OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

RIO DE JANEIRO.— Keiner kann ernstlich behaupten, dass die Olympischen Spiele der Welt ähneln. Sie sind ein Fest der Großen, bei dem die Kleinen lediglich Gastrollen spielen. Um uns das klarzumachen, brauchen wir nur einen Blick auf den Medaillenspiegel zu werfen.

Beachten Sie, dass, wie bei früheren Ausrichtungen auch schon, die zehn Ersten im Medaillenspiegel dieser XXXI. Olympischen Spiele vier Tage vor deren Ende eher den Eindruck erwecken, man habe es mit einem G8 Gipfel zu tun, als mit einem sportlichen Wettstreit. Wenn die Staatschefs jedes einzelnen dieser Länder sich hierher begeben würden, könnten sie problemlos ihre Versammlung abhalten. Fehlen würde nur Kanada, das auf Rang 17 steht.

Und wenn es nicht noch mehr sind, die sich diesem Block angleichen, so liegt es an den Kriterien des Internationalen Währungsfonds (IWF), der China, die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, nicht als Industrienation anerkennt. Dessen ungeachtet befindet sich der asiatische Gigant im Medaillenspiegel jedoch derzeit auf Platz 3.

Aber wenn es einen Preis für die „Wagemutigen” gäbe, die einer solchen Macht die Stirn bieten, dann gebührte er, obwohl der IWF ihn sicherlich nicht verleihen würde, diesen fünf Ländern: Kenia, Brasilien, Jamaika, Kuba und Kolumbien, die ein Quintett bilden, das die Kühnheit besitzt, unter den ersten 25 des Medaillenspiegels zu sein. Die Afrikaner mit ihrer Armada an Mittel- und Langstrecklern, die Jamaikaner mit ihren pfeilschnellen Kurzstreckenläufern, die Kubaner mit ihrer Stärke in den Kampfsportarten, die Kolumbianer mit ihrer Caterine Ibargüen an der Spitze und die Gastgeber, nicht allein mit dem Heimvorteil, sondern auch mit der Potenz einer sportlichen Entwicklung, die vielfältig ist, fordern diese Macht heraus.  

Und – aufgepasst – die Ernte der Fünf ist noch nicht zu Ende. Die Medaillenausbeute kann noch wachsen. Bei der Leichtathletik sind weder die Lang-, noch die Kurzstrecken, noch die Sprungdisziplinen alle durch, auch die Kampfsportarten nicht. Und im Bergstraßenrennen der Radsportlerinnen ist die Kolumbianerin Mariana Pajón eine Ikone fast wie Usain Bolt oder Michael Phelbs und wird versuchen, ihren Olympiatitel von vor vier Jahren zu verteidigen.

Von den 206 Nationalen Olympischen Komitees, die Athleten für die Spiele akkreditiert haben, haben bislang erst 16 zehn oder mehr Medaillen gleichwelcher Farbe gesammelt.

Und von unseren fünf haben Brasilien und Kuba (das bereits zwei Bronzemedaillen und eine Silbermedaille sicher hat, die aber noch nicht erscheinen, weil sich ihre Farbe noch veredeln kann) diese Ziffer bereits überschritten; man kann sicher sein, dass dies Kenia bei den ausstehenden 5000 m und dem Marathon der Männer ebenso gelingen wird wie den Jamaikanern bei den noch auszutragenden Sprintstrecken.

Obwohl es den Kolumbianern schwer fallen dürfte, dieses Ziel zu erreichen, ist nicht zu bezweifeln, dass sie sich stark verbessert haben. Hierbei ist gar nicht berücksichtigt, dass sie noch in der Tabelle steigen werden, denn wer sollte Mariana schlagen?

In den „Goldtopf“ gegriffen haben bis jetzt 54 Länder. Aber mehr als einmal erst 32, darunter die fünf, die wir etliche Male lobend erwähnt haben. Mehr als dreimal? Das ist ein Luxus, der nur 19 Nationen beschieden war.