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Lenín Moreno und Jorge Glas feiern den Wahlsieg in Ecuador. Photo: El Telégrafo

Aufgrund des von der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen im Februar eröffneten Weges waren die Ecuadorianer an diesem Sonntag aufgerufen, zu den Wahlurnen zu kommen, um in einer zweiten Runde zwischen zwei entgegengesetzten Optionen zu entscheiden: der Zukunft oder der Vergangenheit.

Auf der einen Seite repräsentierte der Kandidat der Alianza País, Lenín Moreno, die Kontinuität der Bürgerrevolution, die Millionen von Menschen in den letzten Jahrzehnten von der Armut befreit und die Ressourcen des Staates dem Wohlergehen der Bürger zur Verfügung gestellt hatte. Auf der anderen Seite verkörperte der Multimillionär und Bankier Guillermo Lasso von der rechstgerichteten Alianz Creando Oportunidades (CREO), die Rückkehr zum Neoliberalismus, der Ecuador zu Ende des vergangenen Jahrhunderts an den Rand des finanziellen Bankrotts gebracht hatte.

Diese Gegenüberstellung saturierte das politische Ambiente von Ecuador während der letzten Monate, während die Rechte eine Simulierungskampagne entwickelte, um sich als Option des „Wandels“ zu verkaufen.

Aber die Ergebnisse dieses Sonntags beweisen, dass die Mehrzahl der Ecuadorianer sich nicht Vernebelungen hinters Licht führen ließ, sondern die objektiven Veränderungen wertschätzte, die das Land im letzten Jahrzehnt der Regierung des Präsidenten Rafael Correa erlebt hat.

NEOLIBERALISMUS MIT LASSO

Die Biografie des Kandidaten der Rechten ist eine Kollektion der schlechtesten Praktiken der lateinamerikanischen Eliten, die der neoliberalen Doktrin treu ergeben sind, in der sich private und familiäre Interessen mit Ambitionen von Unternehmen, Banken und Politikern vermischt sind.

Es handelt sich um die Hauptfigur des Neoliberalismus in Ecuador und einen der bekannten Vertreter der Parteienherrschaft, die zu Beginn dieses Jahrhunderts die Macht verlor, als kein Präsident es schaffte, sein Mandat zu beenden.

Lasso war Wirtschaftsminister während der demokratisch-christlichen Regierung von Jamil Mahuad. Und wenn er auch die Regierung verlies, bevor die Finanzblase explodierte, ist er doch einer der Verantwortlichen der Krise, in die das Land zu Ende deren Zeit geriet.

1994 war er führend an der Annahme des Allgemeinen Gesetzes der Finanzeinrichtungen beteiligt, die die Liberalisierung der Finanzmärkte ermöglichte und die Grundlagen dafür schuf, was in Ecuador als der „Bankfeiertag“ bekannt ist.

Nach Jahren der Deregulierung brach 1999 das Bankensystem zusammen und der Staat organisierte ein Rettungspaket auf Kosten des Einkommens der Bevölkerung und der Abschaffung sozialer Dienste.

Die aufgrund der sogenannten „Panama-Papiere“ durchgeführten Untersuchungen deckten kürzlich auf, dass Lasso ein Gutteil seiner Ersparnisse in Steuerparadiesen angelegt hat.

Komischerweise bestand eine der Losungen seiner Kampagne darin, dass die Multimillionäre ihre Guthaben im Land anlegen sollten.

DIE ZUKUNFT MIT LENÍN

Der 63jährige Moreno ist Sohn von Lehrern aus der Grenzregion von Nuevo Rocafuerte und erreichte es aus eigener Kraft, seinen Hochschulabschluss in Öffentlicher Verwaltung an der Zentraluniversität von Ecuador zu machen.

1998 verlor er durch einen Schuss in den Rücken während eines Überfalls die Beweglichkeit seiner Beine. Seitdem richtete sich sein Wirken darauf, jene sichtbar zu machen und zu für sie zu sprechen, die unter einer Behinderung leiden.

