OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Der Einfluss von Jorge Gómez und der Gruppe Moncada prägte Generationen. Foto: Ariel Cecilio Lemus

Als integraler Bestandteil der Verbindungen zwischen kubanischer Musik und nationaler Geschichte ist das Werk von Jorge Gómez Barranco von grundlegender Bedeutung. Der Pianist, Komponist und Gründungsdirektor des Ensembles Moncada versteht sein Schaffen nicht ohne die Gewissheit, dass Gesang auch ein Akt der Erinnerung ist.

Er wurde am 8. Januar 1943 in Havanna geboren und studierte Philosophie, bevor er sich ganz der Musik widmete. Er war eine Schlüsselfigur der Nueva Trova und zeichnete sich durch eine einzigartige Perspektive aus: weniger episch in ihren Gesten, dafür umso aufmerksamer gegenüber harmonischer Komplexität und dem gesungenen Wort als Raum der Wahrheit.

Sein Name ist untrennbar mit der Gruppe Moncada verbunden, die 1972 im universitären Umfeld gegründet wurde. Die Ursprünge der Gruppe reichen zurück bis zu einem Auftritt des damaligen Universitäts-Instrumentalensembles, als Rektor José Miyar Barruecos die formelle Gründung vorschlug.

Kurz darauf, im Vorfeld des 20. Jahrestages der Angriffe auf die Moncada- und Carlos-Manuel-de-Céspedes-Kasernen, konzipierten Jorge Gómez und Alberto Faya eine von diesem Ereignis inspirierte Kantate mit eigenen Kompositionen. So entstand „Canción del Moncada“ (Lied von Moncada), das in der Talía-Halle der Universität uraufgeführt wurde.

Der endgültige Name sollte später an einem Ort nahe Havanna bekanntgegeben werden. Die Heldin Melba Hernández betrat das Podium und verkündete: „Nun spielt die Moncada-Gruppe der Universität Havanna für Sie.“

 Auch Jorge Gómez’ Verbindung zur Bewegung des 26. Juli war kein Zufall: Er war der Neffe des Dichters und Märtyrers Raúl Gómez García. Diese Blutsverwandtschaft führte zu einer emotional bewegenden Begegnung, als Haydée Santamaría einer der ersten Aufführungen der Kantate beiwohnte, wie der Künstler selbst vor etwa zehn Jahren gegenüber Juventud Rebelde erzählte. Als Haydée das Lied „Amor“ (Liebe) hörte, ging sie auf den jungen Musiker zu und fragte ihn, wer diesen Part geschrieben habe. Als er antwortete, er sei der Komponist, beharrte sie: „Es ist unmöglich, dass Sie es geschrieben haben, denn Sie sind zu jung; Sie können das nicht gefühlt haben.“

Als sie erfuhr, dass er Raúls Neffe war, verstand sie: „Raúl hat diesen Text geschrieben; nur er konnte es wissen. Während dieser Teil gesungen wurde, dachte ich an diesen Moment zurück. Ich bin sicher, dass Raúl ihn dir diktiert hat.“ Dieses Gespräch markierte den Beginn einer engen Freundschaft, die Gómez immer in Ehren halten würde.

 Mit der Gruppe Moncada brachte Jorge Gómez die kubanische Musik auf die internationalen Bühnen der Spitzenklasse: Tourneen durch Frankreich, Brasilien und Äthiopien sowie mehrere Auftritte beim San Remo-Festival, wo er gemeinsam mit Joan Manuel Serrat, Ana Oxa, Carl Palmer und Phil Manzanera auftrat.

Unter seiner Leitung wurde die Gruppe zu einem Klanglabor, in dem Gesang, Jazz, Chormusik und die Wurzeln volkstümliche kubanische Musik miteinander verschmolzen.

 In den frühen Morgenstunden des 23. März verstarb Jorge Gómez Barranco im Alter von 83 Jahren in Havanna. Bis zuletzt war er Präsident der Internationalen Musikmesse Cubadisco und seine Stimme war ein vertrauter Bestandteil von Radio- und Fernsehsendungen mit lateinamerikanischer Musik.

 Er war vier Wahlperioden lang Abgeordneter der Nationalversammlung der Volksmacht, Mitglied des Verbandes der Schriftsteller und Künstler Kubas und wurde unter anderem mit dem Félix-Varela-Orden Erster Klasse und dem Juan-Marinello-Orden ausgezeichnet.

Doch sein Vermächtnis bemisst sich nicht allein an seinen Schallplatten und Konzerten: Jorge Gómez vereinte in seiner Musik historische Erinnerung und höchste Kunstfertigkeit und verlieh seinen Liedern einen Teil dessen, was Heimat bedeutet.