OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Photo: Ricardo López Hevia

Es war eigentlich nicht geplant, dass das Baseball-Turnier Premier 12 für Kuba nach nur einer Woche beendet wäre, aber Pläne gehen bekanntlich nicht immer auf. Und genau das passierte der kubanischen Nationalmannschaft unter Leitung von Víctor Mesa. Das Niveau unseres heutigen Baseballs erwies sich als nicht gut genug, um das Viertelfinale zu überstehen.

Das Aus bescherten uns bei dieser Gelegenheit nicht die Niederlande, die eigentlich eine Fussballnation ist, der wir aber in den letzten Jahren oft unterlagen. Sondern es war eine der asiatischen Nationen, die es zu hohen Leistungen im Baseball gebracht haben und diesen Sport mit höchster Präzision, Konzentration auf jedes Detail und blitzschneller Reaktion ausüben.

Wir sprechen von Südkorea, ein Team, das immer noch perfekt das asiatische Baseball-Modell spielt. Charakteristisch für dieses sind häufige sogenannte Bunt-Schläge, bei denen der Ball praktisch nur weggeschoben wird, Schläge hinter den Läufer, Schnelligkeit der Läufer zwischen den Bases, ausgezeichnete Feldverteidigung und schwer zu schlagende Würfe der Pitcher. Hinzu kamen aber auch immer mehr weite Schläge von stämmigen Spielern, die Dynamit in ihren Handgelenken zu haben scheinen.

Die Formel ging auf und entblößte das kubanische Team, das in diesem entscheidenden Spiel hilflos dastand und erneut auch in seinen eigenen Fehlern ertrank. Die wichtigsten Schwächen waren, dass ständig grundlegende Spielzüge misslangen, die einfach klappen müssen, man es nicht schaffte, sich auf den jeweiligen Rivalen einzustellen, und die große Probleme beim Pitching.

Die Mängel fielen aber nicht erst in diesem Spiel ins Auge, sondern schon in allen anderen. Selbst gegen Italien, den schwächsten Gegner des gesamten Turniers, gewann Kuba nur knapp und im letzten Moment. Der Leistungsdruck war hoch und beeinträchtigte letztendlich die Kubaner, die den Ansprüchen des Wettbewerbs nicht gerecht wurden.

Immer wieder rannte man die gleiche Wand an, zwischen den Bases wurde schlecht gelaufen, das Spiel mit Männern auf vorderen Bases war unergiebig (der dritte Schlagmann, Starspieler Yulieski Gurriel, hat z.B. keinen einzigen Punkt erzielt), mehrmals wurden die Zeichen der Couches falsch verstanden und in keinem Spiel gelang es, sich dem Niveau der gegnerischen Pitcher anzupassen. Diese waren zwar nicht alle erstklassig, aber wesentlich besser als die in unserer Landesmeisterschaft.

In Kuba wird es immer schwieriger, Pitcher zu sehen, die über längere Zeiträume 90-Meilen-Fastballs werfen und diese mit anderen effektiven Wurftechniken kombinieren können. Da es sie in unserer Meisterschaft nicht gibt, kommen die Schlagmänner auf überhöhte Durchschnittswerte und wenn sie sich dann einem anspruchsvolleren Szenario gegenüber sehen, kommen sie unweigerlich ins Wanken.

Das gilt für alle Spielaktionen, sowohl für Offensivschläge als auch für Läufe von einer Base zur anderen. Vor allem im Spiel gegen Taiwan gab es dabei bedauerliche Mängel. Mehrmals versuchten die Schützen von Víctor Mesa in unangebrachten Situationen, eine Base zu stehlen. Aber auch bei Routineruns irrten sie in entscheidenden Momenten.
Zu allem Übermaß versagte unser Pitching von Anfang bis Ende, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Aber wenn man bei einem Wettbewerb dieser Art gewinnen oder zur Spitzengruppe gehören will, muss mann zumindest ein Ass in der Rotation haben, einen Werfer, der das volle Gewicht auf sich nehmen kann und den Gegner Inning für Inning in Schach hält. Auch der fehlt uns.

Der Statistik nach war die Feldverteidigung der beste Indikator für Kuba, aber auch hinter diesen hohen Durchschnittswerten verbirgt sich eine Wahrheit. Die meisten unserer Spieler sind gut im Fangen von frontalen Bällen oder solchen, die in geringe Entfernungen von ihrer Position gelangen, aber ihre Reichweite ist nicht sehr groß, was wiederum die Arbeit der Pitcher erschwert (die schon genug Probleme haben) und den Rivalen Spielraum gibt.

Man kann die Sonne nicht mit einem Finger verdecken, auch die Leitung hat sich in verschiedenen Frage geirrt. Wahr ist aber, dass auch ein chinesischer Medizinmann das Schiff nicht hätte richten können, niemand. Víctor Mesa hat seine Mängel als DT. Er handelt gelegentlich überstürzt, fällt machmal schwierige und weniger logisch erscheinende Entscheidungen, schöpft aber immer das Mögliche aus den Spielern heraus und trägt zu ihrer Entwicklung bei.

Wie auch immer, wenn etwas nach einer Woche Baseballturnier klar geworden ist, ist es, dass unserer Baseball derzeit eine Stufe unter den Weltbesten steht, und auf dieser unteren Ebene kostet es uns Mühe, die anderen Gegner zu schlagen. Grund genug, ernsthafte Überlegungen anzustellen und tiefer, selbstkritischer, intelligenter und kreativer zu analysieren, wie wir unseren nationalen Zeitvertreib wieder auf die Beine bringen können.