OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS

Es erscheint mir unglaublich, dass jener aus Matanzas stammende junge Mann mit einem für Mulatten so typischen olivfarbenen Teint jetzt im August 80 Jahre alt geworden ist. Das Seminar der Ethnologie und Folklore im Jahr 1960 hatte ihn wie ein Magnet angezogen. Sein Antrag enthielt, ich erinnere mich gut, eine sehr umfangreiche Akte, in der unter anderem ein Roman über Haiti erwähnt wird, den er gerade geschrieben hatte und nie veröffentlichte. Er hatte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Havanna begonnen, brach dies aber ab, um sich ganz der Folkloreforschung und der Auswahl des Besten der afrikanischen Poesie zu widmen.

Rogelio Martínez Furé Photo: Juvenal Balán

Von diesem Seminar war er einer der wenigen, die ohne Zaudern durchhielten, den Statistiken und solch trockenen Fächern wie Bibliothekswesen und politische Ökonomie zum Trotz. In allen ragte er hervor, aber es waren die Abende im Bohème-Stil und die Studien über die Cabildos und die Grabzeremonie der Regla de Ocha, denen er in diesen Jahren der akademischen Bildung die meiste Zeit gewidmet hat, besser gesagt, denen wir die meiste Zeit gewidmet haben.

Sowohl Argeliers León als auch die anderen sehr talentierten Dozenten, die wir hatten, bezeichneten ihn als den Begabtesten. Ich bewunderte immer seine Begeisterung für die bleibenden Werte der kubanischen Volkskultur, wobei seine Vision nicht lokal war, sondern universell, wie die des Lehrers, den wir beide verehren: Don Fernando Ortiz.

Es hat mich dazu veranlasst, den ersten Orikis der zeitgenössischen kubanischen Poesie zu schreiben. Wir besuchten unzählige Orte des Landes, in denen die Batá-Trommeln die Vielfalt der Yoruba- und Conga-Kulturen an den Tag brachten, die in den Sklavenschiffen an die kubanischen Küsten gekommen waren.

Wir lernten Ikonen wie Pepa Echubí, Trinidad Torregrosa, Emilio O'Farril, Jesús Pérez, Nieves Fresneda, Lázaro Ros und viele andere großartige Figuren kennen, die später Teil des Nationalen Folkloreensembles wurden.

Er war zweifellos einer der Hauptinitiatoren und zusammen mit Marta Blanco und dem Mexikaner Rodolfo Reyes gründete er das inzwischen legendäre Folkloreensemble. Ich war immer an seiner Seite bei den ersten Proben, die im El Patio am Platz der Kathedrale stattfanden. Mehr als 50 Jahre sind vergangen, und obwohl jeder mit seinem eigenen Licht seinen Weg gegangen ist, sind wir einer integrativen und demokratischen Kulturpolitik treu geblieben, ohne jede Diskriminierung der reichen Elemente, die wir von der iberischen Halbinsel und der immensen afrikanischen Tradition geerbt haben.

Rogelio steht im Einklang mit dem Denken von Don Fernando, Argeliers León, José Luciano Franco, Lydia Cabrera und so vielen Gelehrten, die sich, wie Alfonso Reyes sagte, in den Brunnen des Kubanischen vertieft haben.

Sein Werk ist ein Modell der ethnologischen Forschung, weil es den Abdruck des Wissens und die poetische Vision der Welt trägt.

Zu seinen bedeutendsten Büchern gehören Poesía anónima africana (1968), Mambisa palenque (1977), Diálogos imaginarios (1979), Diwan africano (1988, 1996) und Briznas de la memoria (2004). Er wurde mit dem Nationalpreis für Kulturforschung (2001), für Tanz (2002), dem Internationalen Preis Fernando Ortiz (2004) und dem Nationalpreis für Literatur (2015) ausgezeichnet.

Er war nicht nur ein Kabinett- oder Archivforscher sondern ist in die Ajiaco-Suppe eingetaucht, wie Ortiz es nannte, in dem Bewusstsein, dass sein Beitrag zu den Sozialwissenschaften ein Ruf der Ahnen ist.

Heute mit seinen 80 Jahren prägt ihn immer noch die Reinheit des Mannes, der weder Groll noch Vorurteile gegenüber irgendetwas oder irgendjemanden hegt. Hier ist er, sich dessen sicher, dass es einen grundlegenden Beitrag zur kubanischen Kultur und zur Welt geleistet hat.

Obwohl wir uns nicht täglich sehen, weil jeder seinen eigenen Weg genommen hat, führen wir im Stillen einen Dialog in Verfolgung einer Einheit, die wir, die guten Kubaner, heute so brauchen. Wenn Du in Deinen ersten 80 Jahren so viel getan hast, stelle ich mir vor, was für Deine nächsten 80 bleiben wird. Nimm die Bärenumarmung eines Kollegen entgegen, der immer mit Deiner Freundschaft geehrt wurde. Herzlichen Glückwunsch!