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Nach Auffassung Anier Garcías müssten kubanische Athleten bei mehr hochrangigen Wettbewerben antreten (Foto: Hansel Leyva)

Am Morgen des 25. Septembers des Jahres 2000 rannte eine ganze Nation die 110 m Hürden gemeinsam mit dem Santiaguero, der geboren worden war, Großes zu vollbringen. Während 13 unvergesslicher Sekunden skandierte ganz Kuba „Anier! Anier!“ bei jeder Hürde, die er überquerte auf seinem Weg zum triumphalen Olympiasieg.  

Der Unbezwingbare mit Nachnamen García ging hinter der Ziellinie von Sidney auf die Knie, nachdem er den US-amerikanischen Favoriten Terrance Trammell, Mark Crear und allen voran Allen Johnson im Rennen seine Hacken gezeigt hatte. Zur gleichen Zeit machte er sich von der gegenüberliegenden Seite der Erdkugel aus im Herzen von 11 Millionen Kubanern unsterblich.

Fast 17 Jahre später kehrt Anier García auf die Pisten der Größten der Antillen zurück, diesmal allerdings, um seine Führung und Ratschläge anzubieten mit dem Ziel, die Tradition Kubas über die kurze Hürdendistanz zu bewahren. Deshalb nutzte Granma die Gelegenheit, an den zweifachen Olympiamedaillengewinner heranzutreten um zu erfragen, wie er sich den Kurs der kubanischen Leichtathletik für die Zukunft vorstellt.

- Wie schätzt Anier García den Zustand der Königssportart in unserem Land ein?

Wir haben etliche Talente; da gibt es verschiedene Leute, mit denen zu rechnen ist. Aber es existiert ein Defizit an internationalen Vergleichen, und die sind unverzichtbar, wenn man ein hohes Wettkampfniveau erreichen will. Das gilt vor allem für die Laufstrecken.

Ich glaube, dass sich in der Leichtathletik eine fruchtbare Arbeit entwickelt. Es sind einige Projekte zur Qualitätssteigerung unserer Athleten auf Wettbewerbsebene im Gange, was uns hoffen lässt, dass die großen Erfolge sich einstellen werden.

Die Leichtathletik wird eine Drehung um 180 Grad machen. Es war dies immer ein Sport, der Kuba viele Medaillen in vielen Disziplinen eingebracht hat. Das ist eine Verpflichtung für die Aktiven und für uns alle, die wir in der Föderation arbeiten: Yipsi Moreno, Javier Sotomayor, Alberto Juantorena, den Leiter der Nationalen Kommission Agustín Abril und für mich, der ich mein eigenes Sandkorn beisteuere. Ich glaube, dass wir auf einem guten Weg sind. Derzeit gibt es viele Talente unter den Jüngsten. Wir haben nicht weniger als drei Dreispringer in der Kadettenkategorie – Jordan A. Díaz, Yusniel Jarrín und Mailón Mesa – die in dieser Disziplin geschlossen die Weltrangliste in ihrer Altersklasse anführen.

- Um das Niveau anzuheben, ist der Wettkampf also außerordentlich wichtig …

Die Reibung mit dem Rest der Welt ist etwas anderes. Hier in Kuba haben wir intern unsere sportlichen Konfrontationen, aber die dienen nur als Rückversicherung für die Trainer zur Bewertung ihrer Arbeit. Dies ist ihre Funktion. Es ist aber nicht dasselbe, täglich zusammen mit deinen Kumpels im Stadion Panamericano zu laufen oder an deiner Seite den Rhythmus der Sprinter von Weltformat zu spüren, die die 100 m in unter zehn Sekunden rennen. Das ist ein Element, das Wirkung auf dich ausübt, das dir hilft, dich als Athlet zu entwickeln, das dich bis zu einem Punkt fordert, zu dem du nie geglaubt hattest fähig zu sein.

- Was macht Anier García im Moment?

Eine Zeitlang war ich in Mexiko tätig, aber derzeit arbeite ich mit dem kubanischen Leichtathletikverband im Juniorenbereich zusammen und unterstütze hierbei direkt den Hürdensprinttrainer Ramiro Álvarez. Wenn ich auch nicht dauerhaft dabei bin, so nehme ich doch zumindest jeden Tag an den Trainingseinheiten teil.  

- Wie beurteilst du das Niveau über die Hürdenkurzstrecke der Männer und momentan die Rückkehr von Dayron Robles?

Auf der kurzen Hürdendistanz bauen wir auf Yordan L. O’Farrill, die junge Hoffnung Roger Iribarne und wünschen uns, dass Dayron sich wieder einfindet. Was wir brauchen, ist die Teilnahme an mehr hochrangigen Wettkämpfen. Die meisten müssen diese Welt erst noch kennenlernen.

Die 110 m Hürden sind eine Strecke, auf der Jahr für Jahr Höchstleistungen erzielt werden. Dass die kubanische Hürdenschule Spitze ist, hat meiner Ansicht nach immer noch Gültigkeit. Dayron hatte zwei Jahr lang keinen Wettkampf mehr bestritten. Dass er beim Memorial Barrientos ins Ziel gekommen ist, finde ich sehr lobenswert. Ich war in einer ähnlichen Situation, als ich mich 2004 auf die Olympischen Spiele von Athen vorbereitete und etliche Rennen brauchte, um wieder in Form zu kommen. (Anier gewann schließlich 2004 in Athen Bronze, Anm. d. Übers.) Wenn er sich zusammenreißt, glaube ich an ihn. Wir hatten Gelegenheit, miteinander zu reden und ich gewann den Eindruck, dass er realistisch und fokussiert ist. Darum bin ich zuversichtlich, dass er die selbstgesteckten Ziele erreichen wird.