OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Photo: Ricardo López Hevia

TORONTO – Eine Athletin wie Yarisley Silva darf man nie für tot erklären. Weder sollte man den Fehler begehen, sie zu unterschätzen, noch sollte man denken, dass sie kein Benzin mehr im Tank hat, denn man könnte die große Überraschung erleben, dass sie sich mehr als alle anderen dem Himmel nähert und alle Prognosen über den Haufen wirft.

“Mit einer Sportlerin wie Yarisley muss man Geduld haben und man muss ihr Sicherheit geben, wenn sie eine schwierige Zeit durchmacht. Man erlebt es oft, dass die Leute nur kritisieren, ohne zu wissen, um was es geht, ohne die Probleme zu kennen, die einer haben kann. Wir, die wir an ihrer Seite sind, müssen das Vertrauen in sie aufrecht erhalten“, sagte Alexander Navas, der Trainer der Stabhochspringerin aus Pinar del Rio, die nun mit panamerikanischem Rekord von 4,85 m auf dem kontinentalen Olymp steht.

Und sicher ist, dass diese Sorgsamkeit und die rastlosen Stunden der Arbeit und Vorbereitung Yarisley bei ihrer Rückkehr zur Berühmtheit im Stabhochsprung geholfen hat, also dabei, die US-amerikanische Olympiasiegerin von London 2012 Jennifer Suhr und die brasilianische Weltmeisterin von Daegu 2011 Fabiana Murer zu besiegen.

Die erzielte Höhe ist eine Nachricht für sich, nicht allein, weil sie ihre Überlegenheit bei den Spielen repräsentiert, sondern weil Yarisley bis dahin erst auf 4,73 m gekommen war – bei hoher Instabilität in ihren Resultaten und ohne dass sie sich in den letzten Jahren besonders dominant gezeigt hätte.

Aber viele kubanische Athleten erzielen im Laufe der Saison ausgezeichnete Ergebnisse, denen sie dann bei großen Wettbewerben nicht mal nahe kommen. Yarisley ist von einem anderen Prototyp: Sie ist in der Lage, in der Stunde der Wahrheit über sich hinauszuwachsen.

“Sie schaffte es, sich selbst zu übertreffen und sich buchstabengetreu an unsere Strategie zu halten. Das Wichtigste aber war, dass sie ihren Wettkampf mit Freude anging“, meinte Navas, Minuten nachdem die Athletin vom Publikum im Stadion gefeiert worden war.

“Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen. Es ist schwierig, dieses Gefühl zu kontrollieren, aber wir haben beim Training daran gearbeitet, alle psychologischen Barrieren zu überwinden, mit denen wir zu tun haben. Ich habe sehr auf meine Atmung geachtet und darauf, meine Nerven unter Kontrolle zu halten. Es war ein sehr emotionaler Wettkampf und sicher einer der härtesten in meiner Laufbahn“, erzählte die von Journalisten umringte frisch gekürte Königin.

“Ich hatte viele Probleme. Es ist mir schwer gefallen, den Stab zu wechseln und meine Klettergriffe anzupassen. Ich war in meiner Karriere ein wenig neben mir selbst, aber all das war letztlich eine mentale Frage, die ich dank der Hilfe des gesamten technischen Kollektivs lösen konnte. In diesem Moment bin ich eine andere Yarisley. Ich kann sagen, dass meine Flaute überwunden ist. Ich habe wieder mehr Selbstvertrauen und Sicherheit und es macht mich glücklich, Kuba diese Goldmedaille geben zu können“, fügte die Sportlerin aus Pinar del Rio hinzu, die sich mit ihrem Sprung an die Spitze der Weltrangliste katapultierte.

“Ich bin sehr froh, nachdem ich so viele bittere Monate erlebt hatte, unter denen mein ganzes Team ebenso litt wie ich. Heute habe ich meine Schulden bezahlt und es hat mir eine große Befriedigung verschafft zu sehen, wie meine Konkurrentinnen zu mir kamen um mich zu meinen Sprüngen zu beglückwünschen. Ich glaube, bis zu einem gewissen Punkt war ich überrascht“, endete Yarisley mit ihrem gewohnten Lächeln.