
Die Debatte um die künstlich herbeigeführte Inflation beherrscht derzeit die Öffentlichkeit und die Medien. Die vom kubanischen Fernsehen aufgedeckte Machenschaft, die die Beteiligung externer Akteure mit Verbindungen zum US-Außenministerium und den US-Geheimdiensten offenbarte, mobilisierte die kubanische Gesellschaft, die von diesen Aktionen schwer betroffen ist.
Das Vorgehen von Medien wie El Toque ist alles andere als harmlos. Die Manipulation der Wechselkurse ist vorsätzlich und Teil des Wirtschaftskrieges gegen Kuba.
Künstliche Inflation bedeutet ein allgemeiner und anhaltender Preisanstieg, der bewusst herbeigeführt wird. Anders als Inflation, die „organisch“ aus einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt entsteht, ist künstliche Inflation das Ergebnis einer bewussten Entscheidung.
Wenn ein Land oder ein Staatenbund – beispielsweise die USA und die Europäische Union – einem anderen Land oder Wirtschaftsblock Zwangsmaßnahmen auferlegt und dessen Zugang zu Märkten, Devisen und Technologie einschränkt, führt dies zu Engpässen bei Importprodukten und Investitionsgütern und bewirkt ein starkes Ansteigen der Preise.
Die Rolle der Medien und sozialen Netzwerke wird hingegen oft unterschätzt. Sie wirken als wirksame Verstärker und Beschleuniger durch einen zentralen Mechanismus: die Bildung von Inflationserwartungen. Laut Experten handelt es sich dabei nicht nur um ein wirtschaftliches, sondern auch um ein psychologisches Phänomen. Konsumenten, KMU und andere Marktteilnehmer erwarten eine steigende Inflation und handeln entsprechend.
Wenn sich jemand in Kuba bei einem Händler, einem formellen oder informellen, über die exorbitanten Preissteigerungen eines Produkts oder einer anderen Alltagsware bzw. Dienstleistung beschwert, hört man oft: „Das Problem ist der gestiegene Dollar.“
Wenn die Medien ständig über Preissteigerungen berichten und alarmistische Schlagzeilen verwenden („Inflation außer Kontrolle“, „Preise explodieren“), entsteht in der Öffentlichkeit ein Krisengefühl. Indem sie dem großen Raum geben und wiederholt darüber berichten, vermitteln sie den Eindruck, es sei das Hauptproblem.
Prognosen von Wirtschaftsexperten beeinflussen die Stimmung der Menschen und schüren große Ängste. Wenn die meisten Experten Preissteigerungen in naher Zukunft vorhersagen, beginnen Unternehmen, auf Grundlage dieser Prognosen zu planen, was die Inflationsspirale weiter anheizt.
Vermitteln die Medien zudem den Eindruck, die Lage sei außer Kontrolle oder die Behörden seien unglaubwürdig, werden die Erwartungen zu einer Lawine, was die Kontrolle über das Phänomen zusätzlich erschwert.
Soziale Medien verstärken in diesem Zusammenhang Angst und Fehlinformationen. Ein kurzes Video, ein Reel oder ein Beitrag mit der Behauptung, der Dollar werde in die Höhe schnellen, kann innerhalb weniger Stunden viral gehen und Panikkäufe der Währung auslösen.
Algorithmen zeigen Nutzern Inhalte, die ihren bisherigen Konsumgewohnheiten ähneln. Wer sich also Sorgen um die Inflation macht, sieht zunehmend negative Nachrichten und Kommentare, was die Wahrnehmung einer katastrophalen Situation verstärkt und die Angst weiter anheizt.
Empfiehlt ein reichweitenstarker Influencer, jetzt Dollar zu kaufen, kann dies eine Währungspanik auslösen, die die lokale Währung schwächt. Solche Fälle sind keine Seltenheit. Durch diese Verstärkung steigt das Risiko einer unkontrollierten Inflationsspirale erheblich.
Das ist nichts Neues. Diese Strategie ist Teil des vielschichtigen Krieges gegen Kuba, der darauf abzielt, inneren Aufruhr zu schüren, Chaos zu stiften und Zustände der Unregierbarkeit zu schaffen, die es ermöglichen sollen, die Revolution gewaltsam zu beenden.
Quellen: BBC, NYT, Fachzeitschriften








