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Yaimé Pérez, neue panamerikanische Rekordhalterin. Photo: Osvaldo Gutiérrez Gómez (AIN)

LIMA.— Ein Abend der Hochspannung für Kuba. Eine der beiden sichersten Goldmedaillen für die Leichtathletik-Delegation der Größten der Antillen war bis zum Ende einer kalten Nacht in Lima unsicher. Yaimé Pérez legte jedoch alle Kraft in ihren letzten Wurf, um sich beim Diskus-Wettkampf der Panamerikanischen Spiele mit 66,58 m doch noch die Goldmedaille zu holen.

Alle gingen davon aus, dass diese sportliche Prüfung zugunsten der Kubanerinnen Jaimé Pérez und Denia Caballero entschieden werden würde, und die Frage lautete eigentlich nur noch, in welcher Reihenfolge. Doch diese mögliche Party wurde für die kubanischen Fans, die das Videna-Stadion besuchten, zu einem dramatischen Ereignis, als die Brasilianerinnen Andressa Oliveira de Morais und Fernanda Borges den Weg von Jaimé und Denia kreuzten.

Oliveira de Morais übernahm bereits mit ihren zweiten Wurf auf 65.98 m die Führung im Wettbewerb; kurz zuvor hatte ihre Landsmännin Borges mit 62.23 m Denia auf den dritten Platz verdrängt und mit dem von Oliveira de Morais erreichten Rekord war die Werferin aus Villa Clara weg vom Podium und wurde am Ende nur Vierte mit 60,46 m.

Es war ein verhängnisvoller Wettkampf für Denia Caballero (Siegerin vor vier Jahren in Toronto), die an diesem Abend nicht gut zurechtkam. Die Leistungen der brasilianischen Gegnerinnen schienen sie unkonzentriert zu machen, sodass sie nicht ihr gestecktes Ziel erreichte.

Yaimé Pérez‘ Situation war anders. Sie schaffte es, den starken Wurf von Andressa Oliveira de Morais zu verdauen, und sie begann, Jagd auf die Weite zu machen. Der vierte Versuch der Athletin aus Santiago von 64,65 m und der fünfte von 64,15 m ließen hoffen, dass das Panamerikanische Gold für Kuba noch nicht verloren war. Yaimés Stolz war stärker als jeder Druck, der auf ihr lastete, und so haute sie zu guter Letzt noch einen raus.

«Ich könnte nicht glücklicher sein, als den Titel in dieser Art und Weise gewonnen zu haben. Ich wusste, dass ich die Goldmedaille in mir hatte, aber die Scheibe geriet mir beim Verlassen der Wurfhand außer Kontrolle. Ich weiß nicht, was passiert ist, nur dass die Abwurftechnik nicht die genaueste war. Aber mir war klar, dass ich mit allem zurechtkommen musste. Schließlich ging es darum, den Diskus so weit wie möglich zu werfen “, sagte eine euphorische Yaimé Pérez vor der Presse.

Die neue panamerikanische Rekordhalterin sagte, dass dieses Ergebnis ihr Selbstvertrauen stärke, auf das Podium der kommenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu steigen, die in den Monaten September und Oktober in Katar stattfinden werden.
Befragt zu den niedrigen Temperaturen, unter denen der Wettkampf litt und ob diese ein Grund gewesen sein könnten für die Schwierigkeiten, die sie hatte, antwortete sie, sie habe die Kälte schon wahrgenommen, aber es sei nie eine Situation entstanden, die sie alarmiert hätte.

„In dieser Saison bin ich in Stockholm, Schweden, angetreten und dort war es kälter als in Lima. Ich glaube nicht, dass mich die Temperaturen hier sehr beeinträchtigt haben. Wenn ich diesmal nicht über 67 Meter gekommen bin, lag es daran, dass ich technische Probleme hatte, die ich beim letzten Versuch korrigieren konnte“, fügte sie hinzu..

Zurian Hechavarría qualifizierte sich fürs Semifinale in der besten Zeit, die sie je gelaufen ist. Photo: Osvaldo Gutiérrez Gómez (AIN)

ZURIAN UND ROSE  MARY WOLLEN MEHR

Die kubanische Frauenparty hatte einige Stunden zuvor mit den beeindruckenden Auftritten der Santiaguera Zurian Hechavarría über 400 m Hürden und Rose Mary Almanza über 800 m begonnen, die ihren Einzug ins Halbfinale sicherten und ihren Wettkampftag mit Optimismus beendeten.

Hechavarría lief mit 55,00 Sek die beste Zeit ihres Lebens und hat am 8. August durchaus Chancen, eine Medaille zu holen, während Almanza mit ruhigem Schritt in 2:05 Minuten ihr Rennen gewann.

In die Nähe des Podiums gelangte im Diskuswurf der Männer Jorge Fernández. Er wurde Vierter mit 64,24 m, erzielt im zweiten Versuch. Den Wettbewerb gewann der Jamaikaner Fedrick Dacres, der mit 67,68 m einen neuen panamerikanischen Rekord aufstellte. Die vorherige Marke hatte sich seit den Spielen von Caracas in Händen des Kubaners Luis Mariano Delis befunden. Auf den Plätzen zwei und drei landeten, in dieser Reihenfolge, der Jamaikaner Traves Smikle mit 65,02 m und der US-Amerikaner Reginald Jagers mit 64,48 m.

Aus der Weitsprungzone gab es für Kuba keine positiven Überraschungen, da die Kubanerin Adriana Rodríguez in ihrem besten Sprung, dem letzten, nur 6,49 m erreichte. Die junge kubanische Springerin lieferte im Wettbewerb eher bescheidene Leistungen ab, aber man muss bedenken, dass sie regelmäßig an den Siebenkampf-Wettbewerben teilnimmt.

Die ersten kubanischen Leichtathleten, die man im Videna-Olympiastadion in Aktion sah, waren die Zehnkämpfer Leonel Suárez und der junge Briander Rivero, die in den ersten drei Disziplinen der kräftezehrenden Sportart die 100 Meter, den Weitsprung und das Kugelstoßen bewältigen mussten. Leonel lief die Kurzstrecke in 11,38 Sek; Briander war mit 11,32 Sek etwas schneller. In der Sprunggrube erreichte Suárez aus Holguín 6,89 Meter, während Rivero aus Artemísa 6,97 m weit sprang.

Später stieß Leonel Suárez die Kugel auf 14,08 Meter, wodurch er nach den ersten drei Runden mit 2299 Punkten den zehnten Platz in der Gesamtwertung belegte. Briander Rivero kam hier nur auf 13,26 m.

Am Ende der ersten fünf von insgesamt zehn Disziplinen befanden sich die beiden Kubaner, in dieser Reihenfolge, auf dem neunten (3.854 Punkte) und achten Platz (3.860 Punkte) und müssten schon einen fast perfekten zweiten Tag absolvieren, wenn sie im Kampf um die Medaillen noch mitreden wollen. Aber besonders von Leonel Suárez weiß man, dass sein zweiter Tag der deutlich bessere ist. Der Kanadier Damian Warner ist mit 4.499 Punkten momentan an der Spitze.