OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Photo: Archivo

Die von der immensen Mehrheit der Bevölkerung Kubas am 24. Februar in einem Referendum bestätigte neue Verfassung der Republik Kuba wird am heutigen Mittwoch in einer außerordentlichen Sitzung der Nationalversammlung im Kongresspalast der Hauptstadt proklamiert werden, die um 9 Uhr morgens beginnt.

Das Datum fällt nicht zufällig mit dem 150. Jahrestag der Verabschiedung der Verfassung von Guáimaro im Jahr 1869 zusammen, die als das erste Rechtstatut in der repubikanischen Geschichte Kubas betrachtet wird.

VERFASSUNG VON GUÁIMARO, ERSTE REVOLUTIONÄRE MAGNA CHARTA

Die fehlende Synchronisierung der bewaffneten Erhebung gegen die spanische Kolonialherrschaft (Erhebung von La Demajagua am 10. Oktober 1868 und die von las Clavellinas am 4. November) führte zu einer Spaltung in der Kriegsleitung der aufständischen Gebiete, was drei Regierungen, zwei Fahnen und drei Militärkommandos zur Folge hatte.

Zu den Schätzen, die heute im Museum der Stadt zu finden sind, gehört dieser Teller mit dem Wappen von Napoleón Bonaparte. Photo: Mireya Castañeda

Man kam daraufhin überein, ein Treffen durchzuführen, um eine einzige Regierungsstruktur zu schaffen (es konstituierte sich eine Repräsentantenkammer), der Erhebung eine juristische Grundlage zu verleihen und sich über die Vorgehensweisen und die antikolonialistischen Aktionen zu einigen.

So fand zwischen dem 10. und dem 12. April 1869 unter dem Vorsitz von Carlos Manuel de Céspedes, der vorläufiger Regierungschef des Gebiets Oriente war, die Versammlung von Guáimaro statt, bei der neben Céspedes auch Miguel Gerónimo Gutiérrez für Las Villas, und Ignacio Agramonte und Salvador Cisneros Betancourt für Camagüey anwesend waren.

Der Verfassungsentwurf enthielt 29 Artikel (23 davon beinhalteten die Definition und die Eigenschaften des neuen Staates), der der Repräsentantenkammer die Vollmacht zur Gesetzgebung und die Möglichkeit gab, etwas der Verfassung hinzuzufügen, wenn darüber Einstimmigkeit herrschte, auch wenn in der Präambel festgelegt wurde, dass diese Verfassung während des ganzen Krieges gelten solle.

Faktisch wurde sie kaum ein Jahr nach ihrer Verabschiedung, am 24. Februar 1870 geändert, als man eine Vizepräsidentschaft etablierte. Später im März 1872 kam man überein, dass in Abwesenheit des Präsidenten und seines Vizepräsidenten der Präsident der Kammer befugt ist, die Funktion der Exekutive der Republik auszuüben.

Das Gesetz der Gesetze teilte die Insel in vier Staaten auf: Oriente, Camagüey, Las Villas und Occidente; es verlieh den Bürgern das Recht, jedes ihrer Mitglieder anzuklagen, wenn dies nötig würde; es erkannte die Unabhängigkeit der Judikative an, erklärte alle Bewohner der Republik ausnahmslos als frei und betrachtete sie außerdem als Soldaten der Befreiungsarmee.

Die politische Struktur und Funktionsweise erwies sich als zu kompliziert, um sie effektiv in Zeiten des Krieges anwenden zu können.

Trotzdem stellte die Verfassung von Guaímaro einen elementaren Schritt für die Bildung der kubanischen Nationalität dar. Zum ersten Mal verfügten die Kubaner über ein Gesetzesgefüge, das ihre Freiheit anerkannte und sie vor der Welt vertrat und so einen Referenzpunkt für die Zukunft bildete.

Photo: Entnommen von galeríacubarte.cult.cu
Dieses Denkmal in Guáimaro erinnert an das historische Datum Photo: Miguel Febles Hernández
Museum der Verfassung vonGuáimaro. Photo: Miguel Febles Hernández