
LIMA.— Jugend und Erfahrung der kubanischen Leichtathletik verschmolzen am Donnerstag zu einem begeisterten Lärm, als der Größten der Antillen bei diesen Panamerikanischen Spielen zwei weitere Goldmedaillen beschert wurden. Eine Heilige wie Yarisley Silva im Stabhochsprung und eine Anfängerin, die zur Riesin wurde und auf den Namen Adriana Rodríguez hört, badeten im Videna-Stadion in der peruanischen Hauptstadt in ihren Erfolgen.
Yarisley machte den Anfang, indem sie Gold in einem ziemlich verwirrenden und emotional aufgeladenen Wettkampf gewann. Die Stabhochspringerin aus Pinar del Rio stellte erneut unter Beweis, dass sie eine Athletin ist, die für die Stunde null gemacht ist. Wenn der ganze Druck der Welt auf ihren Schultern lastet, konzentriert Yarisley ihren Blick immer auf das Höchste und denkt nur daran, makellos auf der Sprungmatratze zu landen. Immer wieder gelingt es dieser kleinen Frau mit dem riesigen Herzen, alle Widrigkeiten beiseite zu schieben und zu triumphieren.
Der Wettkampf begann für sie auf die denkbar unglücklichste Weise, als sie die Stange gleich zweimal bei niedrigen 4,35 m riss, einer Höhe, die sie für gewöhnlich gar nicht springt. Nur wenige hatten vor den Spielen gedacht, dass Silva eine Goldmedaille holen würde, aber ihre Größe hielt einmal mehr der Nagelprobe stand – zur Freude ihrer Fans.
„Sie gaben uns nur 35 Minuten zum Aufwärmen. Normalerweise ist es eine Stunde. Diese Situation zwang mich, mit niedrigen Sprüngen zu beginnen, und Fehler waren die Folge. Ich fühlte mich nervös, angespannt und unter Druck, aber es ist mir gelungen, mich selbst zu finden, um so diese Probleme zu überwinden“, sagte eine aufgeregte Silva im gemischten Pressebereich.
Die nun schon dreimalige Siegerin bei Panamerikanischen Spielen erläuterte vor den Kommunikationsmedien die technischen Details, die es zu bewältigen galt, um dieses erste Hindernis von 4,35 m zu schaffen.
„Ich war ruhig, aber sehr verärgert, weil ich bei dieser Höhe normalerweise keine Fehler mache. Was ich getan habe, war, ein bisschen mehr Anlauf zu nehmen, und den Griff an der Stange erhöhen. Dann habe ich mich darauf konzentriert, während des Sprungs ruhig zu bleiben“, fügte die Athletin hinzu.
„Mit Gottes Hilfe hab ich es geschafft, hierher zu kommen. Das war ein sehr schwieriges Jahr. Der Wettkampf war phänomenal, da die Amerikanerin Kathryn Nageotte (spätere Silbermedaillengewinnerin mit übersprungenen 4,70 m) mich dazu zwang, nach zweimal gerissenen 4,70 m meinen einen noch verbleibenden Sprung über die Höhe von 4,75 m zu versuchen. Es war nur eine einzige Gelegenheit, und ich nutzte sie“, sagte Yarisley Silva.
Der Jubel war bei den im Stadion anwesenden kubanischen Delegationsmitgliedern groß, aber die Emotionen wurden überwältigend, als die 20jährige Adriana Rodríguez – aus Pinar del Rio auch sie – den Siebenkampf gewann.
6.113 Punkte waren es am Ende. Den ersten der beiden Wettkampftage hatte sie mit 3.730 Punkten abgeschlossen und sich auf dem zweiten Platz befunden, gerade mal 36 Punkte hinter der zwischenzeitlich führenden Tyra Gittens aus Trinidad und Tobago.
Gestern jedoch hatte Adriana Rodríguez ihre beste Disziplin, den Weitsprung, und nach einer Weite von 6,46 m hatte sie bereits gute Aussichten auf Gold. In der letzten Prüfung, dem Lauf über 800 m, musste sie nur noch an der US-Amerikanerin Annie Kunz dranbleiben. Sie ließ sie aber nicht nur nicht enteilen, sondern überholte sie sogar noch auf der Zielgeraden.
Sicher hatte Adriana Freude daran, in Peru zu triumphieren, denn vor zwei Jahren war sie dort bei den U20 Panamericanos ausgezeichnet worden und nun wiederholte sie den Sieg.
„Ich fühlte mich schlecht, als meine Teamkollegin Yorgelis Rodríguez ohne Punkte im Hochsprung ausschied, aber ich machte mir bewusst, dass es nun mir zufiel, mich zusammenzureißen und den Titel für Kuba zu sichern", sagte Adriana.
„Ich muss gestehen, dass ich nicht restlos zufrieden bin, denn ich habe einige Leistungen nicht erbracht, die zu erreichen ich erwartet hatte, zum Beispiel im Kugelstoßen und im Speerwerfen. Aber das ist ja erst der Beginn einer langen Karriere, in der ich hoffe, erfolgreich zu sein“, sagte die junge Athletin zum Schluss.
KUBAS AUFTRETEN ÜBER 200 METER
Zwei Kubaner erreichten das 200-Meter-Finale. Die Sprinter Reynier Mena (20,56 Sekunden) und Roberto Skyers (20,66 Sekunden) werden bei der Vergabe des Titels mitreden. Ersterer lief locker und zeigte sich in einer besseren Verfassung als bei seinem Auftritt über die 100 Meter vor einigen Tagen. Skyers dagegen kam im anderen Semifinale ein wenig schwer ins Rennen. In der Kurve war er noch nicht unter den ersten drei, aber auf der Geraden spielte er seine Kraftreserven aus und holte noch den zweiten Platz, ganz in der Nähe des erfahrenen Panamaers Alonso Edward (20,65).
Die beiden kubanischen Kurzstreckenläufer haben am Freitag ihr Finale, bei dem Edward und der Ecuadorianer Alex Quiñonez favorisiert sind. Aber einer der beiden Kubaner könnte mit auf dem Siegertreppchen stehen.
Nachdem die Santiaguera Zurian Hechavarría vor zwei Tagen über die 400 m Hürden mit 55,00 Sekunden die beste Zeit aller Teilnehmerinnen gelaufen war, erreichte sie im Finale nur blasse 55,85 Sek. Die Kubanerin, die an der Seite der Kanadierin Sage Watson bis zur 300-Meter-Marke ein sehr gutes Rennen gezeigt hatte, verlor auf der Schlussgeraden so sehr an Tempo, dass neben Watson (die am Ende mit 55,16 Sek zunächst gewonnen zu haben schien) auch noch die US-Amerikanerin Anna Cockrell und die Jamaikanerin Rushell Clayton an ihr vorbeizogen und sie auf den vierten Rang verwiesen.
Minuten später allerdings wurde die Disqualifikation der Kanadierin bekanntgegeben und so kam Zurian Hechavarria doch noch zu einer Bronzemedaille.