Während seiner Tätigkeit als Vizepräsident führte er die solidarische Mission Manuela Espejo an, eine Einrichtung, deren Aufgabe es war, die erste Diagnose zur Situation der Behinderten von Ecuador zu erstellen. Von 2014 bis 2016 war er als Sonderbeauftragter des UNO-Sekretärs für Behinderung und Zugänglichkeit tätig.

Seine Präsidentschaftskampagne basierte auf der Kontinuität des Werkes der Bürgerrevolution von Rafael Correa, wobei er aber zu jedem Zeitpunkt seinen eigenen Stil und persönliche Fähigkeiten anzeigte.

Nachdem er am Sonntag vom Sieg erfuhr, hob Moreno hervor, dass zu seinen Prioritäten die Einheit der revolutionären Kräfte gehöre.

„Wir werden jene Brüder wieder an uns annähern, die gegangen sind. Indigene Gruppen, Unweltschützer und Junge Menschen müssen zurückkommen. All jene, die gegangen sind, werden zurückkommen müssen“, erklärte er bezüglich einiger Spaltungen und Konflikte der letzten Jahre. „Wir werden anhören, verstehen und sogar entziffern, was es ist, was die ecuadorianischen Brüder wollen“.

RUHIG VERLAUFENE WAHLEN

Nach den Behörden des Nationalen Wahlrates und den internationalen Beobachtern verliefen die Wahlen an diesem Sonntag vollkommen normal, trotz der Witterungsunbilden in mehreren Küstenprovinzen.

Der Tag war jedoch durch die Wahlumfragen an den Wahllokalen bestimmt, die gegensätzliche Ergebnisse ergaben. Das mit Lasso verbundene Konsultingunternehmen Cedatos gab als Sieger den Kandidaten von CREO bekannt, während Perfiles de Opinión Moreno ansagte.

Mehrere politische Figuren, einschließlich des Präsidenten, riefen dazu auf, die offiziellen Ergebnisse abzuwarten und eine Polarisierung zu vermeiden.

Lenín Moreno wies gegenüber seinen Anhängern darauf hin, dass es unverantwortlich sei, falsche Angaben vonseiten eines Unternehmens anzubieten, das vom Kandidaten der Rechten bezahlt werde. Er rief zu Ruhe auf und bat darum, die Ergebnisse zu respektieren.

EIN SIEG DES GROSSEN VATERLANDES

„Eine großartige Notiz für das Große Vaterland: die Revolution hat in Ecuador erneut gesiegt“, sagte der derzeitige Präsident im sozialen Netzwerk Twitter, als die ersten Ergebnisse der zweiten Wahlrunde veröffentlicht wurden.

Correa ist zweifellos eine der zentralen Figuren der fortschrittlichen Welle, die die „lange neoliberale Nacht“ zurückließ, die sich Lateinamerikas bemächtigt hatte.

Der Sieg von diesem Sonntag bedeutet, dass das Werk über seine Figur hinauswachsen wird, wenn auch alle Analysten erwarten, dass er weiterhin einer der einflussreichsten Politiker seines Landes sein wird.

Der Sieg tritt in einem Moment ein, in dem wir einen Aufschwung der regionalen Rechten erleben und das internationale Panorama vom Voranschreiten von fremdenfeindlichen und extremistischen Ideen in großen internationalen Mächten gekennzeichnet ist.

Ecuador war während der Regierung von Rafael Correa auch eines der Länder, die die Mechanismen der Integration förderten, auf die die Region heute zählt. Daher die Wichtigkeit, dass die neue Regierung bereit sei, den Stab zu übernehmen.

Auf jeden Fall sendet die Entscheidung der Ecuadorianer von diesem Sonntag der Welt die klare Botschaft, dass die fortschrittliche Welle in Lateinamerika weit davon entfernt ist, zu verschwinden.