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Halbschwergewichtler Julio Cesar La Cruz (links) ist der einzige aktive Boxer der AIBA mit vier Weltmeistertiteln Photo: AIBA

Knapp vier Monate vor Ende des Jahres 2017 zeigt sich der kubanische Boxsport als starker Kandidat für die Auszeichnung als beste Sportdisziplin des laufenden Jahres.

Grund genug für eine derartige Anerkennung ist die Tatsache, dass sich Kuba am 2. September bei der 19. AIBA Box-WM in Hamburg als bestes Land krönen konnte. Die Truppe unter der Leitung von Cheftrainer Rolando Acebal verteidigte damit den Titel von vor zwei Jahren in Katar, der davor seit der WM in Mianyang, China, im Jahr 2005 nicht mehr errungen worden war.

Man war mit dem Ziel nach Deutschland gereist, den ersten Platz zu belegen, wozu man gemäß den Leistungsprognosen vor diesem Wettkampf auf sechs Medaillen gehofft hatte: drei Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen. Aber diese vom renommierten kubanischen Trainerteam aufgestellte Vorhersage wurde von der Wirklichkeit noch übertroffen, denn es gab für die Kubaner insgesamt sieben Medaillen: fünfmal Gold und zweimal Silber.

Dieses Abschneiden bestätigt die Qualität der kubanischen Boxer, die weiterhin die vom Internationalen Amateur-Boxverband (AIBA) organisierten Wettkämpfe anführen. Für mehrere Boxer war es das beste Turnier ihres Lebens. Es seien nur zwei Beispiele genannt: Andy Cruz im Halbweltergewicht und Schwergewichtler Erislandy Savón, die auf verschiedenen Wegen bis zu ihrem Titelgewinn gelangten.

Der aus Matanzas kommende Cruz ist erst im letzten Jahr zu einem Mann herangereift, der im nationalen und internationalen Ring schwer zu bezwingen ist. Er praktiziert einen sehr technischen Boxstil, der nur wenige Fissuren aufweist und durch die Stabilität und Kraft seiner Schläge in der kurzen, mittleren und langen Distanz gekennzeichnet ist. Savón wiederum machte den großen Schritt, den die Fans seit Jahren von ihm erwarten. In der Sporthalle Hamburg steigerte sich der Boxer aus Guantanamo mit jedem Kampf und lieferte sein Meisterstück im Finale, wo er sich dank seiner effektiven rechten Hand und seiner Umsicht gegen den Olympiasieger von Rio 2016 und Favoriten, den Russen Jewgeni Tischtschenko, durchsetzen konnte.

Die weiteren Goldmedaillen für Kuba errangen Joahnys Argilagos im Halbfliegengewicht, Yosbany Veitía im Fliegengewicht und Julio César La Cruz im Halbschwergewicht, der damit seinen vierten WM-Titel holte. Silbermedaillen erkämpften die aus Pinar del Río kommenden Lázaro Álvarez im Leichtgewicht und Roniel Iglesias im Weltergewicht.

Die Weltmeisterschaften in Deutschland brachten viele der besten Boxer der AIBA zusammen, in einem post-olympischen Jahr, in dem sich einige der Großen oft eine Pause gönnen oder zum Profiboxen gehen. Doch diesmal waren in fast allen Gewichtsklassen die besten Männer der Welt anwesend, Medaillengewinner der Olympischen Spiele und vorangegangener Weltmeisterschaften, womit Qualität und Kampfkraft garantiert waren, vor allem in den Finalkämpfen, die mit wenigen Ausnahmen von den gesetzten Favoriten erreicht wurden.

Es muss erwähnt werden, dass der WM-Teamsieg erreicht wurde, nachdem wenige Monate zuvor das Domadores-de-Cuba-Team den zweiten Platz bei der 7. Weltserie im Boxen (WBS) belegt hatte, ein Ergebnis, das, weit davon entfernt, einen Misserfolg zu markieren, die Beständigkeit des kubanischen Boxsports im internationalen Szenario beweist.

Anerkennung für jeden Einzelnen der Trainer der kubanischen Auswahl, anonyme Helden, die bei jeder Niederlage ihrer Schützlinge sofort deren Fehler entschlüsseln, um diese zu korrigieren, und die Boxer wieder in optimale sportliche Form zurückbringen müssen.

Jetzt ist für die Faustkämpfer erstmal eine Erholungspause angesagt, die aber nicht lange dauern wird. Dann werden sie sich auf die im Dezember stattfindende Landesmeisterschaft, das Playa-Girón-Turnier, vorbereiten. Das Jahr 2018 erwartet sie mit der 8. Auflage der Weltserie und den Mittelamerikanischen und Karibischen Spielen, bei denen das Flaggschiff des kubanischen Sports sich noch höhere Ziele setzen wird.