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Die Puertoricaner sind für den 11. Juni zu einem nicht verbindlichen Referendum über ihre Beziehung zu den USA aufgerufen. Photo: AFP

SAN JUAN – «Diese Schulden sind illegal!», «Kolonialdiktatur!», so rufen die Studenten der Universität von Puerto Rico auf der palmenbestandenen Allee, die sie am Mittwoch blockiert hielten. Unter ihnen wächst die Empörung darüber, dass die Insel bankrott ist und den Vorschriften aus Washington unterliegt.

«Sie kommen und kürzen das öffentliche Budget, um es den Reichen zu geben», protestiert Mariana del Alba und bezieht sich auf die Schuldensupervisoren, die aus der Hauptstadt der USA geschickt wurden.

«Alles, um Schulden zu begleichen, von denen wir nicht einmal wissen, ob sie legal oder illegal sind», fügt sie hinzu.

Die 27jährige Studentin der Rechtwissenschaften weist auf das Gebäude, wo der aus Washington geschickte Ausschuss zusammentritt, um die Wiederherstellung der Finanzen von Puerto Rico zu kontrollieren, des mit den USA assoziierten Staates, der unter einer Schuldenlast von über 70 Milliarden Dollar leidet.

Der sogenannte Rat der Steuerkontrolle wird von vielen Puertoricanern, die mit Stolz ihre kulturelle Identität verteidigen,als eine koloniale Bürde empfunden.

So, wie in Griechenland die Ankunft der «Troika» von einem Großteil der Bevölkerung zurückgewiesen wurde, wussten auch die Puertoricaner lange Zeit nichts über die unkontrollierten Darlehen und die Anklagen wegen Korruption. Bis alles explodierte.

Aber im Unterschied zu dem mediterranen Land ist Puerto Rico nicht unabhängig. Die 3,5 Millionen Einwohner zählende Insel und ehemalige spanische Kolonie, die von den USA zu Ende des 19. Jahrhunderts vereinnahmt wurde, hat seit den 1950er Jahren ihre eigene Regierung unter dem Status eines mit den USA assoziierten Staates.

Nun sind ihre Einwohner für den 11. Juni zu einem nicht verbindlichen Referendum aufgerufen, um sich bezüglich ihrer Beziehung zu den USA zu äußern.

Unfähig, seine Schulden zu begleichen, erklärte sich Puerto Rico Anfang Mai für bankrott. Im Moment beeinträchtigt der Bankrott die USA nicht, aber auf der Insel ist die Krise immer stärker zu spüren.

In der Universität von Puerto Rico, die seit Ende Mai aufgrund von Studentenprotesten geschlossen ist, blockieren verkettete Tische und Stühle den Eintritt. «Sie sollen keine blinden Kürzungen mehr anordnen», fordert Mariana del Alba.

Die beiden Parteien, die sich seit den 1950er Jahren an der Macht abgelöst haben (die Partido Nuevo Progresista des Regierungschefs Ricardo Rosselló und die oppositionelle Partido Popular Democrático) schieben sich gegenseitig die Schuld am finanziellen Zusammenbruch zu.

Die Analysten weisen darauf hin, dass es unter der Präsidentschaft von Donald Trump noch schwieriger sein werde, die Wirtschaft der Insel zu beleben, da dieser für Kürzungen der Nahrungsbeihilfe und Gesundheitsprogramme für die Ärmsten eintritt.