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OFFIZIELLES ORGAN DES ZENTRALKOMITEESDER KOMMUNISTISCHEN PARTEI KUBAS
Viel Facebook User haben ihr Profilfoto in Solidarität mit Kuba durch dieses Bild ersetzt. Foto: aus Facebook

Niemand ist auf den Verlust eines geliebten Menschen vorbereitet. Ein Unglück dieser Art ist für denjenigen, der zurückbleibt, die schlimmste Erfahrung. Der Tod überrascht dich und hebt alles aus den Angeln, das mit Liebe und Sorgfalt so lange gehegt wurde. Es kostet große Anstrengung sich wieder zu regenerieren, nicht um zu vergessen, denn das vergisst man nie.

Man lernt wieder zu gehen, wie derjenige der die Sehkraft oder ein Gliedmaß verliert, oder dem das Herz ausgetauscht wird und auch wieder zu lachen. Man lernt den Wert des Glücksmoments zu schätzen, der uns immer, wenn auch nicht in seiner Totalität überkommt und auch ihn zu genießen, wohl wissend, wie kurz er ist. Man lernt dem Wichtigen und Bedeutungsvollen den Vorrang einzuräumen, und das Unwichtige beiseite zu schieben. Man lernt ein besserer Mensch zu sein, weil man den Wert zu schätzen lernt, am Leben zu sein. Dann wird einem bewusst, dass das Leben für diejenigen weitergehen muss, die von uns abhängig sind, wegen uns selbst und um die wunderbare und lehrreiche Erinnerung zu retten, das Werk jenes Menschen, der von uns gegangen ist; dies ist auch eine Art und Weise über den untröstlichen Augenblick hinaus fortzuleben. Man lernt mit zwei Komponenten des Lebens zu gehen: der Freude und dem Schmerz und weiterzumachen, denn das Leben ist das größte aller Wunder und ihm muss man huldigten.

Ich bin im Schoß einer Familie von Fliegern geboren, ich würde sogar noch weiter gehen: meine Wurzeln reichen zu den Vorläufern der Fliegerei in Kuba zurück (...) Eine Tradition, die (...) mein Großvater mütterlicherseits Oscar Rivery Ortiz begann, der zu den ersten Piloten Kubas gehörte, mein Vater Enrique Carreras Rolas, der Held von Playa Girón und der Republik Kuba: Diesen Weg haben fünf meiner sieben Brüder, zwei meiner Schwager und mein erster Ehemann Leonardo Herrera Altuna verfolgt, der vor 29 Jahren bei einem ähnlichen Flugzeugunglück ums Leben kam. Deswegen habe ich mich daran gesetzt dies zu schreiben.

Es ist sehr schwer mit dem plötzlichen Tod zurechtzukommen und noch schwerer ihn zu akzeptieren. Die Vernunft findet für die große zugefügtre Wunde keine Logik und sucht nach Schuldigen, bis es soweit kommt, dass wir uns selbst die Schuld geben, weil wir vielleicht den Schrecken oder eine Vorahnung beim Abschied beim letzten Kuss nicht mitgeteilt haben. (...) Aber die Herausforderumg der Schwerkraft, die Möglichkeit die Zügel einer Technologie in die Hand zu nehmen, die nicht nur den Flug der Vögel nachahmt, sondern diese überragt, stellt das größte Glück für jene dar, diesem diesem Beruf widmen. Und auf einer vom Meer umgebenen Insel – wer träumt da nicht davon, in ein Flugzeug zu steigen, um herauszufinden, was sich auf der anderen Seite des Meeres befindet?

Ich habe im Internet Kommentare von Leuten gelesen, die über Gründe spekulieren und Schuldige suchen und mit ihren mangelnden Kenntnissen Forderungen stellen, Antworten einfordern. Als Überlebende einer solch schmerzhaften Situation, wie sie heute uns alle in Beschlag nimmt, kann ich sagen: Nichts und Niemand wird uns das Verlorene wiedergeben. Aber jede furchtbare Erfahrung bringt eine Lehre und verhindert, dass sich die Lage wiederholt.

Das Unglück, bei dem mein Ehemannam 3. September 1989 ums Leben kam, als ein Flugzeug wie dieses noch starten konnte, aber dann in geringer Entfernung von der Landebahn in einer Gemeinde auf der anderen Seite der Straße nach Boyeros zerschellte, trugen entscheidend ein meteorologischer Faktor des Windes, eine Art Sturm, der sich im Augenblick des Starts bildete und ein menschlicher Faktor bei: Die Unvorsichtigkeit des Kapitäns, der als außerordentlich guter Pilot, der er war, die Empfehlung des Kontrollturms zu warten, bis dieser vorbei wäre, missachtete, die Befugnis ausnutzte, die er als Flugzeugkapitän hatte und startete. Von da an wurde festgelegt, dass ohne Freigabe des Kontrollturms keine kubanische Crew mehr starten darf. Trotzdem gab es damals keine Technologie – ich weiß nicht, ob es sie heute gibt,- die nach den Daten Windes, der Temperatur etc. die Wahrscheinlichkeit berechnet, dass sich in Sekundenbruchteilen ein Art Sturm bildet, der das Flugzeug im Moment des Starts erwischt und es in den Abgrund zieht (...).

