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Juan Miguel Echevarría flog durch die Lüfte Stockholms und festigte seinen Ruf als einer der besten Weitspringer der Gegenwart Photo: Getty Images

Der junge Camagüeyaner war außer sich vor Freude. Leider stellte sich heraus, dass die Superweite mit 0,1 Meter Windunterstützung über dem zulässigen Limit von 2,0 m pro Sekunde zustande kam, was natürlich nicht die Gültigkeit des Sprungs beeinträchtigte, wohl aber die Wertung der erzielten Weite als Landesrekord (welcher somit bis auf Weiteres mit 8,70 m im Besitz des Olympiasiegers von Sidney 2000 Ivan Pedroso bleibt).

Mit seinem sechsten Versuch ließ der Kubaner in einem Wettbewerb, den er durch im vierten Durchgang erzielte 8,50 m bereits gewonnen hatte, der Welt der Leitathletik den Mund offenstehen, als er in seinen abschließenden Sprung noch einmal alles hineinlegte und die neuntbeste Leistung aller Zeiten erzielte in einer historischen Liste, die – vermischt – sowohl reguläre, als auch mit zu viel Windunterstützung gesprungene Weiten dokumentiert.

„Echevarría hat alle je bei Meetings in Stockholm erzielten Weiten übertroffen“, hieß es im Twitter Account der IAAF. Auch den sozialen Netzwerken entstammte der Kommentar der US-Weitspringerin Brittney Reese , Goldmedaillengewinnerin bei den Spielen von London 2012 und mehrfache Weltmeisterin in dieser Disziplin, die Juan Miguels Leistung von Stockholm als „eine Verrücktheit“ bezeichnete, ohne deren windbegünstigtem Entstehen Bedeutung beizumessen.


Natürlich ist es schade, dass der – minimale – Windfaktor Echevarrías Sprung insofern ein wenig trübte, als die Weite nicht als Landesrekord in die Annalen eingehen kann. Es wäre die fünftbeste reguläre in der Geschichte des Weitsprungs gewesen – hinter den 8,95 m von Mike Powell, den 8,90 m von Bob Beamon, den 8,87 m von Carl Lewis und den 8,86 m von Robert Emmijan.

Echevarría, erster Weitspringer unter 20 Jahren, der die 8,80 m übertroffen hat, zeigte im Sprung sein ganzes technisches Arsenal, vor allem beim Anlauf, der es ihm ermöglichte, ohne die geringste Unterbrechung des Bewegungsablaufs abzuspringen, um dann quasi am Ende der Grube zu landen. „Ich habe den Flug nicht abgebremst, nahm stattdessen das Risiko in Kauf, erst außerhalb der Anlage Bodenberührung zu bekommen und mir eine Verletzung zuzuziehen“, sagte der junge Mann zu Raúl Rodríguez von Radio Habana Cuba.

Der Weitenjäger aus Camagüey schlug im Wettbewerb leicht den US-Amerikaner Jeff Henderson, Olympiasieger von Rio de Janeiro 2016, der (ebenfalls windunterstützt, allerdings mit 3,4 m pro Sekunde) im fünften Versuch 8,39 Meter erreichte. Den dritten Rang belegte der Südafrikaner Luvo Mayonga, der noch vor 11 Tagen in Rom mit einer Jahresweltbestleistung von 8,58 m aufgewartet hatte, sich diesmal aber mit 8,25 m begnügen musste. Dennoch führt er den Weitsprung der Diamantliga mit 22 Punkten weiter an – vor Henderson mit 17 und Echevarría mit 15 Punkten.

Dies war das Ende einer üppigen Woche für die kubanischen Springer. Zuvor bereits hatte der Junioren-Dreispringer Jordan Díaz mit 17,41 m seinen eigenen Weltrekord für Athleten unter 18 Jahren gebrochen.