OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Personen aller Altersstufen im ganzen Land beteiligen sich mit Begeisterung an der Debatte über die neue Verfassung Photo: Ariel Cecilio Lemus

MATANZAS – Die 1976 in Kraft getretene Verfassung der Republik Kuba hat schon begonnen Teil der Geschichte zu werden und nostalgische Gefühle hervorzurufen. In den letzen Stunden spricht man von nichts anderem als von der Volksbefragung zum Entwurf der neuen Magna Carta.

Es ist die Magie der Zeit und des Lebens, werden einige sagen. Alles ändert sich, auch die Welt und deswegen ist es an der Zeit für ein neues Rechtsinstrument mit der Vision einer Gesellschaft, die danach strebt besser zu werden und sich den prosperierenden und nachhaltigen Sozialismus zum Ziel gesetzt hat.

Angespornt vom Reiz des Neuen sprechen die Leute voller Begeisterung über das Thema. Die Nachbarn reden untereinander, fragen und finden gemeinsam Antworten zu den am weitesten gehenden Veränderungen.

Dieses besondere Gefühl bei der verantwortungsvollen Teilnahme an der Überprüfung des Verfassungsentwurfes dabei zu sein, hat sich bereits vor den ersten Volksbefragungen eingestellt, eigentlich schon ab dem Augenblick, als man das Exemplar des Entwurfs an den Kiosken käuflich erwerben konnte eingliedert.

Die Pilotversammlung der Volksbefragung im Generalstab der Armee des Zentrums machte von Anfang an deutlich, dass die Teilnehmer das Dokument kannten und studiert hatten.

In den Debatten wurde der unwiderrufliche Charakter des sozialistischen Systems in Kuba und die Verfassungstradition des Landes von Beginn der Unabhängigkeitskriege vor 150 Jahren bestätigt.

Für den alten Revolutionär und Juristen Teófilo Vasallo Guasch handelt es sich um eine notwendige Verfassung, die an die aktuellen und zukünftigen Bedingungen der Revolution angepasst wird und von deren demokratischer Essenz er überzeugt ist.

Dass sie von der Meinung der Massen genährt werde, sei ein weiser Entschluss gewesen, eine schöpferische Form sie zu bereichern. Diese Möglichkeit zu besitzen, die kollektive Intelligenz zu nutzen, sei von großem Vorteil, ein goldene Formel sagte er, nachdem ihm die Reichweite einiger dieser Veränderungen bewusst geworden war.

Dieser sanftmütige aus Matanzas stammende Mann sieht es als sehr wertvoll an, dass jeder ehrlich seine Meinung äußern kann, auch wenn er der Auffassung ist, dass das Wichtigste, der Schlüsselpunkt, die Bereitschaft und die Verpflichtung zur Teilnahme ist. „Das ist wichtig für eine gesunde Debatte. Ich wenigstens fühle mich verpflichtet, daran teilzunehmen“, sagte er.

Aus seiner Perspektive als Jurist habe er aufmerksam die Debatten zu diesem Thema in der Nationalversammlung verfolgt und ihm sei aufgefallen, wie klar und entschieden die Abgeordneten ihre Argumente vorgebracht hätten, ohne jemals unhöflich zu werden.

Er meinte, er sei prinzipiell mit allem einverstanden und seine Vorbehalte zu einigen Punkten seien nicht so stark, als dass er das Dokument nicht unterstützen könne.

Teófilo Vasallo war beim Entstehen der Voksmacht in Kuba dabei, ein soziales Experiment, für das Matanzas zwischen 1974 und 1976 als Laboratorium diente, ein neues Regierungssystem, das danach auf das übrige Land ausgedehnt wurde.

„Es ist sehr schön an der Diskussion zu diesem Entwurf einen Beitrag zu leisten; ich habe das Gefühl, dass ich diese aufregenden Tage, als die Verfassung der Volksmacht als einzigartiges soziales Projekt durchgeführt und dann 1976 in die Magna Carta aufgenommen wurde, noch einma erlebe“, sagte der alte erfahrene Anwalt.