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Photo: Fotogramm des Films

An einem Nachmittag im Juni 2009 unterhielt sich Pavel Alejandro Barrios mit seiner Frau Sandra, einer Ärztin, auf dem Balkon ihrer Wohnung. Sie erzählte ihm von Geschehnissen aus der Zeit ihres Sozialdienstes in einer ländlichen Gemeinde in de Provinz Camagüey, wo sie einen Jungen von acht oder neun Jahren kennengelernt hatte, der keine Mutter hatte. Sandra hatte das Kind während der Betreuung der Familie sehr liebgewonnen. Als ihr Dienst an dem Ort zu Ende ging und sie abfahren wollte, erschien der Junge mit einem Stein und sagte, dass er sie töten würde. Die Ärztin fragte überrascht, warum, und er antwortete, weil sie ginge.

Nachdem er die Geschichte gehört hatte, setzt sich Barrios hin, um die Erinnerungen seiner Frau auf Papier zu bringen. So entstand „Ich habe keine Angst“, zunächst als Kurzgeschichte, dann als Radio-Skript und später als Skript für ein Fernsehspiel. Letztendlich wurde daraus der Spielfilm „Das Blatt der Seetraube“, eine Geschichte von kindlicher Vernachlässigung, physischer und psychischer, wo aus den Augen eines Kindes mehrere Realitäten gefunden werden und der Blick auf die Stadt Santa Cruz del Sur in der Provinz Camagüey gerichtet ist.

Der Film der Filmemacher Mirta González und Jorge Campanería mit dem Jungen Denis Carlos Fernández sowie Yohandis Aballe, Yoandra Suárez und Lianet Pacheco in den Hauptrollen, in dem auch Irela Bravo, Manuel Porto und Reinier Hernández auftreten, hat seine Premiere am heutigen Donnerstag in den Kinosälen des Landes und wird voraussichtlich drei Wochen lang auf dem Spielplan stehen.

„Das Blatt der Seetraube“ wurde mit Unterstützung der Produktionsfirma des kubanischen Fernsehens an 21 Tagen im Juni 2014 gefilmt. Nach Worten einer der Protagonisten, Yoandra Suárez, liegt die Hauptbotschaft des Films darin, die Bedeutung der Familie als ein System von Kern und Zusammenhalt anzusprechen.

Co-Direktor Jorge Campanería erläutert, dass er zusammen mit dem Produktionsteam das Casting für die Kinderrollen in der Theatergruppe Abracadabra von Santa Cruz del Sur durchgeführt habe. Dort fanden sie Carlos Denis Hernandez, der den Berto spielt, und dem die im Film erzählten Tatsachen nicht fremd waren. „Die Geschichte des Films passiert ungefähr 90 % der Familien dieser Stadt, so dass Carlos Denis sie schon kannte“, sagte der Regisseur.

Mit Musik von Kelvis Ochoa, dem Drehbuch von Pavel Alejandro Barrios selbst, der Produktionsleitung von Oigres Suárez Suárez und Beratung von Marisel Pestano, bringt der Film Künstler des kubanischen Radios und Fernsehens ins Kino, einige sehr bekannte, einige, die nach kurzer Abwesenheit zurückkehren, und andere, die ihren Weg vor den Kameras gerade beginnen. Gleichzeitig greift er erneut Themen wie Distanz, Vaterschaft, Verpflichtung und Abschied auf.

Die großen Leinwände der Insel erhalten eine weitere Geschichte des heutigen Kuba, diesmal mit Blick auf einen wenig sichtbaren Ort des Landes, der aber auch das Gewebe dessen webt, was heute die Nation ist.