OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
die sozialen Bewegungen lieferten Antworten auf die Übel, die die Völker Lateinamerikas so lange Zeit durchlitten hatten. Photo: Prensa Latina

Der post-neoliberale Zyklus, der unser XXI. Jahrhundert mit seinen spezifischen national-volksgemäßen und progessiven Ausdrucksweisen einleitete, wären nicht denkbar ohne die aktive Präsenz eines breiten und kraftvollen Spektrums von sozialen Bewegungen, die in der Lage waren Widerstand zu leisten, zunächst gegen die Militärdiktaturen der 80er und später gegen die neoliberalen Technokraten der 90 er – den großen Verehrern der hegemonischen Globalisierung- die den Platz eingenommen hatten, den die Militärbefehlshaber freimachten, nur um genau dieselben Ziele mit anderen Mitteln zu erreichen.

Es war die Zeit der Demokratie niedriger Intensität, wie sie der argentinische Intellektuelle Guillermo O’Donnell bezeichnete.

Mit bitterer Ironie beobachtete der Mexikaner Carlos Monsiváis, den Neoliberalismus der Jahrhundertwende zum freien Markt hin „ dem Totem, das die kapitalistische Ewigkeit in der unvermeidlichen Raubtierversion beherrscht“ und fügte hinzu: „Der freie Markt strebt den Rang der religiösen Verehrung genau an der Stelle an, an der sich einst die Revolution befand, und die zum Finanzcredo Bekehrten praktizieren den Hass auf jede abweichende Meinung, wie er zuvor nur mit dem Stalinismus in Verbindung gebracht worden war. Die Wut wird heilig, wenn sie von den Siegern ausgeht.“

In der Tat entfesselten die Sieger eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Offensive, die breiten Bereichen der lateinamerikanischen Gesellschaft Verzweiflung einimpfte, die Niederlage der Revolution ausrief, Alternativen verbot und eine ewig währende Gegenwart des Konsums und der Massenkultur als Trost für die zerstörten Utopien anbot. Es war ein Krieg der verbrannten Erde auf dem Feld der Ideologie und der Schlacht der Ideen.

Welche Art von Zukunft konnten unsere Völker unter diesen Bedingungen erwarten? Die sozialen Bewegungen lieferten eine Antwort: Man musste das von der Gewalt der Bajonette und des Verschwindenlassens zerrissene Geflecht wieder aufbauen und auf die von der kollektiven Aktion ausgehende authentische demokratische Intensität hinarbeiten. Angesichts des Diktums vom Ende der Geschichte, mit dem Fukuyama den Sieg des Kapitalismus und die Auferlegung der Demokratie des Marktes als einziges Modell begrüßte, begann man in Lateinamerika damit, eine Gegengeschichte zu schreiben.

Seit Ende der 80er Jahre bis zur zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des XXI. Jahrhunderts schufen die volks- und indigenen Erhebungen, die sich in Venezuela, Ecuador, Bolivien, Argentinien und Brasilien ereigneten, die Bedingungen, die es ermöglichten, dass eine politische Führung an die Macht gelangte, die die neoliberale Hegemonie in einer Region aufbrach, die bis dahin unrettbar dazu verdammt war unter der Ägide des US-Imperialismus und des Raubierkapitalismus zu verharren.

Jetzt, zu einer Zeit, in der die Wahlniederlagen einiger dieser Regierungen eine Ungewissheit was die Zukunft des nationalen und progressiven Zyklus angeht, aufkommen lassen, vermitteln uns die die massiven Demonstrationen in Ablehnung der Angleichungspolitik der Präsidenten Mauricio Ma cri und Michel Temer, die in diesen Tagen Argentinien und Brasilien erschüttern, eine hoffnungsvolle Botschaft.

Einmal mehr, wie schon so oft in unserer Geschichte, sind es die politischen und sozialen Organisationen, die Arbeiter und Studenten, die entrüsteten Bürger, die Kämpfer und Kämpferinnen Unseres Amerika, die uns mit der vergrabenen Energie derer von unten zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, sich der neoliberalen Restauration entgegenzustellen, weil noch genügend soziale Kraft vorhanden ist, um sich aufzulehnen und auf dem politischen Feld mit einigen Rechten in Disput zu treten, die keinen anderen Plan haben als die Zerstörung dessen, was in diesen Jahren an Fortschritten erreicht wurde.

(PL)

* Analyst und Dozent der Universität von Costa Rica