All diese Details erfuhr man Wochen später, nachdem alle Messungten am Ort der Flugzeugtrümmer, die gemeldeten meteorologischen Aufzeichnungen von den Windkontrollinstrumenten, der Flugschreiber mit allen technischen Details des Flugzeugs, die Unterhaltung der Kabinenmannschaft, der Startbefehl, alles... berechnet worden waren- das brauchte seine Zeit. Und diese Untersuchung führt keine einzelne Person aus, sondern eine multidisziplinäre Kommission.(...)

Die kritischsten Momente eines Fluges sind Start und Landung. Die Statistiken zeigen, dass der Start am gefährlichsten ist, wenn das Flugzeug, mit Treibstoff beladen, die Schwerkraft herausfordert. (...) Bei der Landung gibt es mehr Möglichkeiten, weil dann der Treibstoff aufgebraucht ist und weil die Flugzeuge so konzipiert sind, dass sie bis zum letzten Moment die Landung planen und den Auswirkung der Landung abschwächen können. Dabei zählt man auf die Kompetenz der Piloten, die zweimal im Jahr in Trainingszentren im Ausland in Luftsimulatoren auf Risiko- und Katastrophensituationen hin trainiert werden. Der Pilot, der die Prüfung im Simulator nicht besteht, darf bis er die Prüfung erneut besteht, nicht mehr fliegen. So streng sind die Regeln in Kuba. Aber das Leben hat immer wieder unvorhersehbare Variablen.

Ich habe in Cubadebate Kommentare von Personen gelesen,die forderten, die Bilder mit allen Details zu zeigen und die kubanische Presse kritisierten, dies nicht zu tun. Ich persönlich bin froh über das, was unsere Medien tun, denn es ist das schrecklichste und traumatischste Schauspiel, das man sich vorstellen kann. Was dort übrigbleibt sind buchstäblich Reste. Es vergeht geraume Zeit, bis man mit Hilfe der ADN identifizieren kann, welches Teil zu wem gehört, um dann die Familie zur Identifizierung zu rufen. Ich habe damals nicht gewagt, dies zu tun. Ich wollte das letzte Bild meines lebendigen Mannes in Erinnerung behalten, den Abschied an der Tür mit meinen Kindern an der Seite, Mein Schwager Ismael, auch Luftfahrttechniker, hat das für mich übernommen, Ich wartete und wagte nur zu fragen: Wie hast du ihn erkannt? Und er antwortete mir: Die Hand, ein Bein, das Haar ...

Ich teile dieses schreckliche Bild, das ich absichtlich in einem Teil meines Bewusstseins verschlossen halte, um leben zu können und heute fließen mir Tränen, während ich schreibe, um denen, die das nicht erlebt haben zu sagen, sie sollen aufhören Dummheiten zu erzählen und sich besser daran setzen emotional den Familienangehörigen der Opfer dieses schrecklichen Moments zur Seite zu stehen. Ihnen sage ich, dass sie das Leben schätzen sollen, das den Ihren genommen wurde und dass die Trauer sie nicht vernichte, dass sie nicht solch eine lange Zeit in ihrem Leben einnehme und ihnen ermögliche weiterzuleben. Dass sie sich immer daran erinnern, wie ihre Lieben vor der Katastrophe waren, denn sie würden so mit ihnen so leben und nicht wie sie am Ende waren.

Für die Kollegen werden sie weiter leben, auch wenn sie nicht mehr da sind. Ich weiß, dass viele befangen sind, Besuche abzustatten oder anzurufen, weil sie Angst haben oder es ihnen unangenehm ist, an den Schmerz zu erinnern. Aber für die Angehörigen, besonders, wenn sie Nachkommen haben, ist es schön, in euch einen Teil der Menschheit zu sehen, den sie bis dahin nicht gekannt haben. Meine Kinder wunderten sich und lachten über die Erzählungen über ihren Vater, sein Leben mit seinen Kollegen, wie er seine Aufgaben mit viel Mut und Pflichtgefühl erfüllte, sein revolutionäres Verhalten und so unglaublich dies scheinen mag, in diesen Geschichten ist auch das Beispiel des Lebens enthalten, das er hinterließ als Arbeiter, als guter Mensch und als Mutter musste ich die Kinder allein groß ziehen und das half mir bei ihrer Erziehung.

Allen vom Schmerz Betroffenen wünsche ich die Kraf,t über sich selbst hinauszuwachen und zu lernen mit dem Schmerz zu leben, aber dem Leben zu huldigen, diesem Wunder, aus dem wir stammen und das wir fortsetzen und dass mit allem Guten und Schlechten, dasses uns bringt, zu leben lohnt . (Teile eines Texts aus Cuabebate)