateinamerikanischen und karibischen Forum von jungen Politikern und Intellektuellen, das zwei Tage lang in Peking stattfindet, können Vertreter beider Seiten „in aller Offenheit“ über die Möglichkeiten zur Verbesserung der Verständigung sprechen und tragfähige Mechanismen schaffen, um eine „in vollem Aufstieg“ befindliche Beziehung zu stärken sprechen.

Bei der Veranstaltung, die vom Jugendverband Chinas organisiert wurde und die Teil der Aktivitäten der III. Auflage des Programms „Brücke zur Zukunft“ darstellt, das während des Forums China-Celac 2014 entworfen wurde, sprach man über die Notwendigkeit, den Kontakt von Volk zu Volk noch weiter zu intensivieren, um eine wirkliche Annäherung zu erreichen.

„Um mit China zu verhandeln und zu arbeiten, müssen wir als eine vereinte Nation auftreten“, sagte César Dávila, Vizepräsident der Organisation lateinamerikanischer Studenten an der Universität Tsinghua.

Für Dávila, der aus Peru stammt und in Peking Mandarin studiert, ist es notwendig, dass die Chinesen unsere Kultur verstehen, verstehen wer wir sind und umgekehrt. „Das erste, was man tun muss, ist, alle Vorurteile und Barrieren über Bord zu werfen“, sagte er.

„Der asiatische Riese verfügt über einen Plan zur Ausdehnung der Verbindungen mit dem Kontinent, der sehr spezifisch und langfristig angelegt ist, aber einige Länder Lateinamerikas haben keine klar definierte Politik gegenüber diesem Land“, betonte der Wissenschaftler an der chinesichen Akeademie für Sozialwissenschaften Zhou Zhiwei. „Viele der hier entwickelten wichtigen Initiativen zur Entwicklung der Verbindungen treffen auf der anderen Seite der Welt nicht auf die entsprechende Antwort“, fügte er hinzu.

Darauf eingehend rief Andrés Mendes, Professor für Internationale Beziehungen aus Brasilien dazu auf, an Theorien zu arbeiten, „in denen unsere Ziele zum Ausdruck kommen und die unseren Bedürfnissen entsprechen. Unsere Aufgabe ist es, den theoretischen Rahmen für Beziehungen zu erarbeiten, der nicht der sein soll, der bereits von den Vereinigten Staaten und Europa aufgestellt wurde.“

Der Argentinier Diego Mazzoccone, Direktor des Lateinamerikanischen Zentrums für Politische und Wirtschaftliche Studien Chinas (CLEPEC) vertritt die Auffassung, dass genau dies die Aufgabe dieses Treffens sei. „Dieses Forum wurde 2013 mit dem Ziel geschaffen, Beamte und Intellektuelle mit Wissen über die zweitgrößte Weltmacht auszustatten.

Wir wissen, dass der politische Kontext unserer Herkunftsländer sich vom dem chinesischen stark unterscheidet, aber das Wichtigste ist, dass der eine von dem anderen lernen kann, sagte Mazzoccone gegenüber Granma und er fügte hinzu, dass auf diese Weise „Ideen entstehen können, Fälle erfolgreichen Austauschs und vor allem Vertrauen und neue Freundschaften, die zu stabilen politischen, diplomatischen, kommerziellen und kulturellen Beziehungen führen.“

Der Sonderbeauftragte der Regierung für lateinamerikanische Angelegenheiten Yin Hengmin versicherte, dass sein Land aktiv der Forderung des Präsidenten Xi Jinping nachkomme „integrale Organisationen mit der Region zum gegenseitigen und gemeinsamen Nutzen aufzubauen.

In den letzten Jahren haben wir eine neues Modell für die chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen auf der Basis der integralen Zusammenarbeit, dem Vertrauen auf politischem Gebiet und dem gegenseitigen Nutzen im wirtschaftlichen Bereich gefördert, aber es ist noch eine gute Strecke Wegs zurückzulegen, wenn wir unsere Gemeinsamkeiten und Beziehungen vergrößern wollen“, sagte Yin.

Der kubanische Journalist Javier Ortiz äußerte Granma gegenüber: „ Handel und wirtschaftliche Investitionen reichen nicht aus, man benötigt ein gegenseitiges Verständnis, das teilweise durch wissenschaftliche Forschung und Austausch von Fachleuten der Sozialwissenschaften erreicht werden kann. Andernfalls besteht das Risiko eines nur oberflächlichen Verständnisses unserer jeweiligen Realitäten.

Dieser Dialog dient dazu, bestimmte Unklarheiten zu verstehen, die auch seitens der Intellektuellen bezüglich der chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen bestehen.“

KONKRETE VORSCHLÄGE

Die in der chinesischen Hauptstadt zusammengekommenen jungen Politiker und Akademiker waren übereinstimmend der Meinung, dass das Erlernen der Sprachen sowohl des Spanischen als auch des Mandarin, unabdingbar ist, wenn man engere Beziehungen möchte. So werde nicht nur eine linguistische sondern auch eine kulturelle Barriere überwunden.

Man stellte außerdem fest, dass die intelligente Nutzung der neuen Technologien, ein Feld, zu dem die Chinesen viel beizutragen haben, zusätzlich die Herausbildung einer „Schicksalsgemeinschaft zu gemeinsamem Nutzen“ beleben könnte.

China ist ein einziges Land und Lateinamerika und die Karibik, wir bestehen aus 30 Ländern mit komplexen und unterschiedlichen Bedingungen. Die Wirklichkeiten der Region sind sehr dynamisch und ändern sich oft und dies durchkreuzt eine mittel- und langfristige Beziehung mit der chinesischen Seite. „Das ist die große Herausforderung, die vor uns liegt und die ist nicht einfach“ , sagte Mazzoccone.

„Vielleicht sollte man eine ständige lateinamerikanische Kommission bilden, um langfristige Strategien zu entwickeln und vor allem ein Budget bereitstellen und vorausschauend auf die Anregungen zu reagieren, die von dieser Seite der Welt gemacht werden“, fuhr er fort.

Javier Ortiz strebt für die lateinamerikanischen Universitäten, insbesondere die kubanischen, eine größere Präsenz von Studien über diese tausendjährige Nation an. „Man muss China verstehen, wissen, was sein wirkliches Interesse an uns ist und wie es dies handhabt, denn einige politische Strömungen glauben oder hoffen, dass China eine ähnliche Haltung einnehmen könnte, wie die Sowjetunion im Kalten Krieg und das ist eine falsche Auffassung, die mit tieferem Studium und akademischer Strenge korrigiert werden kann und zu einem größeren Verständnis dessen führen kann, was die Gegenwart und die Zukunft der chinesisch-lateinamerikanischen Beziehungen ausmacht.