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Osvary Morell (rechts) beeindruckte stark beim Playa Girón Turnier Photo: Ismael Batista

Der Name Osvary Morell Gutiérrez war wohl den meisten kubanischen Sportanhängern kein Begriff. Trotzdem kam er zum jüngsten nationalen Playa Girón Turnier als einer der Boxer, die größte Erwartungen weckten.

Auf dem Boden Santiagos, wo das Ereignis stattfand, sehnten sowohl Presse als auch Boxfans den Ringauftritt des Jungen förmlich herbei, der vor einem Monat Jugendweltchampion in der 81 kg Kategorie bei der WM von Sankt Petersburg, Russland, geworden war. Dort besiegte Morell seine fünf Gegner in so meisterhafter Manier, dass man ihn zum besten Faustkämpfer des gesamten Events kürte. Dank dieser Leistung platzierte er sich unter den herausragenden Nachwuchsathleten bei der Wahl zu Kubas Sportlern des Jahres.  

Mit 18 Jahren trat Osvary Morell aus Villa Clara zu seiner ersten Landesmeisterschaft im Halbschwergewicht an, einer Klasse, die von einem absolutistischen König beherrscht wird, Julio César la Cruz, der, nachdem er Morell im Finale besiegt hatte, Granma gegenüber kommentierte, dass dieser in ein paar Jahren seine Nachfolge antreten werde.

Hattest du damit gerechnet, bei der Jugend-Box-WM zum besten Teilnehmer erklärt zu werden?

Das kam unangekündigt. Was man sich am meisten wünscht, ist, mit einem Sieg zu debütieren; danach plant man Gefecht für Gefecht weiter, bis man schließlich im Endkampf steht und Gold gewinnt. Das mit dem besten Boxer war eine zusätzliche Anerkennung. Immerhin, nach dem Viertelfinalkampf gegen den US-Boxer Christian Montano hatte ich eine Vorahnung, dass man mich zum Wertvollsten des Wettbewerbs ernennen könnte, wenn man meine Präsentationen bis dahin berücksichtigte. Im Finale gegen den Ukrainer Román Sawitskyi wusste ich, dass ich gewinnen würde, denn mit dem Gegner aus den Vereinigten Staaten hatte ich, wie die Fachleute sagten, bereits den schwierigsten Gegner vor den Fäusten gehabt, und genauso war es. In die Auseinandersetzung um den Titel ging ich siegesgewiss und boxte nach einem taktischen Konzept, bei dem nichts schiefgehen konnte.

Was bedeutete das jüngste Playa Girón für dich?

Es war mein erstes Mal in einem Turnier dieser Art. Ich spürte schon einen gewissen Druck vor meinem ersten Kampf gegen Yiosvaldo González aus Pinar del Rio, aber mit dem ersten Gong ließ ich das alles hinter mir und konzentrierte mich darauf, den Kampf zu machen, der mit den Trainern abgesprochen war. Ich habe zwar den Titel eines Jugendweltmeisters, aber bei einer nationalen Meisterschaft von Erwachsenen in Kuba zu bestehen, ist eine sehr große Herausforderung. Schließlich habe ich ja kaum erst mit meiner Karriere begonnen.

Wie würdest du deinen Boxstil charakterisieren?

Ich bin ein Boxer, der in allen drei Distanzen rein- und rausgehen kann. Wenn der Kampfrhythmus ein höheres Tempo erfordert, habe ich kein Problem damit, einen intensiven Abtausch anzunehmen. Ich bin noch dabei, mich in anderen Merkmalen weiterzuentwickeln. Schließlich werde ich es noch oft mit älteren und ringerfahreneren Kämpfern zu tun kriegen. Ich bin nicht auf einen definierten Stil beschränkt.  

Was strebst du für die unmittelbare Zukunft an?

Mich boxerisch zu verbessern, denn Jugendchampion zu sein bedeutet noch nicht, über sportliche Meisterschaft zu verfügen; die erreicht man im Laufe der Jahre durch Fleiß. Natürlich arbeite ich darauf hin, in die nationale Vorauswahl zu kommen.

Wer hatte maßgeblichen Anteil an deiner jungen Karriere?

Meine Familie hat mich, seit ich klein war, im Boxen unterstützt. Ihr verdanke ich, dass ich heute hier bin. Ich bin auch den Trainern sehr dankbar, die jahrelang mit mir gearbeitet haben, sowohl denen in Santa Clara als auch denen der kubanischen Jugendmannschaft.